Chicago: Public Library

Chicago Public Library
Chicago Public Library r Ort: Chicago (USA)
Art: Öffentliche Bibliothek
Baustil: Klassizismus
Architekt: Shepley, Rutan & Coolidge
Fertiggestellt/Eröffnet: 1897
Verlag: Detroit Photographic Co..
Drucktechnik: Mehrfarbige Chromolithographie
Signatur: 317
Bemerkung: Private Mailing Card
Datierung (Karte): 1900

1871: Beim Großen Brand von Chicago werden große Teile der Innenstadt zerstört. In England wird eine Hilfsaktion zur Errichtung einer öffentlichen Bibliothek organisiert („English Book Donation“), bei der 8000 Bücher gestiftet werden.
1872: Die Chicago Public Library wird gegründet. Im Jahr darauf eröffnet sie in einem ehemaligen Wasserspeicher.
1897: Nach mehreren Ortswechseln bezieht die Bibliothek den repräsentativen Neubau in der 78 E. Washington Street im Historic Michigan Boulevard District. Der Entwurf für das klassizistische Gebäude mit Elementen der italienischen Renaissance stammt von der bekannten Bostoner Firma Shepley, Rutan and Coolidge. Das Grundstück ist ein Geschenk der Veteranenorganisation „Grand Army of the Republic“, die das Gebäude mit nutzt.
1977: Das Gebäude wird Sitz des Chicago Cultural Center und dient für offizielle Empfänge des Bürgermeisters von Chicago.
1991: Die Bibliothek bezieht einen postmodernen Neubau (Harold Washington Library Center)

Link: Chicagology – Chicago Public Library Building (mit zahlreichen historischen Abbildungen)

 

Buenos Aires: Nationalbibliothek

Buenos Aires: Nationalbibliothek Buenos Aires Nationalbibliothek r
Ort: Buenos Aires (Argentinien)
Art: Nationalbibliothek
Baustil: Beaux-Arts-Architektur
Architekt: Carlos Morra
Fertiggestellt/Eröffnet: 1901
Person: Jorge Luis Borges
Verlag: R. & J. Barbieri Editores
Gelaufen: 1907

„Die Geräusche der Plaza bleiben zurück, und ich betrete die Bibliothek. Fast körperlich empfinde ich die Schwerkraft der Bücher, den stillen Bereich einer Ordnung, die magisch präparierte und konservierte Zeit.“ (Leaving behind the sounds of the plaza, I enter the library. At once, in an almost physical way, I feel the gravitation of the books, the quiet atmosphere of ordered things, the past rescued and magically restored) (Jorge Luis Borges: An Leopoldo Lugones. Vorwort zur Anthologie „El hacedor“, 1960).

Das Zitat stammt von dem argentinischen Schriftsteller Jorge Luis Borges (1899-1986), in dessen Werk Bücher und Bibliotheken eine zentrale Rolle einnehmen. Eine bekannte Erzählung von ihm trägt den Titel „Die Bibliothek von Babel“. Sie diente als Vorbild für die Klosterbibliothek im Roman „Der Name der Rose“ von Umberto Eco, und die Figur des blinden Bibliothekars Jorge von Burgos ist eine Reminiszenz an den Schriftsteller, der mit Mitte 50 vollständig erblindet war. Von 1955 bis 1973 war Borges Direktor der argentinischen Nationalbibliothek. 18 Jahre lang waren die Räume im ersten Stock des Gebäudes in der Calle México 564 sein zweites Zuhause und Schauplatz seines literarischen Schaffens, und es gefiel ihm so gut dort, dass er am liebsten ganz dort eingezogen wäre.

Das Gebäude der Nationalbibliothek ist ein schönes Beispiel für die Beaux-Arts-Architektur in Buenos Aires um die Jahrhundertwende. Es sollte ursprünglich die Nationallotterie beherbergen. Der Entwurf stammte von dem italienischen Architekten Carlo Morra, der 1854 in Benevento als Spross einer Adelsfamilie (vollständiger Name: Carlo Morra Manhes, Marqués de Monterochetta) geboren und im Alter von 27 Jahren nach Argentinien ausgewandert war, wo er sich einen Namen als Architekt zahlreicher Schulgebäude im Historistischen Stil („Escuelas palacio“) machte. Bevor die Lotterie jedoch eröffnet wurde, setzte sich der damalige Direktor der Nationalbibliothek Paul Groussac (1848-1929) beim Präsidenten von Argentinien Julio Argentino Roca erfolgreich dafür ein, dieses elegante Gebäude lieber zum Sitz der Nationalbibliothek zu machen. Am 27. Dezmebr 1901 weihte Roca das Gebäude ein, 1906 wurde es erweitert. Von dem ursprünglich vorgesehenen Verwendungszweck zeugen noch die bronzenen Verzierungen am Treppengeländer, die Lotto-Trommeln (bolilleros) symbolisieren. Paul Groussac wohnte übrigens auch in dem Gebäude, mit Borges teilte er das Schicksal, während seiner Zeit als Direktor der Bibliothek vollständig zu erblinden.

