Alata: Château de la Punta

Alata: Chateau de la Punta - Bibliothek Alata Chateau de la Punta Bibliotheque r
Ort: Alata (Korsika)
Art: Schlossbibliothek
Baustil: Empire
Architekt: Albert Franklin Vincent
Fertiggestellt/Eröffnet: 1891
Person: Jérôme Pozzo di Borgo
Verlag: A. Tomasi, Ajaccio
Bemerkung: Kupfertiefdruck
Datierung (Karte): ca, 1930er Jahre

Oberhalb der Ortschaft Alata, etwa sieben Kilometer nördlich von Ajaccio am Golf von Lava gelegen, erhebt sich das Château de la Punta. Jérôme Pozzo di Borgo, Sproß einer korsischen Adelsfamilie, ließ es in den Jahren 1883 bis 1891 erbauen. Die Steine für den Bau stammten vom Tuilerien-Palast in Paris, der beim Aufstand der Pariser Kommune im Mai 1871 abgebrannt war. Ein Unternehmer namens Achille Picard hatte die Überreste des Palasts en gros erworben und und an verschiedene Interessenten weiterverkauft. Jérôme Pozzo di Borgo engagierte den Architekten Albert Franklin Vincent, der sich bei seinem Entwurf an einem Renaissancepavillon der Tuilerien (Pavillon de Bullant) orientierte. Die Einrichtung des Schlosses spiegelte den Geschmack des europäischen Hochadels am Ende des 19. Jahrhunderts wieder. Die Bibliothek war mit dem Mobiliar von Carlo Andrea Pozzo di Borgo (1764-1842) bestückt, dem Großvater von Jérôme, der sich einen Namen als erbitterter Feind Napoleons gemacht hatte (mit dem er weitläufig verwandt war) und von 1814 bis 1835 russischer Botschafter in Paris war. Die beiden Vasen auf dem Kaminsims hatte ihm Zar Alexander I. geschenkt, sie stammten aus der Kaiserlichen Porzellanmanufaktur St. Petersburg.

Am 7. August 1978 griff ein Buschbrand der umliegenden Macchie auf das Schloss über und beschädigte es schwer. In den Jahren darauf verfiel es weiter, bis es 1991 vom Départementrat des Départements Corse-du-Sud erworben wurde. 1996 wurde das Dach repariert, für eine Komplettsanierung scheint aber das Geld zu fehlen. Von der Inneneinrichtung befindet sich heute nichts mehr im Schloss, da die Möbel vom letzten Beitzer verkauft worden waren.

Link: Robert Werner: Le château de La Punta : Le palais des Tuileries corse

Saint-Nicolas-lès-Cîteaux: Kloster Cîteaux

Kloster Citeaux: Bibliotheque

Ort: Saint-Nicolas-lès-Cîteaux (Frankreich)
Art: Klosterbibliothek (Trappisten)
Architekt: Nicolas Lenoir
Fertiggestellt/Eröffnet: 1772
Verlag: Helio Jean Bernard / Cliché F. de Bertier
Signatur: 13
Bemerkung: Kupfertiefdruck
Datierung (Karte): ca. 1930er Jahre

