Schmalkalden: Lutherstube in der Stadtkirche

Schmalkalden: Lutherstube in der Stadtkirche
Ort: Schmalkalden
Art: Kirchenbibliothek
Fertiggestellt/Eröffnet: 19. Jahrhundert
Person: Martin Luther
Verlag: Kunst- und Verlags-Anstalt Carl Simon
Signatur: 102 / 3218
Datierung (Karte): um 1905

Die Stadtkirche St. Georg in Schmalkalden in Thüringen ist eine spätgotische Hallenkirche, deren Bau 1509 vollendet wurde. Im Februar 1537 war sie Schauplatz einer Versammlung der Mitglieder des sog. Schmalkaldischen Bundes, eines 1531 geschlossenen Verteidigungsbündnisses protestantischer Fürsten und Städte gegen den Kaiser Karl V. Martin Luther predigte aus diesem Anlass in der Kirche und legte auf Wunsch des sächsischen Kurfürsten Johann Friedrich eine Zusammenfassung seiner Lehre, die sog. Schmalkaldischen Artikel vor. Einer Überlieferung zufolge soll Luther sich während der morgendlichen Gottesdienste in der ehemaligen Paramentenkammer über der Sakristei aufgewärmt haben, die später zu seinen Ehren Lutherstube genannt wurde.

In diesem mit Deckenmalereien geschmückten Raum war spätestens zu Beginn des 18. Jahrhunderts die Kirchenbibliothek (Lutherbibliothek) untergebracht, die sich zuvor in der Sakristei befunden hatte. Sie geht auf das 15. Jahrhundert zurück und enthält seltene Inkunabeln und Drucke aus dem 16. und 17. Jahrhundert. Im Jahr 1864 wurde in der Lutherstube ein kleines Kirchenmuseum eingerichtet, das neben den Büchern auch einen Schnitzaltar, Tafelbilder und Möbel enthielt. 1893/1894 wurde es erneuert, und Superintendent Gustav Adolf Obstfelder (1847-1930) verfasste einen Katalog der Bibliothek. (Bei dem im Hintergrund sitzenden Mann dürfte es sich um Obstfelder handeln). Der Bestand wird seitdem museal erhalten, als Pfarrbibliothek dient heute eine seit Mitte des 19. Jahrhunderts aufgebaute Sammlung theologischer Fachliteratur (Predigerbibliothek). Die Lutherstube kann heute noch besichtigt werden, enthälte aber keine Bücher mehr.

Link: Felicitas Marwinski und Susanne Dausel: Bibliotheken in der Stadtkirche St. Georg (Lutherbibliothek und Predigerbibliothek), in: Handbuch der historischen Buchbestände in Deutschland, Österreich und Europa, hrsg. von Bernhard Fabian

Arras: Bibliothèque municipale

Arras: Bibliotheque municipale
Ort: Arras (Pas-de-Calais)
Art: Öffentliche Bibliothek
Fertiggestellt/Eröffnet: 18. Jahrhundert
Verlag: Lévy Fils & Cie.
Signatur: 67
Gelaufen: ca. 1904

Die ehemalige Benediktenrabtei Saint-Vaast (Abbaye Saint-Vaast d’Arras) wurde im 7. Jahrhundert gegründet und war dem ersten Bischof von Arras, Vedast(us), geweiht. Das riesige, um drei Innenhöfe grupperte Gebäudeensemble stammt aus dem 18. Jahrhundert. Während der Französischen Revolution wurde die Abtei verstaatlicht und die Mönche vertrieben. Die Gebäude wurden zunächts als Lazarett und Kaserne genutzt, später zogen verschiedene Einrichtungen der öffentlichen Verwaltung ein; seit 1825 befindet sich dort das Musée des Beaux-Arts. Die Stadtbibliothek wurde in der früheren Klosterbibliothek eingerichtet, einer Folge von drei Räumen, deren mittlerer ein langgestreckter zweigeschossiger Saal mit umlaufender Galerie und einem Tonnengewölbe ist (auf französisch wird so ein Raum auch „vasseau“ – „Schiff“ – genannt).

