Evanston: Northwestern University, Charles Deering Library

Evanston: Northwestern University, Charles Deering Library
Evanston Northwestern University Charles Deering Library r Ort: Evanston, Illinois
Art: Hochschulbibliothek
Baustil: Neogotik
Architekt: James Gamble Rogers
Fertiggestellt/Eröffnet: 1933
Person: Charles Deering
Verlag: Charles R. Childs
Signatur: 177
Datierung (Karte): vor 1948

Die Northwestern University ist eine 1851 von Methodisten gegründete Privatuniversität in Illinois, die sich über zwei Standorte in Chicago und in Evanston erstreckt. Der Campus in Evanston liegt am Ufer des Lake Michigan. Die Bibliothek befand sich ursprünglich in einem Gebäude aus dem Jahr 1894, das aber in den 1920er Jahren zu klein geworden war. So wurde im Jahr 1933 ein neues Bibliotheksgebäude eröffnet, das von dem Industriellen und Kunstmäzen Charles Deering finanziert wurde, nach dem die Bibliothek auch benannt ist. Der Architekt des neogotischen Gebäudes („Collegiate Gothic“) war James Gamble Rogers; als Vorbild diente die King’s College Chapel in Cambridge, die als eines der besten Beispiele des sog. „Perpendicular Style“ in England gilt. 1970 bezog die Bibliothek ein neues Gebäude im Stil des Brutalismus, die Charles Deering Library beherbergt seitdem das Universitätsarchiv, die Musikbibliothek und die Kunstsammlungen der Universität.

Die Ansichtskarte wurde von dem Verlag Charles R. Childs produziert. Charles R. Childs (1875–1960) war ein bekannter Fotograf, der Anfang des 20. Jahrhunderts mehr als 5000 (!) verschiedene Ansichten von Chicago fotografierte und als Postkarten vertrieb. Insgesamt soll er mit seinem Verlag 40-60.000 verschiedene Ansichtskarten des mittleren Westens der USA produziert haben.

Link: Charles Deering Memorial Library

London: Merchant Taylors’ School

London: Merchant Taylors’ School - Library
London Merchant Taylors School Library r Ort: City of London
Art: Schulbibliothek
Baustil: Neogotik
Architekt: Edward I’Anson
Fertiggestellt/Eröffnet: 1875
Verlag: P. A. Buchanan & Co, Croydon
Fotograf: Percy Alex Buchanan
Datierung (Karte): ca. 1910-1920

Die Merchant Taylors’ School ist eine Jungenschule und eine der neun Schulen im Vereinigten Königreich, die im Public Schools Act von 1868 genannt werden. Sie wurde im Jahr 1561 von dem Londoner Bürgermeister und Textilhändler Thomas White gegründet, auf den auch die Gründung des St John’s College in Oxford zurückgeht. Thomas White war ein einflussreiches Mitglied der Gilde der Schneider (Worshipful Company of Merchant Taylors), einer der zwölf großen Londoner Gilden, nach der die Schule benannt ist. Ursprünglich befand sie sich in einem alten Stadtpalais in der Suffolk Lane in der Pfarrei St Lawrence Pountney (City of London), das den Namen „Manor of the Rose“ trug und im Historienrama „Heinrich VIII“ von Shakespeare kurz erwähnt wird. Nachdem dieses Gebäude beim Großen Brand von London im Jahr 1666 komplett zerstört worden war, bezog die Schule 1675 einen Neubau an derselben Stelle (Architekt: Robert Hooke). Dieses Gebäude war Mitte des 19. Jahrhunderts in schlechtem Zustand und zu klein geworden, so dass die Company of Merchant Taylors ein Grundstück in der Goswell Street am Charterhouse Square erwarb und dort ein neues, größeres Schulgebäude errichtete, das 1875 eingeweiht wurde. Der Architekt war Edward I’Anson (1812-1888), der selbst die Merchant Taylors’ School besucht hatte. Die Schule blieb bis 1933 in diesem neogotischen Gebäude, dann zog sie – da die Innenstadt von London als zu verstopft und schmutzig für die Schule angesehen wurde – in das Umland nach Sandy Lodge (zwischen Ruislip, Northwood und Rickmansworth). Das alte Schulgebäude in der Goswell Street wurde an das St Bartholomew’s Hospital verkauft und existiert heute in stark veränderter Form.