Das Kloster Cîteaux in Burgund, gegründet im Jahr 1098 von dem Benediktiner-Mönch Robert von Molesme, ist das Mutterkloster des Zisterzienserordens. Dessen Name leitet sich von Cistercium (lateinisch für Cîteaux) ab. Bernhard von Clairvaux trat im Jahr 1112 in das Kloster ein und blieb drei Jahre lang, bevor er ausgesandt wurde, um das Kloster Clairvaux zu gründe. Im Kunstmuseum von Dijon befindet sich noch eine Trinkschale aus Messing, die Bernhard während seiner Zeit in Cîteaux benutzt habe soll (Coupe dite de saint Bernard). Das Kloster wurde während der französischen Revolution enteignet und verkauft, darunter auch die über 10.000 Bände der Klosterbibliothek. Beim Abtransport der Bücher nach Dijon soll laut Aussage eines Zeitzeugen auch Napoleon Bonaparte mitgewirkt haben. In der Folge wurden die meisten der mittelalterlichen Gebäude zerstört; heute ist aus dieser Zeit nur noch die 1509 fertiggestelle Bibliothek erhalten. Der auf dieser Karte abgebildte Bibliotheksraum hat jedoch nichts mit dem erhaltenen spätgotischen Bibliotheksgebäude zu tun, sondern befindet sich im Bâtiment Lenoir. Dieses imposante klassizistische Gebäude stammt aus den Jahren 1760-1772 und war Teil eines äußerst ambitionierten Projekts des Architekten Samson-Nicolas Lenoir (1733-1810), das die gesamte Klosteranlage vermutlich „in eine Art klösterliches Versailles“ (David N. Bell) umgewandelt hätte, wenn es nicht schon 1776 aufgegeben worden wäre. Bei den Mönchen, die hier gerade mit dem Ordnen der Bücher beschäftigt sind, handelt es sich um Trappisten, die im Jahr 1898 die Abtei wiederbesiedelten.

Link: Ancienne abbaye de Cîteaux à Saint-Nicolas-lès-Cîteaux

Douai: Collège de Jeunes Filles

Douai: Collège de Jeunes Filles
Ort: Douai (Frankreich)
Art: Schulbibliothek
Fertiggestellt/Eröffnet: 1770/1840
Fotograf: E. Baron
Gelaufen: 1931

Im Jahr 1607 gründeten aus England vertriebene Benediktiner in Douai, das damals Teil der spanischen Niederlande war, ein Kloster. 1770 errichteten sie ein großes vierstöckiges Gebäude, das auch ihre umfangreiche Bibliothek enthielt. Im Zuge der französischen Revolution wurden die Benediktiner aus Douai vertrieben und gingen nach England, wo sie die Abtei Downside Abbey gründeten. Die verlassenen Klostergebäude in Doaui wurden verstaatlicht und dienten in den folgenden Jahren verschiedenen Zwecken, zum Beispiel während der Kontinentalsperre der Produktion von Rübenzucker. 1818 wurden die Gebäude erneut von Benediktineren besiedelt, der Communauté de Saint-Edmond. 1840 wurde die Kapelle im neogotischen Stil wiederaufgebaut, nach Plänen des britischen Architekten Augustus Welby Northmore Pugin, einem der bedeutendsten Vertreter des Gothic Revival. Nach der Trennung von Kirche und Staat in Frankreich verließen die Mönche 1903 erneut Doaui und ließen sich in Woolhampton in Berkshiere nieder. Die Stadt Douai kaufte im Jahr darauf die verlassenen Gebäude und richtete dort ein Mädchengymnasium ein. Dieses heißt seit 1974 Lycée Jean-Baptiste-Corot, nach dem bekannten Maler, der 1871 den Glockenturm von Douai gemalt hatte (das Gemälde hängt heute im Louvre). Die auf dieser Karte abgebildete Lehrerbibliothek befindet sich in dem alten Gebäude aus dem Jahr 1770; die Ausstattung stammt von 1840. Sie wurde in den Jahren 2007-2008 umfassend saniert.

Link: Lycée Jean-Baptiste-Corot: Le Centre de Documentation et d’Information

Nizza: Grand Séminaire

Nizza: Grand Seminaire - Bibliotheque

Nizza Grand Seminaire Bibliotheque r

Ort: Nizza (Frankreich)
Art: Priesterseminar
Architekt: Jules Febvre und Marius Déporta
Fertiggestellt/Eröffnet: 1935/36
Verlag: Hélio Le Marigny, La Seyne (Var)
Bemerkung: Kupfertiefdruck
Datierung (Karte): ca. 1930er Jahre