Einen herben Verlust erlitt die Bibliothek in den Jahren 1814 und 1815, als der damalige Direktor Pierre Caron einen Diebstahl großen Stils betrieb. Caron war kein ausgebildeter Bibliothekar, sondern ursprünglich Händler und während der Revolution Mitglied der Nationalgarde gewesen. Seinen Posten nutzte er aus, um Tausende von Pergamentseiten aus Manuskripten zu lösen, die er nach Gewicht an Buchbinder und Händler verkaufte, die die Blätter als Packpapier benutzten. Auch Gemälde und Wertgegenstände stahl er. Ein ganzes Jahr lang soll er seine Miete – er wohnte bei einem Goldschmied – mit Edelsteinen und Silber aus den wertvollen Einbänden von Meßbüchern bezahlt haben.

Ein weiterer Schicksalsschlag traf die Bibliothek im Ersten Weltkrieg. Bei einem deutschen Angriff mit Brandbomben im Juli 1915 wurde der Bischofspalast vollständig zerstört, neben dem Museum und dem Archiv ging dabei auch die Bibliothek verloren – rund 50.000 Bände fielen den Flammen zum Opfer, außer den Manuskripten, einer Inkunabel und einigen wertvollen Büchern, die man zuvor ausgelagert hatte. 1920 begann man mit dem langjährigen Wiederaufbau. Die ursprünglichen Pläne einer originalgetreuen Rekonstruktion des Bibliothekssaals wurden zugunsten eines funktionaleren Ansatzes aufgegeben. Die Bestände wurden mit Büchern aus anderen französischen und ausländischen Bibliotheken sowie privaten Spenden und Vermächtnissen wiederaufgefüllt. Heute gilt die Abtei als größtes Ensemble religiöser Architektur des 18. Jahrhunderts in Frankreich. Die Médiathèque municipale d’Arras umfasst heute 2000 Manuskripte, darunter mehr als 700 aus dem ursprünglichen Bestand der Abtei Saint-Vaast.

Link: Médiathèque municipale d’Arras

Quelle: Judith Olszowy-Schlanger: An Autopsy oft he Talmud of Arras (MS 889): A Sad Case of Dismembering and Theft. In: „“Habent Sua Fata Fragmenta“. Festschrift in Honour of Mauro Perani Offered by Friends and Colleagues, European Genizah Texts and Studies, Volume 7, 2024, S. 192-111

Strängnäs: Dombibliothek



Strängnäs: Dombibliothek
Ort: Strängnäs (Schweden)
Art: Kathedralbibliothek
Fertiggestellt/Eröffnet: 17. Jahrhundert / 1910
Person: Johannes Matthiae
Herausgeber: Oskar Eriksons Bokhandel
Signatur: 12059
Datierung (Karte): um 1910

Die Ansichtskarte zeigt die Dombibliothek von Strängnäs, einem Bischofssitz am Mälarsee in der schwedischen Provinz Södermanlands län. Ihre ältesten Bücher stammen aus Schenkungen von Bischöfen, Priestern und Laien aus dem 15. und 16. Jahrhundert. Dazu kommen Bücher aus der Kriegsbeute des Dreißigjährigen Krieges sowie aus der Sammlung des Bischofs Johannes Matthiae Gothus (1592-1670). Johannes Matthiae war in den Jahren von 1643-1664 Bischof von Strängnäs, einer Periode der Stabilität und des Aufschwungs. Zuvor war er Präzeptor der Königin Chirsitina von Schweden gewesen, und über diese Verbindung kamen kurz nach Ende des Dreißigjährigen Krieges zwischen 1500 und 2000 Bücher vor allem aus Böhmen und Mähren (Prag, Olmütz und Nikolsburg) nach Strängnäs. Zu dieser Zeit wurde das Innere der Domkirche umgestaltet, und die Bibliothek in einem Chor im Nordwesten der Kirche aufgestellt, direkt über der Familiengruft von Johannes Matthiae.