Link: Merchant Taylors‘ School – Building  From 1875  to 1933

São Paulo: Biblioteca Municipal

São Paulo: Biblioteca Mário de Andrade (Jacques Pilon 1942) Sao_Paulo_Biblioteca_Mario_de_Andrade_r
Ort: São Paulo (Brasilien)
Art: Öffentliche Bibliothek
Baustil: Art déco
Architekt: Jacques Pilon
Fertiggestellt/Eröffnet: 1942
Verlag: Cromocart – G. W.
Signatur: 85
Datierung (Karte): ca. 1950er Jahre

Die Biblioteca Municipal de São Paulo wurde 1925 als Bibliothek des Stadtrats von São Paulo gegründet. 1939 wurde sie mit der Bibliothek des Bundesstaats São Paulo (Biblioteca Pública do Estado) vereint. Das imposante Gebäude in der Rua da Consolação im Stadtzentrum wurde in den Jahren 1935 bis 1942 erbaut, der Architekt war der Franzose Jacques Pilon (1905-1962), der im Alter von fünf Jahren mit seiner Familie von Frankreich nach Rio de Janeiro ausgewandert war, dann zum Studium der Architektur an die École des Beaux-Arts nach Paris gegangen und 1932 wieder nach Brasilien zurückgekehrt war. Er gilt als ein wichtiger Vertreter der modernen Architektur in Brasilien, die Bibliothek als Wahrzeichen des Art-déco-Stils in São Paulo. Von ursprünglich zwei geplanten Magazintürmen wurde nur einer realisiert. 1960 wurde die Bibliothek nach dem brasilianischen Schriftsteller und Musikforscher Mário de Andrade (1893-1845) benannt.

Link: Laís Silva Amorim und Manoela Rossinetti Rufinoni: Biblioteca Mário de Andrade: um patrimônio para a cidade

München: Abtei St. Bonifaz

München: Abtei St. Bonifaz - Stiftsbibliothek
München Abtei St Bonifaz Stiftsbibliothek r Ort: München
Art: Klosterbibliothek (Benediktner)
Baustil: Klassizismus
Architekt: Georg Friedrich Ziebland
Fertiggestellt/Eröffnet: 1850
Person: Ludwig I. (Bayern)
Bemerkung: nicht frankiert (Klosterpost)
Gelaufen: 1912

Die Abtei St. Bonifaz ist eine Benediktinerabtei, die 1850 durch den bayerischen König Ludwig I. gegründet wurde. Ludwig I. (1786-1868) ließ zwischen 1826 und 1848 mehr als 100 Klöster wiederherstellen oder neu begründen. Mit dieser kirchlichen Restaurationspolitik verfolgte er das Ziel, das geistliche Leben in Bayern nach der Säkularisation neu zu beleben sowie ein effektives Fürsorge- und Bildungssystem aufzubauen. 1850 wurde das Kloster St. Bonifaz eingeweiht, der Architekt war Georg Friedrich Ziebland. Dieser war 1827 von Ludwig auf eine zweijährige Studienreise nach Italien geschickt worden, um die römischen Basiliken zu studieren. Die an frühchristliche und byzantinische Architektur erinnernde Abteikirche St. Bonifaz in München gilt als sein Hauptwerk. Als Ludwig im Jahr 1868 in Nizza starb, wurde sein Leichnam nach St. Bonifaz überführt, das er zu seiner Grablege bestimmt hatte. Die Stiftsbibliothek mit ihren ca. 250.000 Bänden ist eine der größten wissenschaftlichen Privatbibliotheken in Bayern. Ein Teil ihrer Bestände ist bei einem Bombenangriff im Zweiten Weltkrieg verlorengegangen.

Link: Geschichte der Stiftsbibliothek St. Bonifaz München

Concord: Emerson’s Library

Concord: Emerson's Library
Concord_Emersons_Library_r Ort: Concord, Massachusetts
Art: Privatbibliothek
Fertiggestellt/Eröffnet: 1828/1835
Person: Ralph Waldo Emerson (1803-1882)
Verlag: Raphael Tuck & Sons
Signatur: 2127
Datierung (Karte): um 1900

Ralph Waldo Emerson (1803-1882) war ein US-amerikanischer Philosoph und Schriftsteller, der zu den wichtigsten Protagonisten einer literarischen Strömung gehörte, die als „American Renaissance“ bezeichnet wird. Im Jahr 1835 kaufte er ein Haus in Concord und bezog es zusammen mit seiner zweiten Frau Lydia Jackson. In dem Haus, in dem er bis zu seinem Lebensende wohnen sollte, scharte er einen Kreis Gleichgesinnter um sich, den „Transcendental Club“. Der Transzendentalismus war eine neuidealistische Bewegung, die großen Einfluss auf die amerikanische Geistesgeschichte ausübte. Ralph Waldo Emerson wollte in seinem Haus so viele Bücher und weise Freunde wie möglich zusammenbringen („crowd so many books and papers, and, if possible, wise friends into it, that it shall have as much wit as it can carry“). Das Ralph Waldo Emerson House ist seit 1930 ein Museum. Die Räume sind weitgehend in originalem Zustand erhalten. Sein Arbeitszimmer (study), das auf dieser Ansichtskarte zu sehen ist, wurde jedoch 1930 in dem benachbarten Concord Museum originalgetreu rekonstruiert. Die Bücher aus seinem persönlichen Besitz befinden sich heute in der Houghton Library an der Harvard University.

