Madrid: Biblioteca del Senado

Madrid Biblioteca del Senado
Madrid Biblioteca del Senado r Ort: Madrid (Spanien)
Art: Parlamentsbibliothek
Baustil: Neogotik
Architekt: Emilio Rodríguez Ayuso
Fertiggestellt/Eröffnet: 1883
Verlag: Photoglob Co.
Signatur: 10193
Datierung (Karte): ca. 1903

Der Senat ist eine der beiden Kammern des spanischen Parlaments (Cortes Generales). Während das Abgeordnetenhaus seinen Sitz im Palacio de las Cortes hat, befindet sich der Senat in einem Gebäude aus dem 16. Jahrhdunert an der Plaza de la Marina Española, das ursprünglich das Augustinerkolleg der Doña María de Aragón beherbergte. Im 19. Jahrhundert wurde das Gebäude durch den Architekten Emilio Rodríguez Ayuso (1846-1891) umgebaut; den Kreuzgang im Westflügel wandelte er dabei in die Bibliothek um. Die neogotische gußeiserne Innenausstattung stammt von Bernardo Asíns Serralta und ist von der Fassade des Palace of Westminster in London inspiriert. Der Kronleuchter stammt aus dem Palacio del Marqués de Salamanca.

Link: Pasión por Madrid – La Biblioteca del Senado

Graz: Universitätsbibliothek

Graz Universitätsbibliothek
Graz Universitätsbibliothek r Ort: Graz (Österreich)
Art: Hochschulbibliothek
Baustil: Neorenaissance
Architekt: Karl Köchlin / Wilhelm v. Rezori
Fertiggestellt/Eröffnet: 1895
Verlag: Anton Schlauer, Graz
Signatur: 4. 08. 04
Bemerkung: Correspondenz-Karte
Gelaufen: 1905

Die Universitätsbibliothek Graz geht auf das Jesuitenkollegium mit angeschlossenem Gymnasium zurück, das 1572/73 zum Zweck der Rekatholisierung des damals mehrheitlich protestantischen Graz gegründet wurde. 1585 wurde die Einrichtung von Papst Gregor XIII. zur Universität erhoben. Als der Jesutenorden 1773 von Papst Clemens XIV. aufgehoben wurde, wurde die Universität in staatliche Verwaltung übernommen. Unter Kaiser Joseph II. wurde die Universität 1782 zu einem Lyzeum herabgestuft; seit 1827 ist sie wieder Universität und heißt nach ihren beiden Gründern, Erzherzog Karl II. von Innerösterreich und Franz I. von Österreich, Karl-Franzens-Universität Graz. Die Bibliothek zog 1895 in das erste Obergeschoss des neuen Hauptgebäudes der Universität, damals am Rande der Stadt gelegen. Architekten des Neorenaissance-Baus waren Karl Köchlin und Wilhelm von Rezori. Der große Lesesaal umfasst etwa 130 Plätze und erhält Tageslicht durch ein großes Glasfliesendach. Die Arbeitstische und Regale aus Eichenholz fertigte der Grazer Tischlermeister und k.u.k. Hoflieferant Anton Jrschick (Irschick), das Eisengeländer stammt von der Firma Gridl. Die Bibliothek wurde mehrfach baulich erweitert; zuletzt 2019 durch das Grazer Atelier Thomas Pucher.

Die Universitätsbibliothek Graz hat übrigens vor einigen Jahren ein zusammenlegbares Bücherpult namens „Papilio“ entwickelt, das eine schonende Nutzung wertvoller Bücher im Lesesaal ermöglicht.

Link: Universitätsbibliothek Graz – Bibliotheksbroschüre
Link: Atelier Thomas Pucher

Mumbay: J. N. Petit Library

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Ort: Mumbay (Indien)
Art: Öffentliche Bibliothek
Baustil: Neogotik
Architekt: Merwanjee Bana
Fertiggestellt/Eröffnet: 1898
Person: Jamsetjee Nesserwanjee Petit
Signatur: 56332
Gelaufen: 1910

 

Die Bibliothek geht auf eine Gruppe von Studenten des Elphinstone College zurück, die im Fort-Viertel, dem Wirtschaftszentrum von Mumbay, lebten. Sie gehörten zur ethnisch-religiösen Gruppe der Parsen (Zoroastrier) und gründeten 1856 die „Fort Improvement Library“. Dank einer großzügigen Spende von Bai Dinbai Nusserwanji Petit, die zur einflussreichen, 1890 geadelten Familie Petit gehörte, wurde 1898 an der Ecke D.N. Road, P.M. Road and Napier Road ein neues Gebäude eingeweiht, das dem Andenken ihres Sohnes Jamsetjee Nesserwanjee Petit gewidmet und nach ihm „The J. N. Petit Fort Reading Room and Library“ benannt war. Das Gebäude im Stil der venetianischen Gotik gilt als eines der herausragenden neogotischen Gebäude Mumbays. 1938 wurde es erweitert und in den Jahren 2014 und 2015 umfassend saniert, wofür der Architekt Vikas Dilawari mit dem „UNESCO Asia-Pacific Award for Cultural Heritage Conservation“ ausgezeichnet wurde.