Im 18. Jahrhundert sank die Bedeutung der Dombibliothek, während die Bibliothek des 1626 von König Gustav II. Adolf gegründeten Gymnasiums wuchs. Bei einer großen Auktion im Jahr 1765 wurden viele Bücher der Dombibliothek verkauft. Zehn Jahre später zogen die Bücher aus der Kirche in das Schulgebäude um, blieben aber von der Gymnasialbibliothek separiert. In den 1830er Jahren wurden beide im renovierten „Rikssalen“ aufgestellt, einem historischen Auditorium, in dem einer lokalen Überlieferung nach Gustav I. Wasa 1523 zum König gekrönt worden war.

Anschließend zog die Bibliothek erneut um, in die alte Druckerei neben der Kathedrale, in der es 1864 zu einem Brand kam, bei dem zwar wenige Bücher verlorengingen, aber die meisten der Einbände beschädigt wurden. Hunderte Bücher wurden daraufhin neu gebunden, was ihnen heute ihr einheitliches Aussehen gibt. Im Jahr 1910 schließlich wurden sie wieder im nordwestlichen Bereich der Kirche aufgestellt. Die Bibliothek ist heute eine der ältesten Bibliotheken Schwedens am originalen Standort; die Sammlung umfasst an die 3700 Titel in ca. 2000 Bänden.

Link: Strängnäs: Domkyrkobiblioteket

Literatur: Elin Andersson: ‘An Ornament for the Church and the Gymnasium’ The War Booty in Strängnäs Cathedral and Its Relation to the School (2023)

London: Lewisham Public Library

London: Lewsiham Public Library
Ort: London
Art: Öffentliche Bibliothek
Baustil: Arts and Crafts Movement (?)
Architekt: Alexander Hennell (1872-1961)
Fertiggestellt/Eröffnet: 1901
Herausgeber: Perkins & Son, Lewisham
Signatur: 403
Gelaufen: 1908

Die Ansichtskarte zeigt die Öffentliche Bibliothek von Lewisham, einem Stadtteil im Südosten von London. Sie wurde 1901 eröffnet, der Architekte war Alexander Robert Hennell, von dem auch die ebenfalls 1901 eröffnete Forest Hill Public Library stammt. Hennell zog einige Jahre später nach Victoria, British Columbia und starb 1961 in New York. Von ihm stammt die „Emily Carr Memorial Foot Bridge“ im Beacon Hill Park in Victoria, die 1953 zu Ehren der kanadischen Malerin und Schriftstellerin Emily Carr (1871-1945) errichtet wurde (Alice Carr, die Schwester von Emily, war das Kindermädchen der Hennells).

Das Bibliotheksgebäude in der High Street in Lewisham weist ebenso wie die Bibliothek von Forest Hill eine Backsteinfassade mit Terrakotta-Elementen auf. Historic England nennt es „The earliest of Lewisham’s distinctive group of terracotta-embellished libraries: a strong, clear composition with a well-lit interior and good use of materials.“ Heute wird das Gebäude vom University Hospital Lewisham genutzt.

Die Karte mit einer interessanten Über-Eck-Frankatur ist an das Ehepaar Gustave Masse adressiert, die Inhaber einer Brasserie in der nordfranzösischen Gemeinde Salouël.