Im Jahr 1842 eröffnete der Bischof von Nizza, Dominique Galvano, im Stadtteil Lazaret östlich des Hafens ein kleines Seminar für die Ausbildung von Laien und zukünftigen Priestern, das sog. Parvum Seminarium et Collegium (Piccolo Seminario Collegio-Convitto Vescovile di Nizza). Das Seminar bestand aus einem Haupt- und Nebengebäude und wurde zuerst von Diözesanpriestern geleitet, bis es 1866 an die Lazaristen (Vinzentiner) übergeben wurde. In den 1880er Jahren erfolgten umfangreiche bauliche Erweiterungen, das Seminar hatte zu dieser Zeit fast 300 Studenten. Mit dem Gesetz zur Trennung von Kirche und Staat wurden die Gebäude 1907 konfisziert und den städtischen Hospizen zugewiesen. In der Folge verschlechterte sich ihr baulicher Zustand zusehends, bis der Bischof Louis-Marie Ricard sie 1928 für eine Million Francs kaufte, um dort das Grand Séminaire einzurichten. Die Architekten des Restaurierungsprojekts waren Jules Febvre und Marius Déporta. Die Einweihung des Seminars mit seiner rosa Fassade und den grünen Fensterläden erfolgte 1931, die der Bibliothek einige Jahre später. Sie sollte nicht nur den Geistlichen, sondern auch Laien offenstehen. 1966 wurde das Seminar geschlossen, die Bibliothek blieb aber als öffentliche Bibliothek (Bibliothèque diocésaine de Nice) bestehen. Die modernen Bestände befinden sich im Maison du Séminaire am Boulevard Franck Pilatte, die historischen Bestände in den Räumlichkeiten des Historischen Archivs der Diözese in der Rue Vincent Fossat. Das ehemalige Hauptgebäude des Seminars ist heute ein Hotel (Le Saint-Paul).

Link: La Bibliothèque diocésaine de Nice

Paris: Musée Guimet

Paris Musee Guimet Bibliotheque
Paris Musee Guimet Bibliotheque r Ort: Paris
Art: Museumsbibliothek
Baustil: Neoklassizismus
Architekt: Jules Chatron
Fertiggestellt/Eröffnet: 1889
Person: Émile Guimet
Verlag: Levy & Neurdein Reunis
Signatur: 2
Datierung (Karte): nach 1919

Das Musée Guimet ist ein Museum für asiatische Kunst, das auf den Industriellen und Forchungsreisenden Émile Guimet (1836-1918) zurückgeht. Guimet stammte aus Lyon, sein Vater war Chemiker und hatte ein Verfahren zur künstlichen Herstellung von Ultramarinblau entwickelt. Émile studierte ebenfalls Chemie und stieg zunächst in die Firma seines Vaters ein, interessierte sich jedoch mehr für Kunst und Musik und unternahm mehrere Forschungsreisen in den Fernen Osten, wo er sich mit religionsgeschichtlichen Studien beschäftigte. Von diesen Reisen brachte er zahlreiche Kunstschätze mit, die 1879 in Lyon in einem Museum ausgestellt wurden, das der mit Guimet befreundete Lyoner Architekt Jules Chatron entworfen hatte. 1889 verlegte Guimet den größten Teil der Sammlung nach Paris. Das neue Museum im 16. Arrondissement wurde nach denselben Plänen wie das in Lyon gebaut, das Kernstück bildete die Rotunde der Bibliothek. Hier wurden ab 1891 auch buddhistische Zeremonien abgehalten, und am 13. März 1905 fand in der Rotunde eine besondere Tanzdarbietung statt: eine gewisse Lady MacLeod, die angab, aus Indien bzw. Indonesien zu stammen, bot auf Einladung von Guimet vor einem ausgesuchten Publikum vermeintliche indische Tempeltänze dar. In Wahrheit stammte die Tänzerin aus Leeuwarden in den Niederlanden, was jedoch erst später bekannt wurde. Der Auftritt in der Bibliothek des Musée Guimet markierte den Beginn ihrer Karriere – seit diesem Tag nannte sie sich Mata Hari.