Inzwischen befindet sich die Nationalbibliothek in einem Neubau im Stil des Brutalismus, dessen Grundstein 1972 gelegt und der 1992 eröffnet wurde. Die Architekten waren Clorindo Testa (der – ebenso wie Carlos Morra – in Benevent in Italien geboren wurde), Francisco Bullrich und Alicia Cazzaniga. Das alte Bibliotheksgebäude in der Calle México ist heute Sitz des „Centro Nacional de la Música“.

Link: Ex Biblioteca Nacional. Dirección de música y danza CABA

New York Public Library

New York Public Library (1908)New York Public Library (1911)

New York Public Library Neuburg r

New York Public Library Rotary r

Zu den am häufigsten auf Ansichtskarten abgebildeten Bibliotheken gehört das Hauptgebäude der New York Public Library, in der Fifth Avenue zwischen der 40th und 42nd Street gelegen. Es wurde in den Jahren 1897 bis 1911 von dem renommierten Architektenbüro Carrère and Hastings im Stil der Beaux-Arts-Architektur erbaut.

Die beiden Ansichten zeigen Ausschnitte aus Fotos der Firma George P. Hall & Son aus den Jahren 1908 und 1911. Die Firma war in Manhattan zwischen 1886 und 1914 tätig und dokumentierte das sich rasant verändernde Aussehen der Metropole zu Beginn des 20. Jahrhunderts.

Die erste Karte zeigt die Bibliothek noch vor ihrer Eröffnung. Im Vordergrund sind Pferdekutschen und Fußgänger zu sehen. Diese „Skyscraper-Card“ weist ein für Ansichtskarten ungewöhnliches längliches Format auf und wurde von Ig[natz] Neuburg herausgegeben, der seinen Sitz in 108 Worth Street, New York hatte. Sein Logo war eine auf Hügeln gelegene Burg mit der Überschrift „New Burgh“. Dasselbe Foto wurde übrigens auch in der Encyclopædia Britannica von 1911 verwendet, in dem Artikel über Architektur (die beiden Personen im Vordergrund sind dort wegretuschiert).

Die zweite Karte wurde von der in London ansässigen Rotary Photographic Co. herausgegeben, einer Schwesterfirma der 1894 von Arthur Schwarz in Berlin-Schöneberg gegründeten Neuen Photographischen Gesellschaft. Im Vordergrund sind Fußgänger, Automobile, Pferdekutschen und elektrische Straßenbahnen zu sehen, die sich um diese Zeit durchsetzten. Im Gegensatz zu der Ansicht von 1908 sind Ansichtskarten mit diesem Foto sehr häufig – vielleicht liegt es ja an den Autos und Electric trolleys, die das Bild moderner wirken lassen als die Pferdekutschen?

Tipp: Einen hervorragenden Eindruck dieser Zeit erhält man in dem Film „A Trip through New York City“ aus dem Jahr 1911 (Museum of Modern Art).

Link: Museum of the City of New York – Photographs Collection: New York Public Library – Foto Nr. MNY228821 (1908) und MNY228455 (1911)

Hoboken: Public Library

Hoboken Public Library (Albert Beyer 1897)
Hoboken Public Library r Ort: Hoboken, New Jersey
Art: Öffentliche Bibliothek
Baustil: Neorenaissance
Architekt: Albert Beyer (1846-1922)
Fertiggestellt/Eröffnet: 1897
Person: Martha Bayard Stevens
Verlag: Illustrated Postal Card Co. / Joseph Koehler
Signatur: 2
Gelaufen: 1905

Musikliebhaber denken bei dem Wort „Hoboken“ sicher an Joseph Haydn, dessen Werke im „Hoboken-Verzeichnis“ des niederländischen Musikwissenschaftlers Anthony van Hoboken (1887-1983) aufgeführt sind. Die Stadt Hoboken in New Jersey hingegen, am Hudson River gegenüber von Manhattan gelegen, ist nach dem Ort Hoboken in Flandern benannt, der heute ein Stadtteil von Antwerpen ist. Um 1900 war Hoboken (New Jersey) stark von deutschstämmigen Einwohnern geprägt, die fast ein Viertel der Bevölkerung ausmachten und der Stadt zu dem Beinamen Little Bremen verhalfen.