Château d’Oron

Château d’Oron: Bibliothek
Ort: Oron (Schweiz)
Art: Privatbibliothek
Fertiggestellt/Eröffnet: 1438 / 1883
Person: Adolphe Gaïffe (1830-1903)
Verlag: Edition Art Perrochet-Matile, Lausanne
Signatur: 3666
Gelaufen: 1929

Das Schloss Oron im Kanton Waadt in der Schweiz wurde gegen Ende des 12. und zu Beginn des 13. Jahrhunderts erbaut. Es diente nacheinander den Baronen von Oron, den Grafen von Greyerz und den Berner Landvögten als Wohnsitz, bevor es zu Beginn des 19. Jahrhunderts in Privatbesitz gelangte. Im Jahr 1870 erwarb Adolphe Gaïffe das inzwischen verwahrloste Anwesen und ließ es restaurieren. Der aus einer elsässischen protestantischen Familie stammende Adolphe Gaïffe (1830-1903) war ein Unternehmer und Publizist sowie ein kenntnisreicher Bibliophiler, der mit zahlreichen Intellektuellen wie zum Beispiel Charles Baudelaire, Gustave Flaubert und Théophile Gautier befreundet war. Im Schloss Oron stellte er ein Klavier auf, das einst Frédéric Chopin gehört hatte. Den ehemaligen Gerichtssaal der Berner Landvögte (Rittersaal) mit seiner spätgotischen Kassettendecke bestimmte er zur Aufstellung seiner Bibliothek.

Diese erfuhr im Jahr 1883 einen bedeutenden Zuwachs, als Gaïffe eine der wichtigsten Privatsammlungen französischer Belletristik der Jahre zwischen 1775 und 1825 erwarb. Der Kern der Sammlung ging auf Helena Potocka (1763-1815) zurück, eine Magnatentochter aus Polen-Litauen, die in einem Zisterzienserinnen-Konvent in Paris erzogen worden war und eine leidenschaftliche Leserin von Romanen war. In erster Ehe war sie mit dem Fürsten Karl von Ligne verheiratet, in zweiter Ehe mit dem polnischen Grafen Wincenty Potocki. Nach ihrem Tod überführten ihre Erben die Bibliothek auf Schloss Brody in Galizien. 1834 ging der Besitz von Stadt und Schloss Brody von der Familie Potocki an die Familie Młodecki über. Nach weiteren Besitzerwechseln befanden sich die Reste der Bibliothek noch bis in die 1880er Jahre in Brody, bis sie schließlich Adolphe Gaïffe erwarb.

Gaïffe selbst hatte im Lauf seines Lebens eine bemerkenswerte Sammlung früher Schriften zum französischen Protestantismus zusanmengetragen, die er aus Sorge um ihren Erhalt kurz vor seinem Tod an Ernest Stroehlin, Professor für Religionsgeschichte an der Universität Genf, verkaufte. Ein weiterer Teilverkauf erfolgte durch seinen Sohn Daniel. Dieser verkaufte schießlich im Jahr 1936 das Schloss und seine Einrichtung, darunter auch die restlichen Bände der Bibliothek, an die „Association pour la Conservation du Château d’Oron“, die sich seitdem bemüht, die Bestände zu erweitern und zu vervollständigen. Die Bibliothek umfasst heute rund 18.000 Bände, von denen rund ein Drittel aus der Sammlung Potocki aus Brody stammen. Neben Romanen enthält sie historische Werke, Reiseberichte, Theaterstücke und Enzyklopädien, darunter seltene Ausgaben und Werke, von denen weltweit nur noch ein Exemplar existiert.

Link: Château d’Oron

Ripon Cathedral Library


Ripon Cathedral Library
Ort: Ripon
Art: Kathedralbibliothek
Fertiggestellt/Eröffnet: 1482 / 19. Jahrhundert
Person: Anthony Higgin (-1624)
Verlag: Walter Scott, Bradford
Signatur: E 56
Datierung (Karte): ca. 1930er Jahre

