Sibi: Gaisford Library

Sibi Gaisford Library
Sibi Gaisford Library r Ort: Sibi (Pakistan)
Art: Öffentliche Bibliothek
Fertiggestellt/Eröffnet: 1903
Person: Robert Sandeman
Verlag: K. C. M. / R. W. Rai & Sons, Quetta
Signatur: B12 3 10 / Nr. 12
Datierung (Karte): um 1910

Die Karte zeigt ein Gebäude in Sibi in der pakistanischen Provinz Belutschistan, das aus der Zeit von Britisch-Indien stammt. Damals trug die Stadt den Namen Sandemanabad, nach dem schottischen Offizier Robert Groves Sandeman (1835-1892), der an der Eingliederung Beluchistans in das britisch-indische Kolonialreich mitgewirkt hatte. Die Beschriftung der Karte lautet Sandeman Library, Sibi, Winter – wahrscheinlich eine Verwechslung mit der Sandeman Library in der Provinzhauptstadt Quetta, denn in Sibi scheint es keine Sandeman Library gegeben zu haben. Sibi Gaisford Library DetailIn der Vergößerung sieht man ein Schild vor dem Gebäude, das die Aufschrift Gaisford Library trägt. Diesen Namen trug die 1888 gegründete öffentliche Bibliothek von Sibi seit 1898, nach Gilbert Gaisford, einem Oberstleutnant der Britisch-Indischen Armee und Politischen Agenten, der im März 1898 von fanatischen „Ghazi“ ermordet worden war. In welchem Gebäude die Bibliothek ursprünglich untergebracht war, konnte ich noch nicht herausfinden. Diese Karte zeigt jedenfalls die Queen Victoria Memorial Hall, die im Jahr 1903 als britische Assembly Hall erbaut wurde und auch als Treffpunkt mit den einheimischen Führern (Dschirga) diente. Offenbar war hier zeitweise auch die Gaisford Library untergebracht, wie das Schild vor dem Gebäude vermuten lässt. 1905 hatte die Bibliothek 38 Mitglieder und verfügte über 672 englische sowie 297 einheimische Bücher; 14 Zeitschriften und Zeitungen waren abonniert. Die frühere Queen Victoria Memorial Hall heißt heute Jirga Hall und beherbergt das Heimatmuseum von Sibi.

Robert Sandeman stammte übrigens aus Perth, vielleicht war er ja verwandt mit Archibald Sandeman (1822-1893), nach dem die Sandeman Library in Perth benannt wurde.

Link: Touristische Information über Sibi

Mumbay: J. N. Petit Library

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Ort: Mumbay (Indien)
Art: Öffentliche Bibliothek
Baustil: Neogotik
Architekt: Merwanjee Bana
Fertiggestellt/Eröffnet: 1898
Person: Jamsetjee Nesserwanjee Petit
Signatur: 56332
Gelaufen: 1910

 

Die Bibliothek geht auf eine Gruppe von Studenten des Elphinstone College zurück, die im Fort-Viertel, dem Wirtschaftszentrum von Mumbay, lebten. Sie gehörten zur ethnisch-religiösen Gruppe der Parsen (Zoroastrier) und gründeten 1856 die „Fort Improvement Library“. Dank einer großzügigen Spende von Bai Dinbai Nusserwanji Petit, die zur einflussreichen, 1890 geadelten Familie Petit gehörte, wurde 1898 an der Ecke D.N. Road, P.M. Road and Napier Road ein neues Gebäude eingeweiht, das dem Andenken ihres Sohnes Jamsetjee Nesserwanjee Petit gewidmet und nach ihm „The J. N. Petit Fort Reading Room and Library“ benannt war. Das Gebäude im Stil der venetianischen Gotik gilt als eines der herausragenden neogotischen Gebäude Mumbays. 1938 wurde es erweitert und in den Jahren 2014 und 2015 umfassend saniert, wofür der Architekt Vikas Dilawari mit dem „UNESCO Asia-Pacific Award for Cultural Heritage Conservation“ ausgezeichnet wurde.