Die erste Bibliothek von Hoboken war 1890 im Unterschoss eines Bankgebäudes eröffnet worden, doch schon bald reichte der Platz nicht mehr aus und es wurde der Bau eines eigenen Bibliotheksgebäudes beschlossen, auf einem dem Turn-Verein benachbarten Grundstück an der nordwestlichen Ecke von Park Avenue und Fifth Street. Die Philanthropin Martha Bayard Stevens (1831-1899) ermöglichte den Bau mit einer Spende in Höhe von 20.000 Dollar. Martha, Abkömmling der einflußreichen, von französischen Hugenotten abstammenden Familie Bayard, hatte früh ihren Mann und eines ihrer Kinder verloren und engagierte sich seitdem in verschiedenen sozialen Projekten. Im Jahr 1897 wurde das Gebäude eröffnet. Der Entwurf dafür stammte von dem Ingenieur und Architekten Albert Beyer, der 1846 in Düben in der Nähe von Halle (Saale) als Sohn eines Trompeters des 3. Husaren-Regiments (Brandenburgisches) geboren wurde und 1864 in die USA ausgewandert war. Um 1905 kehrte er nach Deutschland zurück und lebte bis zu seinem Tod in Dresden. Sein Sohn Max J. Beyer war ebenfalls als Architekt in Hoboken tätig, und sein Sohn Richard A. Beyer wurde Direktor der Manual Training School (später Industrial School), die sich, neben der Bibliothek, in dem von seinem Vater entworfenen Gebäude befand.

Beyers erster Entwurf sah einen neogotischen Bau vor, der sich am Maison de Roi (Broodhuis) an der Grand-Place in Brüssel orientierte. Realisiert wurde jedoch schließlich ein Gebäude im spätviktorianischen Stil mit Anklängen an die italienische Renaissance, gekrönt von einer Kuppel in Form eines Bienenstocks, die drei Terrakotta-Urnen flankieren. Er ist heute weitgehend original erhalten und wurde mehrmals renoviert, zuletzt nach Beschädigungen durch den Hurrikan Sandy im Jahr 2012. Nachdem die Industrial School in den 1990er Jahren auszog, wird das Gebäude heute ausschließlich als Bibliothek genutzt.

Die Karte wurde von einem Mitglied einer Tauschverbindung verschickt; sie ist adressiert an „Lady D. Maria Izabel do Canto de Barcellos Coelho Borges, Rue du Jesus 42, Angra, Terceira, Azores“

Quelle: Allen W. Kratz: Hoboken Free Public Library & Manual Training School, 500 Park Ave., Hoboken, N.J. National Register of Historic Places Registration Form (2014)

Link: The Library’s Early Years in Photos

Havanna: Universitätsbibliothek

Havanna Universitätsbibliothek b

Havanna Universitätsbibliothek r

Ort: Havanna, Kuba
Art: Hochschulbibliothek
Baustil: Internationaler Stil / Art déco
Architekt: Joaquín Weiss
Fertiggestellt/Eröffnet: 1936
Datierung (Karte): 1936-42

Die Universität von Havanna wurde 1728 als „Königlich Päpstliche Universität“ gegründet. Die Erlaubnis dazu hatten Papst Innozenz XIII. und König Philipp V. von Spanien erteilt, Schutzpatron war der Heilige Hieronymus. Die Universität ist die drittälteste Lateinamerikas. 1842 wurde sie in eine weltliche Bildungseinrichtung umgewandelt. Sie hatte ihren Sitz zunächst in einem ehemaligen Dominikanerkonvent in der Altstadt von Havanna. 1902 zog sie in den Stadtteil Vedado im Westen der Stadt, der heute das moderne Zentrum Havannas bildet. Auf einer leichten Erhebung, dem sog. Aróstegui-Hügel, entstanden repräsentative Gebäude im klassizistischen Stil. Die später hinzugekommene Bibliothek weist als einziges Gebäude der Universiät Stilmerkmale des Art déco auf. Mit dem Bau wurde 1936 begonnen, ein Jahr darauf wurde sie eingeweiht. Der Architekt war Joaquín Emilio Weiss y Sánchez (1894-1968), Vertreter des Internationalen Stils, der an der Cornell University in Ithaca, New York studiert hatte. Der Baustil der Bibliothek wird auch als „Eklektischer Rationalismus“ bezeichnet. Auf einer Marmortafel im Vestibül befindet sich eine lateinische Inschrift aus den Tristia von Ovid: „Gratia, Musa, tibi: nam tu solacia praebes, tu curae requies, tu medicina venis“ („Danke dir, Muse, denn du bringst Trost, die Angst beruhigst du, dein Kommen ist Medizin“). 1945 schuf der kubanische Maler Domingo Ravenet in den Lünetten des Lesesaals zwei große Wandgemälde, die Szenen aus dem Prometheus-Mythos darstellen. Diese verschwanden im Jahr 1976 hinter einer Zwischendecke, seit einer umfassenden Renovierung im Jahr 2011 erstrahlen sie wieder im alten Glanz. Die Universitätsbibliothek von Havanna ist heute nach dem kubanischen Schriftsteller und Revolutionär Rubén Martínez Villena (1899-1934) benannt.