Die Kathedrale von Ripon, einer Kleinstadt in Yorkshire, geht auf eine Gründung des Bischofs Wilfrid von York aus dem 7. Jahrhundert zurück. Der heutige Bau, bekannt für seine gotische Westfront, stammt aus dem 13. bis 16. Jahrhundert. Bis zur Gründung der Diözese Ripon im Jahr 1836 wurde er Ripon Minster genannt. Die mittelalterliche Bibliothek des Münsters ging bei der Auflösung der Klöster während der Englischen Reformation im 16. Jahrhundert verloren. Den Grundstock für eine neue Bibliothek legte Anthony Higgin, der von 1608 bis zu seinem Tod im Jahr 1624 Dean (Dekan) von Ripon war. Er trug eine umfangreiche Sammlung mittelalterlicher und frühneuzeitlicher Manuskripte und Drucke zusammen, die er seinem Cousin und seinem Neffen vermachte, mit der Bedingung, dass sie nach deren Tod an das Münster gelangen sollten. Von den ungefähr 2000 Bänden von Anthony Higgin haben sich ca. 1250 erhalten, darunter 750 theologische Werke. Die Bücher wurden vermutlich vor 1660 in der Chapel of the Blessed Virgin untergebracht, die auch Lady Loft genannt wurde. Der Raum, vom südlichen Querschiff aus über eine Treppe zu erreichen, befindet sich oberhalb des Kapitelhauses und einer normannnischen Kapelle und wurde vermutlich Mitte des 14. oder Ende des 15. Jahrhunderts (um 1482) errichtet. Die Bücher waren vermutlich nicht angekettet, der Raum verschließbar. Anfang des 19. Jahrhunderts befand sich die Bibliothek in einem schlechten Zustand, der englische Bibliograf Thomas Frognall Dibdin (1776-1844) sprach 1817 von Unordnung, Staub, Spinnweben und kaputten Bucheinbänden. Gegen Mitte des Jahrhunderts wurden die Bücher nicht mehr in der Kathedrale, sondern in der Deanery aufbewahrt, viele zeigten Schäden durch Feuchtigkeit, wie Beriah Botfield 1859 in seinen „Notes on the Cathedral Libraries of England“ schrieb. 1873 befanden sich die Bücher wieder in dem Raum in der Kathedrale, der inzwischen offenbar renoviert worden war; der Kanoniker J. T. Fowler ordente die Sammlung in diesem Jahr neu. In den 1960er Jahren wurde die Bibliothek erneut renoviert und erhielt neue Bücherschränke aus Eichenholz. 1985 kamen die Bücher aus konservatorischen Gründen als Depositum an die Universitätsbibliothek von Leeds (Brotherton Library).
Literatur: J. T. Fowler: Ripon Minster Library and its founder. In: The Yorkshire Archaeological Journal, Vol. 2 (1873), S. 371-402 (Link)

Lima: Biblioteca Nacional del Perú

Lima: Biblioteca Nacional del Perú
Ort: Lima
Art: Nationalbibliothek
Fertiggestellt/Eröffnet: 1822 / 1880er Jahre
Verlag: Edición J. Andreu y E. A. Magot
Signatur: 12 / 6766
Bemerkung: Briefmarke bildseitig (Tauschklub)
Gelaufen: 1914