Link: Musée Guimet – La bibliothèque historique

Paris: La Maison de Santé du Docteur Bonnet

Paris_La_Maison_de_Sante_du_Docteur_Bonnet
Paris_La_Maison_de_Sante_du_Docteur_Bonnet_r Ort: Paris
Art: Krankenhaus
Fertiggestellt/Eröffnet: 1903
Person: Charles Bonnet
Beschrieben: 1917

Die Karte zeigt die Bibliothek einer Nervenheilanstalt, die zu Beginn des 20. Jahrunderts von den Ärzten Charles Bonnet (1872-1919) und Albert Logez-Duc in einem Palais aus dem 18. Jahrhundert in der Rue de la Chaise im 7. Arrondissement von Paris eingerichtet wurde. Charles Bonnet, auch Bonner oder Bonnier, ist nicht zu verwechseln mit dem Genfer Biologen und Philosophen gleichen Namens, auf den die Entdeckung der Parthenogenese zurückgeht. Das „Hôtel de Vaudreuil“ hatte zuvor zahlreiche verschiedene Besitzer. Erbaut vor 1780 für den Adligen Gaillard de Beaumanoir, wurde es nach dessen Tod von Joseph Hyacinthe François de Paule de Rigaud, Graf von Vaudreuil, erworben. 1803 kam das Palais in den Besitz von Elisa Bonaparte, der Schwester Napoleons, die es umbauen ließ und darin einen literarischen Salon unterhielt. Als sie 1805 ihrem Mann in die Toskana folgte, nutzte Napoleon es kurzzeitig als Gästehaus. Danach gehörte es dem italienischen General Fürst Francesco Aldobrandini Borghese, danach dem Militär und Politiker Emmanuel de Crussol d’Uzès, von dem es 1878 seine Tochter Mathilde Renée erbte. In der Folge wurde es an eine Religionsgemeinschaft vermietet, bevor schließlich 1903 (oder 1906) die „Maison de Santé du Docteur Bonnet“ dort eingerichtet wurde. Im ersten Weltkrieg diente die Klinik als Militärkrankenhaus, zuerst für kanadische, dann für schottische Soldaten. In den 1960er Jahren konnte ein drohender Abriß des Gebäudes durch das Engagement verschiedener Vereine verhindert werden. Heute existiert es in größtenteils veränderter Form; nur zwei Räume im Inneren zeugen noch von der Zeit Ludwigs XV. und Ludwigs XVI.

Link: La Maison de Santé du Docteur Bonnet

Vienne: Musée et Bibliothèque

Vienne: Place Miremont - Musée et Bibliothèque
Vienne Place Miremont Musee Bibliotheque r

Ort: Vienne (Isère)
Art: Öffentliche Bibliothek
Fertiggestellt/Eröffnet: 1823 / 1895
Person: Teyssière de Miremont
Verlag: Cliché C. D. Blanchard
Signatur: 15 / 1006
Gelaufen: 1906

Die Bibliothek von Vienne geht, wie viele öffentliche Bibliotheken Frankreichs, auf die Konfiskationen kirchlicher Bibliotheken während der französischen Revolution zurück. Sie wurde 1794 gegründet und nahm die Bestände der umliegenden Klöster, der Kathedrale St-Maurice und des Collège Ponsard auf. Die Bücher waren in den ersten Jahren nach der Gründung im Rathaus untergebracht, dann zusammen mit denen des Museums im Tempel des Augustus und der Livia, einem römischen Bauwerk, das bis zur Französischen Revolution als Kirche genutzt worden war. 1854 wurden viele der Bücher bei einem Brand zerstört, die Bibliothek blieb daraufhin bis 1863 geschlossen. Im Jahr 1895 bezogen Bibliothek und Museum das auf dieser Karte zu sehende Gebäude auf der östlich der Kathedrale St-Maurice gelegenen Place de Miremont. Es war 1823 auf Betreiben des Bürgermeisters Teyssière de Miremont als Kornspeicher (halle aux grains) erbaut worden, mitten auf dem Platz, der nach ihm benannt ist und auf dem sich ursprünglich der Erzbischöfliche Palast befunden hatte, der nach Aufhebung des Erzbistums Vienne 1801 abgerissen worden war. Die halle aux grains war auch ursprünglich zweistöckig gewesen; das obere Stockwerk wurde 1895 jedoch erweitert, um Bibliothek und Museum aufzunehmen. Im Edgeschoss befand sich seit 1874 eine Markthalle, die nun in einen Festsaal umgewandelt wurde (hier fanden auch die ersten Kinovorführungen von Vienne statt). Das Musée des Beaux-Arts et d’Archéologie befindet sich noch heute in dem Gebäude; die Bibliothek zog 2011 in das Kulturzentrum „Le Trente“ in der Avenue du Général Leclerc, in dem sich auch das Conservatoire Musique et Danse befindet.