Link: J. N. Petit Institute
Link: Vikas Dilawari Architects

Prayagraj (Allahabad): Public Library

Allahabad): Public Library
Allahabad Public Library r Ort: Prayagraj (Allahabad), Indien
Art: Öffentliche Bibliothek
Baustil: Neogotik (Scottish Baronial)
Architekt: Richard Roskell Bayne
Fertiggestellt/Eröffnet: 1878
Person: Cuthbert Bensley Thornhill
Verlag: The Phototype Company, Bombay
Bemerkung: Hergestellt in Luxemburg
Datierung (Karte): ca. 1910-1920

Die indische Stadt Prayagraj, die bis 2018 Allahabad hieß, war von 1858 bis 1902 die Hauptstadt der Northwestern Provinces in Britisch-Indien. 1870 besuchte sie Prinz Alfred, der zweitgeborene Sohn der britischen Königin Victoria und spätere Herzog von Sachsen-Coburg und Gotha. Ihm zu Ehren wurde ein Park eröffnet, komplett mit Musikpavillon, Tennisplätzen und einer Statue von Königin Victoria. Auf dem Gelände hatten sich vorher einige indische Dörfer befunden, die nach dem Aufstand von 1857 (Sepoyaufstand) zerstört worden waren. Im Alfred Park (heute Chandrashekhar Azad Park) wurde 1878 dieses Gebäude im Schottischen Baroniestil, einer Variante der Neogotik, eröffnet; der Entwurf stammte von dem renommierten Architekten Richard Roskell Bayne. Es war zunächst unter dem Namen Thornhill Mayne Memorial bekannt und diente als Sitz der Legislative der Northwestern Provinces. 1879 zog hier die öffentliche Bibliothek ein, die 1864 gegründet worden war. Die Bibliothek befindet sich heute noch in dem Gebäude, sie ist die größte Bibliothek im Bundesstaat Uttar Pradesh.

Warum wurde diese Karte in Luxemburg gedruckt? Eine Antwort auf diese Frage findet sich in dem Blogeintrag „Postcard from Katmandoo“ der Firma Kashba in Amsterdam.

Link: The British Legacy in Allahabad

Osaka: Prefectural Nakanoshima Library

Osaka: Prefectural Nakanoshima Library (1904)
Osaka Prefectural Nakanoshima Library r Ort: Osaka (Japan)
Art: Öffentliche Bibliothek
Baustil: Neobarock / Klassizismus?
Architekt: Magoichi Noguchi
Fertiggestellt/Eröffnet: 1904
Person: Sumitomo Tomoito (1865-1926)
Gelaufen: 1906

Nakanoshima ist eine schmale Insel, die zwischen den Flüssen Tosabori und Dojima liegt und mit vielen Museen und Regierungsgebäuden ein kulturelles und administratives Zentrum von Osaka bildet. Auf ihrer östlichen Seite wurde 1891 der erste öffentliche Park von Osaka eröffnet; in den darauffolgenden Jahren wurden hier wichtige öffentliche Gebäude errichtet: eine Zweigstelle der Bank of Japan (1903), die Bibliothek der Präfektur Osaka (1904 bzw. im 37. Jahr der Meiji-Zeit) und die Stadthalle (1918). Die Bibliothek war die erste von Osaka und wurde von Tomoito Sumitomo gestiftet, dem Gründer der Sumitomo Bank und Bruder des Premierministers Saionji Kimmochi. Durch Adoption war er Oberhaupt des einflussreichen Familienunternehmens Sumitomo geworden. Nach einem Besuch der World’s Columbian Exposition in Chicago 1893 hatte er die Idee, dem Beispiel von Andrew Carnegie zu folgen und durch den Bau einer Bibliothek das Wissen weiteren Teilen der Bevölkerung verfügbar zu machen. Er finanzierte nicht nur den Bau, sondern auch den Bücherbestand. Architekten des klassizistischen Gebäudes waren Magoichi Noguchi und Yutaka Hidaka. Mit seinem Portikus und der Kuppel zeigt es deutliche Anklänge an das North Carolina State Capitol in Raleigh, das in den Jahren 1833–1840 im Stil des Greek Revival erbaut worden war. In den Jahren 1922 und 1927 wurde die Bibliothek um zwei Flügel erweitert.