Link: J. N. Petit Institute
Link: Vikas Dilawari Architects

Woodstock: Norman Williams Public Library

Woodstock Vermont Norman Williams Public Library
Woodstock Vermont Norman Williams Public Library r Ort: Woodstock (Vermont)
Art: Öffentliche Bibliothek
Baustil: Richardsonian Romanesque
Architekt: Wilson Brothers & Company
Fertiggestellt/Eröffnet: 1884
Person: Norman Williams
Verlag: The Metropolitan News Co.
Signatur: 6027
Datierung (Karte): um 1910

 

Mit dem Bau der Öffentlichen Bibliothek von Woodstock (Vermont) wurde 1883 begonnen. Die Mittel dafür stammten von dem Industriellen und Philanthropen Edward H. Williams (1824-1899), der aus Woodstock gebürtig war und seiner Heimatstadt 30.000 Dollar für die Errichtung einer Bibliothek stiftete, zum Gedenken an seine Eltern Norman and Mary Williams. Auf dem Grundstück am „Vilage Green“ hatte vorher das Elternhaus von Edward H. Williams gestanden. 1884 wurde die Bibliothek eingeweiht und 1901 um einen Flügel ergänzt, für den Norman weitere 20.000 Dollar spendete. Das Gebäude wurde 1999/2000 umfassend saniert und im Inneren umgestaltet und wird heute noch als Bibliothek genutzt.

Link: The story of the Williams House

Poole: Norton Free Library

Poole (Dorset): Norton Free Library
Poole Norton Free Library r Ort: Poole (Dorset)
Art: Öffentliche Bibliothek
Baustil: Queen-Anne-Stil
Architekt: Lawson and Donkin
Fertiggestellt/Eröffnet: 1887
Person: John Jopseph Norton
Verlag: Rush & Warwick Art Printers
Bemerkung: Prägekarte / Passepartoutkarte
Gelaufen: ca. 1917

 

Im Jahr 1887 feierte Königin Victoria ihr Goldenes Thronjubiläum. Die britische Monarchie nutzte diesen Anlass für prachtvolle Inszenierungen, und Städte wie Manchester, Birmingham oder Newcastle organisierten große Ausstellungen und gaben neue öffentliche Bauten in Auftrag, für die Spenden gesammelt wurden. Auch in der Küstenstadt Poole in Dorset wollte man mit einem Gebäude an das Jubiläum erinnern, doch gab es heftige Debatten darüber, ob ein Krankenhaus oder eine Bibliothek gebaut werden sollte. Die Idee einer öffentlichen Bibliothek wurde vor allem von John J. Norton befürwortet, der sich im Holzhandel emporgearbeitet hatte und der Stadt 1000 Pfund für einen Neubau anbot. Norton war ein engagierter Verfechter der Abstinenzbewegung, schon im Alter von 12 Jahren war er dem christlichen Abstinenzverein „Band of Hope“ beigetreten. Von der Bibliothek erhoffte er sich eine Hebung der Jugend und der Arbeiterklasse. Für ein Krankenhaus setzten sich unter anderem der Bürgermeister von Poole ein, der ein politischer Gegner Nortons war, sowie der walisische Industrielle Ivor Guest (Lord Wimborne), der in Poole große Ländereien besaß und der Stadt ein Gebäude und zusätzlich 1000 Pfund versprach. In einer turbulenten öffentlichen Versammlung sprachen sich die Bürger jedoch eindeutig für die Bibliothek aus, und der Stadtrat erwarb ein Grundstück von Lord Wimborne in der Mount Street (heute Lagland Street) für den Neubau.