Link: Le cadastre napoléonien : centre ancien de Vienne

Grenoble: Bibliothèque municipale

Grenoble: Bibliothèque municipale, Grande salle d'exposition Grenoble_Bibliotheque_municipale_r
Ort: Grenoble (Frankreich)
Art: Öffentliche Bibliothek
Baustil: Neorenaissance
Architekt: Charles-Auguste Questel
Fertiggestellt/Eröffnet: 1872
Verlag: Lévy Fils & Cie.
Signatur: 163
Datierung (Karte): ca. 1910-1920

Den Grundstock für die 1772 gegründete Bibliothek bildete der Nachlass des im Jahr zuvor verstorbenen bibliophilen Bischofs Jean de Caulet, dem bald die Bibliothek der Anwaltskammer und schießlich die Bestände der in der französischen Revolution aufgelösten Klöster der Umgebung hinzugefügt wurden. Seit 1800 war die Bibliothek in einer Etage des ehemaligen Jesuitenkollegs untergebracht. 1864 wurde mit dem Bau eines eigenen Gebäudes an der Place de la Constitution (heute Place Verdun) begonnen, das zugleich das Museum beherbergen sollte. Der Entwurf des Neorenaissance-Baus stammt von dem Pariser Architekten Charles-Auguste Questel. Nach Unterbrechung durch den deutsch-französischen Krieg wurde es 1872 eröffnet. Die auf dieser Karte abgebildete „Grande salle d’exposition“ ist 12 Meter hoch und wird von fünf Kuppeln bekrönt. Die Bibliothek befand sich bis 1970 in dem Gebäude, das Museum bis 1993. Heute wird es unter dem Namen „La Plateforme“ für Ausstellungen und Veranstaltungen genutzt.

Link: Ancien Musée-Bibliothèque, actuellement espaces d’exposition

Colmar: Oberlandesgericht

Colmar: Oberlandesgericht, Bibliothek
Colmar_Oberlandesgericht_Bibliothek_r Ort: Colmar (Frankreich)
Art: Gerichtsgebäude
Baustil: Neobarock
Architekt: Richard Kuder und Joseph Müller
Fertiggestellt/Eröffnet: 1906
Verlag: Vereinigte Kunstdruckereien Metz & Lautz, Darmstadt
Signatur: VI 6338
Gelaufen: 1919