Die Nationalbibliothek Perus wurde 1821, im Jahr der Unabhängigkeit Perus gegründet. Im Jahr darauf wurde das Gebäude an der Avenida Abancay eingeweiht. Es beherbergte über 11.000 Bände, die von dem 1767 aus den Spanischen Kolonien ausgewiesenen Jesuitenorden sowie aus privaten Schenkungen stammten, darunter 600 Bände des Unabhängigkeitskämpfers José de San Martín (1778-1850). Bereits kurz darauf ging ein Teil der Sammlung verloren, als in den Jahren 1823/24 royalistische Truppen Lima besetzten. Als Katastrophe für die Bibliothek erwies sich der sog. Salpeterkrieg von 1879 bis 1884, aus dem Chile als Sieger hervorging. Das Gebäude wurde zeitweilig von den Besatzungstruppen als Stall genutzt, Bücher wurden als Packpapier verwendet, gingen verloren oder wurden als Kriegsbeute nach Chile abtransportiert. Von den 35.000 bis 50.000 Bänden waren nach dem Krieg kaum mehr als 700 vorhanden. Der neue Direktor Ricardo Palma bemühte sich daher, im In- und Ausland Bücherspenden einzuwerben, was ihm den Beinamen „bibliotecario mendigo“ (Bettelbibliothekar) einbrachte. 1884 wurde die Bibliothek wiedereröffnet, im selben Jahr erfolgte eine erste Restitution von Büchern aus Chile. Mit der Renovierung des Bibliotheksgebäudes wurde der aus der Schweiz stammende Architekt Michele Trefogli (1838–1928) beauftragt. Er erhöhte die Anzahl der Regalböden in den Bücherschränken, die den Krieg überstanden hatten, wodurch ein Drittel mehr Bücher aufgestellt werden konnte.

Die zweite große Katastrophe in der Geschichte der Bibliothek ereignete sich 1943, als ein defektes Kabel einen Brand auslöste, der das Gebäude fast vollständig in Schutt und Asche legte. Es musste anschließend abgerissen und neu errichtet werden. Im Jahr 2006 wurde der neue Hauptsitz der Bibliothek an der Avenida de la Poesía im Stadtteil San Borja eingeweiht (Architekt: Franco Vella); das alte Gebäude an der Avenida Abancay dient seitdem als zweiter Standort („Gran Biblioteca Pública de Lima“).

Link: Biblioteca Nacional del Perú: Nuestra historia

Montréal: McGill University – Redpath Library

Montréal: McGill University - Redpath Library
Ort: Montréal
Art: Hochschulbibliothek
Baustil: Neoromanik
Architekt: Andrew Taylor
Fertiggestellt/Eröffnet: 1893
Person: Peter Redpath
Verlag: Montreal Import Co.
Signatur: 245
Gelaufen: 1905

Die Ansichtskarte zeigt das erste eigene Bibliotheksgebäude der McGill University, eröffnet im Jahr 1893 und finanziert durch eine Spende des Philanthropen und „Zuckerbarons“ Peter Redpath (1821-1894) und seiner Frau Grace Redpath. Architekt des neormanischen Baus war der aus Edinburgh stammende Andrew Taylor (1850-1837), der mütterlicherseits mit der Famile Redpath verwandt war. Das Gebäude wuerde mehrfach erweitert und dient heute u. a. als Konzerthalle.

Die Karte weist eine interessante Frankatur auf: Die Briefmarke ist über den Rand geklebt.

Link: Redpath Hall

Greeley: Colorado State College of Education

Greeley: Colorado State College of Education, Library
Ort: Greeley, Colorado
Art: Hochschulbibliothek
Baustil: Beaux-Arts-Architektur (?)
Architekt: Robert S. Roeschlaub
Fertiggestellt/Eröffnet: 1907
Person: James A. Michener
Verlag: Sanborn Souvenir / C. & Ko.
Datierung (Karte): ca. 1920er Jahre

Die heutige University of Northern Colorado wurde 1889 als Colorado State Normal School gegründet. Auf einer leichten Anhöhe südlich von Greeley, die als Rattlesnakle Hill oder Cactus Hill bezeichnet wurde, entstanden die ersten Gebäude des Campus im klassizistischen und neogotischen Stil. 1907 wurde die Bibliothek fertiggestellt. Der Architekt des klassizistischen Gebäudes war laut SAH Archipedia Robert S. Roeschlaub (1843-1923), der aus München stammte und Mitte des 19. Jahrhunderts mit seiner Familie in die USA ausgewandert war. 1911 änderte das College seinen Namen in Colorado State Teachers College; im selben Jahr wurde vor dem Bibliotheksgebäude der reflecting pool angelegt, in dem sich die Fassade spiegelte und der von den älteren Studenten zum Untertauchen der Erstsemestler genutzt wurde.