John J. Norton hatte seine Schenkung an einige Bedingungen geknüpft, so zum Beispiel, dass es einen Lesesaal für Frauen geben solle, keine alkoholischen Getränke verkauft werden dürfen und der Bau bis zum 29. September 1887 fertiggetsellt werde. Als sich die Bauarbeiten in die Länge zogen, übernahm Norton die Bauleitung persönlich und ließ mit Hilfe von elektrischem Licht rund um die Uhr arbeiten, so dass der Termin gehalten werden konnte. Im Erdgeschoss des Gebäudes befand sich die Bibliothek, im ersten Stock die Kunstschule. 1889 und 1891 wurde das Gebäude um zwei Flügel erweitert, die ebenso von Norton finanziert wurden und ein Gymnasium und ein Museum aufnahmen. 1969 zog die Bibliothek in ein großes Shopping Centre nach amerikanischem Vorbild; in dem alten Bibliotheksgebäude befindet sich heute– nicht ganz passend, wenn man an die Einstellung von John J. Norton zum Alkohol denkt – ein Pub. Dieses ist natürlich nicht nach ihm, sondern nach Lord Wimborne benannt.

Link: A hospital or a library? Poole’s decision in 1887

Leipzig: Stadtbibliothek

Stadtbibliothek Leipzig
Leipzig Stadtbibliothek r

Ort: Leipzig
Art: Öffentlichhe Bibliothek
Baustil: Barock
Architekt: Friedrich Seltendorf
Fertiggestellt/Eröffnet: 1756
Verlag: Max Nierth
Fotograf: Hermann Walter
Signatur: 226
Bemerkung: Aus der Serie Das alte Leipzig
Datierung: ca. 1885 (Foto); 1899 (Karte)

Die Stadtbibliothek Leipzig geht auf eine Schenkung des Leipziger Advokaten Huldreich Groß zurück, der 1677 sein Vermögen und seine Privatbibliothek dem Leipziger Rat vermachte, um eine Bibliothek „zum Nutzen der studierenden Stadtjugend“ zu gründen. Bereits vorher hatte es private Schenkungen und Stiftungen an den Rat gegeben. Die Bücher wurden 1683 im ersten Stock des alten Zeug- und Gewandhauses untergebracht und 1711 der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Die Ratsbibliothek entwickelte sich im Lauf der Zeit zu einer wissenschaftlichen Bibliothek und umfasste auch eine Kunst- und Raritätensammlung. 1740 begann man mit dem Umbau des Gewandhauses, um die gewachsene Sammlung besser unterbringen zu können. Der Bibliotheksflügel zwischen Neumarkt und Universitätsstraße wurde 1756 nach Entwürfen des Architekten Friedrich Seltendorf (1700-1778) fertiggestellt. Der große Bibliothekssaal erstreckte sich über die gesamte Länge des Gebäudes und sollte ursprünglich mit einer umlaufenden Galerie versehen werden. Diese Raumkonzeption wurde aber nicht verwirklicht, und der fertiggestellte Saal war völlig schmucklos, mit Ausnahme eines 15 Meter breiten, mit Blumen- und Muschelornamenten verzierten schmiedeeisernen Gitters, das der Schlossermeister Gottlieb Böttger 1748 angefertigt hatte und das den Raum in einen Hauptsaal und einen Vorraum trennte. Zeitgenossen bezeichneten den Saal als schönste Bibliothek Deutschlands.

In dem benachbarten Zeughausflügel, in dem sich die Bibliothek vorher befunden hatte, wurde in den Jahren 1780–1781 ein Konzertsaal eingebaut, nach dem die Gewandhauskonzerte und das Gewandhausorchester benannt wurden. Von 1893 bis 1901 wurde das gesamte Gebäudeensemble zwischen zwischen Kupfergasse, Gewandgässchen, Universitätsstrasse und Neumarkt abgerissen bzw. umgebaut; es entstand das „Städtisches Kaufhaus Leipzig“, ein großes Messehaus für Mustermessen, in das die Stadtbibliothek integriert wurde. Beim Luftangriff auf Leipzig am 4. Dezember 1943 wurde das Gebäude vollständig zerstört, dabei wurde auch fast der gesamte Buchbestand vernichtet. Nach verschiedenen provisorischen Unterbringungen ist seit 1991 das ehemalige Alte Grassimuseum am Wilhelm-Leuschner-Platz der Hauptstandort der Leipziger Stadtbibliothek.