Colmar, heute Hauptstadt des französischen Départements Haut-Rhin in der Region Grand Est, war von 1871 bis 1918 Teil von Elsaß-Lothringen, das nach dem Deutsch-Französischen Krieg mit dem Frieden von Frankfurt dem neu gegründeten deutschen Kaiserreich angegliedert wurde. 1871 wurde das kaiserliche Oberappellationsgericht Colmar eingerichtet, das 1877 in das Oberlandesgericht Colmar umgewandelt wurde. Im Jahr 1900 entschied man sich, ein neues repräsentatives Gerichtsgebäude zu erbauen. Das vorherige Gebäude an der Place du Marché-aux-Fruits war in schlechtem baulichen Zustand und zu klein geworden, außerdem hatte es den Nachteil, dass der Dachboden an Wäscherinnen und der Keller an Winzer vermietet wurde, was zur Folge hatte, dass von der zum Trocknen aufgehängten Wäsche Wasser von der Decke tropfte und die Richter im Herbst vom Most- und Alkoholgeruch gestört wurden. Für den Neubau stellte die Stadt ein Grundstück am Hohlandsbergwall (heute Avenue Raymond-Poincaré) zur Verfügung, auf dem sich zuvor ein Versuchsweinberg der Wein- und Gartenbaugesellschaft befunden hatte. Die Ausschreibung, die nur deutschen Architekten zugänglich war, gewannen die Architekten Kuder und Müller, die sich für einen neobarocken Bau entschieden (laut Ausschreibung durfte der Baustil „in keinem Falle gothisch sein“). 1902 wurde mit den Arbeiten begonnen, der Bau 1906 fertiggestellt. Architektonisch weist er Anklänge an Schloss Belvedere in Wien auf. Als nach Ende des Ersten Weltkrieges Colmar zusammen mit dem übrigen Elsass wieder ein Teil von Frankreich wurde, wurde das Gebäude Sitz des Cour d’appel de Colmar. Die Bibliothek befindet sich im zweiten Stock, der Raum wird gegenwärtig für Tagungen und Seminare genutzt.

Link: Archi-Wiki: Cour d’appel de Colmar

Noyon: La Bibliothèque du Chapitre

Noyon: La Bibliothèque du Chapitre
Librairie_du_chapitre_ de_Noyon_r Ort: Noyon (Frankreich)
Art: Kathedralbibliothek
Baustil: Spätmittelalter
Fertiggestellt/Eröffnet: 1506
Verlag: J. Masson
Signatur: 10
Gelaufen: 1901

Die Bibliothek der Kathedrale Notre-Dame von Noyon ist eine der wenigen erhaltenen mittelalterlichen Bibliotheken Frankreichs. Das im rechten Winkel zur Kathedrale stehende Gebäude wurde 1506 erbaut, am Übergang von Mittelalter zur Renaissance und drei Jahre, bevor in Noyon der Reformator Johannes Calvin geboren wurde. Die aus Holz gebaute rechteckige Bibliothek misst 23 x 5 Meter und ruht auf einer doppelten Reihe von zehn hölzernen Säulen bzw. Pfosten. Das Erdgeschoss bildete dadurch einen offenen überdachten Raum. Diese Bauweise war vermutlich gewählt worden, um die Bücher vor Feuchtigkeit zu schützen und fand sich ganz ähnlich bei der 1757 abgerissenen Bibliothek der Kathedrale von Lichfield in England. Einer lokalen Tradition zufolge wurde das Erdgeschoss in früheren Zeiten als Markthalle genutzt. Im 19. Jahrhundert wurde der Raum zwischen den Säulen aus Sicherheitsbedenken zugemauert – der Zustand ist auf dieser Karte zu sehen. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde bei einer Sanierung der ursprüngliche Zustand mit dem offenen Erdgeschoss wiederhergestellt. Der Bibliothekssaal war ursprünglich als Pultbibliothek mit angeketteten Büchern gestaltet. Als mit der Verbreitung des Buchdrucks die Bestände wuchsen, wurde der Raum im Jahr 1675 mit Wandregalen versehen, um mehr Bücher unterbringen zu können. Die Bibliothek ist heute nur mit einer Sondergenehmigung zugänglich. Ihr größter Schatz, das Evangeliar von Morienval aus dem 9. Jahrhundert, befindet sich jedoch im Rathaus von Noyon und kann im Rahmen von Führungen besichtigt werden.

Literatur: André Masson: La „librairie“ du chapitre de Noyon et l’architecture des bibliothèques françaises à la fin du Moyen Âge“ (Bulletin des bibliothèques de France, 1957, n° 2, pp. 95-110)