Link: Concord Museum – Ralph Waldo Emerson’s Study

Straßburg: Landesbibliothek (Palais Rohan)

Strassburg (Strasbourg) - Landesbibliothek - Palais Rohan
Strassburg - Landesbibliothek - Palais Rohan r Ort: Straßburg (Frankreich)
Art: Hochschulbibliothek, Landesbibliothek
Baustil: Barock
Architekt: Robert de Cotte (Entwurf) und Joseph Massol (Ausführung)
Fertiggestellt/Eröffnet: 1741 / 1871
Person: Louis de Rohan
Verlag: Römmler & Jonas
Signatur: 1514 gina
Datierung (Karte): vor 1900

Die Universitäts- und Landesbibliothek Straßburg wurde 1871/1872 gegründet. Nachdem im deutsch-französischen Krieg mit der städtischen Bibliothek eine der größten und ältesten humanistischen Bibliotheken Europas verbrannt war, kamen durch einen Spendenaufruf 200.000 Bände für die neugegründete Bibliothek zusammen. Erster Standort war das Palais Rohan, ein prachtvolles Barockpalais, das in den Jahren 1732 bis 1741 erbaut worden war. Das Palais Rohan hatte im 18. Jahrhundert den Fürstbischöfen und Kardinälen aus der Familie Rohan als Stadtresidenz gedient. Der letzte von ihnen, Louis de Rohan, hatte in der berühmten Halsbandaffäre um Königin Marie Antoinette eine unrühmliche Rolle gespielt. Seit 1872 hieß die Bibliothek „Kaiserliche Universitäts- und Landesbibliothek zu Strassburg“ (KULBS). Da das Palais Rohan sich bald als zu klein und zu wenig sicher für die neue Bibliothek erwies, bezog diese 1895 ein neues Gebäude am Kaiserplatz. Im Palais Rohan befinden sich heute das Archäologische Museum, das Kunstgewerbemuseum, das Museum für schöne Künste sowie die städtische Galerie Robert Heitz.

Link: Bibliothèque nationale et universitaire de Strasbourg – Histoire

Parma: Biblioteca Palatina

Parma: Biblioteca Palatina, Salone Maria Luigia (1834) Parma: Bibioteca Palatina
Ort: Parma
Art: Schlossbibliothek
Baustil: Klassizismus
Architekt: Nicolò Bettoli
Fertiggestellt/Eröffnet: 1834
Person: Philipp (Parma)
Datierung (Karte): um 1900

Die Biblioteca Palatina, benannt nach Apollo Palatinus, wurde im Jahr 1761 von Philipp von Spanien, dem Sohn von König Philipp V. von Spanien und Elisabetta Farnese, gegründet. Philipp, Begründer der Linie Bourbon-Parma, war 1748 im Zuge des Friedens von Aachen zum Herzog von Parma bestimmt worden, unter seiner Regierungszeit erlebte das heruntergewirtschaftete Herzogtum eine neue wirtschaftliche und kulturelle Blütezeit. Eine wichtige Rolle dabei spielte der liberale französische Politiker Guillaume du Tillot, den Philipp zu seinem Minister ernannte. Tillot regte zum Beispiel den Anbau von Kartoffeln an, war an der Gründung der Akademie der schönen Künste und des Antikenmuseums beteiligt und reorganisierte die Universität Parma. Im Zuge dieser aufklärerischen Maßnahmen war auch die Errichtung der Biblioteca Palatina als Öffentliche Bibliothek für das Herzogtum gedacht. Erster Bibliothekar war Paolo Maria Paciaudi, ein Mitglied des Ordens der Theatiner, der zuvor in Frankreich das dortige Bibliothekswesen studiert hatte und in Parma den Bücherbestand mit Hilfe eines Netzwerks von Korrespondenten in ganz Europa von Grund auf neu zusammentrug. Die Bücher wurden im Palazzo della Pilotta aufgestellt, einem historischen Gebäudekomplex im Zentrum von Parma, der Ende des 16. Jahrhunderts unter der Regierungszeit der Farnese erbaut worden war. Die Innenausstattung stammt von dem französischen Architekten Ennemond Alexandre Petitot, der von Tillot engagiert worden war und im Herzogtum Parma den neuen klassizistischen Baustil einführte. Die Ansichtskarte zeigt aber nicht diese 1769 fertiggestellte „Galleria Petitot“, sondern den „Salone Maria Luigia“ in einem Anbau aus dem Jahr 1834 (Architekt: Nicolò Bettoli). Dieser monumentale Lesesaal ist nach Marie-Louise von Österreich benannt, der zweiten Ehefrau Napoleons, die von 1814 bis 1847 Herzogin von Parma war und den Bibliotheksbestand erheblich erweiterte. Im Hintergrund des Saals sieht man die Marmorbüste, die der bekannte italienische Bildhauer Antonio Canova 1822 von ihr schuf. Der Palazzo della Pilotta wurde 1944 bei einem englischen Luftangriff schwer beschädigt; dabei gingen mehr als 20.000 Bände verloren. Der Wiederaufbau erfolgte kurz darauf; heute umfasst die Bibliothek über 700.000 Bände sowie zahlreiche Manuskripte, Inkunabeln und Musikalien.

Link: Biblioteca Palatina – History