Link: Geschichte der Leipziger Städtischen Bibliotheken

Vienne: Musée et Bibliothèque

Vienne: Place Miremont - Musée et Bibliothèque
Vienne Place Miremont Musee Bibliotheque r

Ort: Vienne (Isère)
Art: Öffentliche Bibliothek
Fertiggestellt/Eröffnet: 1823 / 1895
Person: Teyssière de Miremont
Verlag: Cliché C. D. Blanchard
Signatur: 15 / 1006
Gelaufen: 1906

Die Bibliothek von Vienne geht, wie viele öffentliche Bibliotheken Frankreichs, auf die Konfiskationen kirchlicher Bibliotheken während der französischen Revolution zurück. Sie wurde 1794 gegründet und nahm die Bestände der umliegenden Klöster, der Kathedrale St-Maurice und des Collège Ponsard auf. Die Bücher waren in den ersten Jahren nach der Gründung im Rathaus untergebracht, dann zusammen mit denen des Museums im Tempel des Augustus und der Livia, einem römischen Bauwerk, das bis zur Französischen Revolution als Kirche genutzt worden war. 1854 wurden viele der Bücher bei einem Brand zerstört, die Bibliothek blieb daraufhin bis 1863 geschlossen. Im Jahr 1895 bezogen Bibliothek und Museum das auf dieser Karte zu sehende Gebäude auf der östlich der Kathedrale St-Maurice gelegenen Place de Miremont. Es war 1823 auf Betreiben des Bürgermeisters Teyssière de Miremont als Kornspeicher (halle aux grains) erbaut worden, mitten auf dem Platz, der nach ihm benannt ist und auf dem sich ursprünglich der Erzbischöfliche Palast befunden hatte, der nach Aufhebung des Erzbistums Vienne 1801 abgerissen worden war. Die halle aux grains war auch ursprünglich zweistöckig gewesen; das obere Stockwerk wurde 1895 jedoch erweitert, um Bibliothek und Museum aufzunehmen. Im Edgeschoss befand sich seit 1874 eine Markthalle, die nun in einen Festsaal umgewandelt wurde (hier fanden auch die ersten Kinovorführungen von Vienne statt). Das Musée des Beaux-Arts et d’Archéologie befindet sich noch heute in dem Gebäude; die Bibliothek zog 2011 in das Kulturzentrum „Le Trente“ in der Avenue du Général Leclerc, in dem sich auch das Conservatoire Musique et Danse befindet.

Link: Le cadastre napoléonien : centre ancien de Vienne

Rom: Biblioteca Casanatense

Rom: Biblioteca Casanatense
Rom Biblioteca Casanatense r Ort: Rom
Art: Kirchliche / Öffentliche Bibliothek
Baustil: Barock
Architekt: Antonio Maria Borioni
Fertiggestellt/Eröffnet: 1701 / 1725
Person: Girolamo Casanate (1620-1700)
Verlag: Fratelli Palombi Editori
Datierung (Karte): ca. 1940er Jahre

 

Als Insula sapientiae (Insel der Weisheit) wird der Gebäudekomplex des ehemaligen Dominikanerklosters Santa Maria sopra Minerva in Rom genannt, an der Piazza della Minerva südöstlich des Pantheons gelegen. Zur Zeit von Galileo Galilei befand sich hier der Sitz der Inquisitionsbehörde. Unter Antonin Cloche (1628-1720), dem Ordensmeister bzw. Generalmagister des Dominikanerordens, wurde im Jahr 1701 die Biblioteca Casanatense gegründet, um die bedeutende Büchersammlung des mit ihm befreundeten Kardinals Girolamo Casanate (1620-1700) aufzunehmen. Casanate war Bibliothekar der Vatikanische Apostolische Bibliothek sowie Präfekt der Indexkongregation gewesen und hatte an die 25.000 Bände zusammengetragen, die er zwei Jahre vor seinem Tod den Dominikanern des Klosters Santa Maria sopra Minerva vermachte, zusammen mit einer beträchtlichen Summe für die Pflege und Erweiterung der Sammlung. Die Mittel für den Bau der Bibliothek stammten aus einer früheren Schenkung des Leibarztes von Papst Gregor XV., Giovanni Maria Castellani, an den Orden. Nach einem Entwurf des Architekten Antonio Maria Borioni wurde ein Bibliothekssaal geschaffen und am 3. November 1701 eröffnet. Er sollte nach dem Willen Casanates auch der Öffentlichkeit zugänglich sein.