In den 1930 Jahren wurde die Bibliothek zu klein für die wachsende Hochschule. Da ein Neubau jedoch zu teuer gewesen wäre, wurde das bestehende Gebäude im Stil des Art deco umgebaut und erweitert, wobei Kuppel und reflecting pool weichen mussten (Architekt Frederick W. Ireland, Jr). Die 1944 in Carter Hall umbenannte Bibliothek diente diesem Zweck bis zum Jahr 1971, seitdem beherbergt sie Büros. Die Bibliothek erhielt 1972 einen Neubau, benannt nach dem Schriftsteller James A. Michener, der von 1936-1940 als Dozent am Colorado State College of Education (Name der Einrichtung seit 1935) tätig gewesen war. Während seiner Zeit in Greeley reiste Michener mit seiner Frau ausgiebig durch Colorado, Nebraska, Wyoming, Texas und Mexico, eine Erfahrung, die sich u. a. in seinem bekannten Roman Centennial (Colorado Saga) niederschlug.

James A. Michener über Bibliotheken: „A library is a temporary resting place where the great ideas of the world are kept in order.

Link: SAH Archipedia – University of Northern Colorado

Badminton House

Badminton House: Library
Ort: Badminton, Gloucestershire
Art: Adelsbibliothek
Architekt: Jeffry Wyatville
Fertiggestellt/Eröffnet: 1811
Verlag: R. Wilkinson & Co., Trowbridge
Datierung (Karte): um 1905

Badminton House in Gloucestershire, der Familiensitz der Dukes of Beaufort, stammt aus dem 16. und 17. Jahrhundert und wurde Mitte des 18. Jahrhunderts von dem Architekten William Kent im Palladianischen Stil erweitert. In den Jahren 1809 bis 1813 wurden einige der Innenräume durch den Architekten und Gartengestalter Jeffry Wyatt (1766-1840) umgestaltet. Wyatt, der seinen Namen 1824 in Wyatville änderte, ist vor allem für seine Arbeiten an Chatsworth House und Windsor Castle bekannt. In Badminton House schuf er aus dem Raum, der ursprünglich die Bibliothek beherbergt hatte, den Great Drawing Room und verlegte die Bibliothek an ihren heutigen Ort im Südostflügel. 1984 erfolgte eine Erneuerung des Raums durch die Innenarchitekten Tom Parr and Vivien Greenoch von der Firma Colefax and Fowler. Heute befinden sich in der Bibliothek auch die beiden Ansichten von Badminton House, die der italienische Vedutenmaler Giovanni Antonio Canal, genannt Canaletto, während seines Aufenthalts in England für seinen Förderer, den 4. Duke of Beaufort, malte.

Nach Badminton ist das beliebte Rückschlagspiel Badminton benannt, wenn auch nicht belegt zu sein scheint, aus welchem Grunde. Das Spiel ist vermutlich anfang des 19. Jahrhunderts in Britisch-Indien entstanden, hieß zuerst Poona und wurde seit ca. 1860 Badminton genannt. Einer schönen Geschichte nach soll es an einem regnerischen Wintertag des Jahres 1863 von den Kindern (oder den Freunden?) des 8. Dukes erfunden worden sein, die es in der Great Hall spielten. Die Maße eines Badmintonfelds (13,40 m x 6,10 m) entsprechen denn auch genau denen der Great Hall von Badminton House. Charles Somerset, der 8. Duke of Beaufort (1824-1899) war es auch, der die Buchreihe Badminton Library of Sports and Pastimes herausgab, in der u. a. Bücher über die Jagd, das Angeln, Fahrradfahren, Schwimmen, Kricket oder Tennis erschienen – nur keines über Badminton.

Link: The Art of The Room: Badminton House Revisited