Literatur: Blair A. Ruble: Second Metropolis. Pragmatic Pluralism in Gilded Age Chicago, Silver Age Moscow, and Meiji Osaka (2001), S. 2019f

Link: Osaka: Prefectural Nakanoshima Library

Hanoi: Nationalbibliothek

Hanoi: Nationalbibliothek (National Library of Vietnam)
Vietnam Hanoi Nationalbibliothek 2 Ort: Hanoi
Art: Nationalbibliothek
Baustil: Beaux-Arts-Architektur (?)
Architekt: Auguste Henri Vildieu (vmtl.)
Fertiggestellt/Eröffnet: 1919
Verlag: Collect. Dieulefits, Hanoi
Fotograf: Pierre Dieulefils (vmtl.)
Signatur: 36 A
Datierung (Karte): ca. 1920er Jahre

Die Nationalbibliothek von Vietnam wurde 1917 als Zentralbibliothek von Französisch-Indochina in Hanoi gegründet, dem damaligen Sitz des Generalgouverneurs. „Tonkin“, der Name der Stadt im Mittelalter, bezeichnete während der französischen Kolonialzeit den nördlichsten Teil von Vietnam. In dieser Zeit entstand in Hanoi südlich der Altstadt ein neuer Stadtteil mit baumbestandenen Alleen und repräsentativen öffentlichen Bauten nach europäischem Vorbild. Dieser Stadtteil („Hoàn Kiếm District“) weist Anlehnungen an die Idee der Gartenstadt auf und wird auch „French Quarter“ genannt. Der Entwurf für das neoklassizistische Bibliotheksgebäude in der Trang Thi Street stammt vermutlich von dem französischen Architekten Auguste Henri Vildieu, der in Hanoi mehrere Gebäude im französischen Kolonialstil schuf, darunter den Präsidentenpalast . Es diente ursprünglich als Palast des Vizekönigs (Kinh Luoc), dann war es von 1897-1917 Sitz der Handels- und Landwirtschaftskammer (Chambres de Commerce et d’Agriculture de la ville de Hanoi), bis es schließlich 1919 die Bibliothek aufnahm. Die Bibliothek wurde mehrfach umbenannt: 1935 in „Bibliothèque Pierre Pasquier“, 1945 in „Bibliothèque Nationale“, 1947 in „Bibliothèque Centrale de Hanoï“ und 1957 wieder in „Bibliothèque Nationale“. Das Foto der Ansichtskarte stammt von dem französischen Fotografen Pierre-Marie Dieulefils (1862-1937), der sich 1885 in Tonkin niedergelassen hatte und Ansichtskarten der französischen Kolonien herausgab. Photographien von ihm wurden erstmals auf der Weltausstellung 1889 gezeigt.

Link: Cartes postales d’Indochine: Pierre Dieulefils

Tokio: Keio-Universität

Tokio: Keio-Universität - Bibliothek (1912)
tokio-keio-university_r Ort: Tokio
Art: Hochschulbibliothek
Baustil: Neogotik
Architekt: Tatsuzo Sone and Seiichiro Chujo
Fertiggestellt/Eröffnet: 1912
Datierung (Karte): ca. 1930er Jahre

Die Keiō-Universität („Keiō Gijuku“) ist eine Elite-Privatuniversität, die auf die „Schule für westliche Studien“ zurückgeht. Diese war eine Privatschule nach dem Vorbild der englischen public schools, die 1858 von Fukuzawa Yukichi gegründet wurde, einem Intellektuellen der Meiji-Restauration. Die Universität erstreckt sich über verschiedene Standorte, darunter den Mita Campus im Bezirk Minato. Dort wurde 1912 zum 50-jährigen Gründungsjubiläum die Universitätsbibliothek errichtet, die seitdem als Symbol der Keiō-Universität gilt. Der Entwurf für den neogotischen Backsteinbau („Edwardian neo-gothic“) stammte von dem Architekturbüro Sone Chujo. Das Gebäude überstand das Große Kantō-Erdbeben im Jahr 1923, wurde aber bei einem Bombenangriff im Zweiten Weltkrieg schwer beschädigt und nach Kriegsende wiederaufgebaut. Es beherbergt heute ein Archiv und wird für Veranstaltungen genutzt.

Link: The Architecture of Keio University