Bereits 1717 musste aufgrund von Platzmangel mit der Erweiterung des Saals begonnen werden, und 1725 wurde der Salone Monumentale fertiggestellt – mit einer Fläche von ca. 60 × 15 Metern fast doppelt so groß wie der ursprüngliche Saal. Die beiden großen Globen im Vordergrund – ein Erdglobus und ein Himmelsglobus – stammen von dem Kosmographen Amanzio Moroncelli (1652—1719). Der Bestand der Bibliothek wuchs im Lauf der Zeit durch gezielte Ankäufe der Dominikaner, sowie durch Tausch, weitere Schenkungen und durch Zuwendungen der Zensurbehörde des Vatikans. Nach der Annexion des Kirchenstaates durch das Königreich Italien 1870 wurden Kloster und Bibliothek verstaatlicht. Heute beläuft sich ihr Bestand auf mehr als 350.000 Bände. Der historische Bibliothekssaal wird für Ausstellungen und Veranstaltungen genutzt.

Link: Biblioteca Casanatense

New York University: Gould Memorial Library

New York University: Gould Memorial Library
new york university gould memorial library r Ort: New York
Art: Hochschulbibliothek
Baustil: Klassizismus
Architekt: Stanford White
Fertiggestellt/Eröffnet: 1899
Person: Jay Gould
Verlag: The Detroit Publishing Co.
Signatur: 8176
Bemerkung: Mehrfarbige Chromolithografie (Phostint)
Datierung (Karte): 1904-1905

Die 1831 gegründete New York University befand sich ursprünglich am Washington Square im Stadtteil Greenwich Village in Manhattan. Henry MacCracken, seit 1891 Kanzler der Universität, betrieb die Errichtung eines zweiten Campus in ruhiger Lage. Dafür wurde ein Grundstück in Fordham Heights in der Bronx erworben, das auf einer Anhöhe über dem Harlem River gelegen war und vorher dem belgischen Generalkonsul William Mali gehört hatte.

Mit dem Entwurf des Campus beauftragte MacCracken den bekannten Architekten Stanford White, Mitbegründer der Architekturfirma McKim, Mead, and White. Als Mittelpunkt des neuen University Heights Campus entwarf White die weithin sichtbare Bibliothek, die architektonisch vom Pantheon in Rom beeinflusst ist. Diese Form war bereits Anfang des 19. Jahrhunderts von Thomas Jefferson für die Bibliothek der University of Virginia (Rotunda) gewählt worden, ein weiteres Beispiel dafür ist die Low Library der Columbia University, die zur selben Zeit wie die Gould Memorial Library entstand. Die Mittel zum Bau der Bibliothek stammten von der Philanthropin Helen Miller Shepard. Das Gebäude wurde 1899 fertiggestellt und nach ihrem Vater, dem Unternehmer und Anleger Jay Gould, benannt. Zwei Jahre später wurde die „Hall of Fame for Great Americans“ eingeweiht, eine 192 Meter lange Kolonnade mit Bronzebüsten bedeutender Amerikaner, nach dem Vorbild der Ruhmeshalle in München.

1973 musste die New York University, dem Bankrott nahe, den University Heights Campus an das Bronx Community College verkaufen. 2012 wurde auf dem Campus eine neue Bibliothek eröffnet; das Gebäude der Gould Memorial library dient seitdem für Veranstaltungen.

Link: Elizabeth Macaulay-Lewis: The Gould Memorial Library: A Forgotten Stanford White Gem in the Bronx

Tübingen: Universitätsbibliothek

Tübingen: Universitätsbibliothek (Paul Bonatz), Lesesaal
Tübingen Universitätsbibliothek Lesesaal r

Ort: Tübingen
Art: Hochschulbibliothek
Baustil: Neoklassizismus
Architekt: Paul Bonatz
Fertiggestellt/Eröffnet: 1912
Fotograf: H. Jäggle
Datierung (Karte): ca. 1935-38

Die Bibliothek der Universität Tübingen war von 1819 bis 1912 im Schloss Hohentübingen untergebracht. Wegen Raummangel und Brandgefahr wurde in den Jahren 1910 bis 1912 ein Neubau in der Wilhelmstraße in der Nähe der Neuen Aula errichtet, nach Plänen des Architekten Paul Bonatz (1877-1956), der als einer der wichtigsten Vertreter der Stuttgarter Schule bzw. des Traditionalismus gilt. Das Bibliotheksgebäude ist in einem vorwiegend neoklassizistischen Stil gehalten, weist jedoch auch Anklänge an Barock und Jugendstil auf. Die Bibliothek gilt als bestes Frühwerk von Bonatz. Der im Erdgeschoss gelegene Lesesaal ist mit einer Kassettendecke aus weißem Stuck und einer Galerie aus dunklem Eichenholz aussgestattet. An seiner Rückseite befindet sich ein monumentales Wandgemälde von Karl Schmoll von Eisenwerth, das Odysseus in der Unterwelt zeigt.

Link: TÜpedia – Bonatzbau