Link: Celia María González: Renace biblioteca universitaria

Washington D.C.: Library of Congress

Washington, D.C.: Library of Congress, Main Reading Room Washington_D_C_Library_of_Congress_r
Ort: Washington, D. C.
Art: Nationalbibliothek, Parlamentsbibliothek
Baustil: Beaux-Arts-Architektur
Architekt: Paul J. Pelz
Fertiggestellt/Eröffnet: 1897
Verlag: A. C. Bosselman & Co.
Signatur: 9746
Datierung (Karte): ca. 1901-1910

Die Bibliothek des Kongresses der Vereinigten Staaten ist nach der British Library die zweitgrößte Bibliothek der Welt. Sie erstreckt sich über drei Gebäude auf dem Capitol Hill in Washington D. C. Das älteste von ihnen, das Thomas Jefferson Building, wurde 1897 im Stil der Beaux-Arts-Architektur erbaut. Der große oktagonale Hauptlesesaal in der Rotunda wird von einer 50 Meter hohen Kuppel gekrönt, die auf acht monumentalen Säulen ruht. Jede der Säulen trägt eine große allegorische Figur, die jeweils ein Wissensgebiet repräsentiert. Auf der Balsutrade darunter befinden sich 16 Bronzeskultpturen bedeutender Persönlichkeiten, darunter Beethoven, Columbus, Shakespeare und Homer.

Link: Architect oft he Capitol: Thomas Jefferson Building
Link: Main Reading Room, Library of Congress, Washington, DC

Salisbury, CT: Scoville Memorial Library

Salisbury Scoville Memorial Library
Salisbury Scoville Memorial Library r Ort: Salisbury, Connecticut
Art: Öffentliche Bibliothek
Baustil: Richardsonian Romanesque
Architekt: Stone, Carpenter & Willson
Fertiggestellt/Eröffnet: 1894
Person: Jonathan Scoville
Verlag: The Collotype Co.
Herausgeber: Edward Wells, Dumont, N. J.
Datierung (Karte): ca. 1930er Jahre

Das Städtchen Salisbury, benannt nach der gleichnamigen Kathedralstadt in England, liegt in der nordwestlichen Ecke von Connecticut und ist Teil des Fernwanderwegs „Appalachian Trail“. Hier wurde zu Beginn des 19. Jahrhunderts die erste öffentliche Bibliothek der Vereinigten Staaten eröffnet, die den Nutzern kostenlos zur Verfügung stand. Ein lokaler Philantrop und seine Familie sorgten dafür, dass 1894 ein schönes Gebäude aus einheimischem grauem Kalkstein eröffnet werden konnte, im damals beliebten neoromanischen Stil („Richardsonian Romanesque“). Mit Motiven aus der Oper „Parsifal“ von Richard Wagner ist noch heute jede Viertelstunde die große Turmuhr zu hören. Die Bibliothek diente ursprünglich auch als Gemeindezentrum. Über dem Kamin im Lesesaal hängt ein kleines Steinrelief aus dem 15. Jahrhundert, ein Geschenk der Kathedrale von Salisbury (England). Die berühmte Kathedralstadt in Wiltshire ist jedoch nicht die Partnerstadt von Salisbury, Connecticut, sondern nur – neben Saintes und Xanten – von den beiden gleichnamigen Städten in North Carolina und Maryland.

Link: Scoville Memorial Library – Our history

Santa Rosa: Carnegie Library

Santa Rosa: Carnegie Library
Santa Rosa Carnegie Library r Ort: Santa Rosa (Kalifornien)
Art: Öffentliche Bibliothek
Baustil: Richardsonian Romanesque
Architekt: Ernest Martin Hoen
Fertiggestellt/Eröffnet: 1904
Person: Andrew Carnegie
Verlag: The Edward H. Mitchell Co.
Signatur: 420
Datierung (Karte): um 1910

Zu den vielen Filmen, die in Santa Rosa im Sonoma County in Kalifornien gedreht wurden, gehört der Thriller „Im Schatten des Zweifels“ (Shadow of a Doubt) von Alfred Hitchcock aus dem Jahr 1943. In dem Film, den Hitchcock als seinen besten bezeichnete, gibt es eine kurze aber wichtige Szene, die in der örtlichen Bibliothek spielt. Man sieht die efeubewachsene Fassade und das Innere mit Ausleihe und Lesebereich. Bei dem Gebäude handelt es sich um die 1904 eröffnete Carnegie-Bibliothek. Der Entwurf für den neoromanischen Bau stammte von einem jungen, unerfahrenen Architekten namens Ernest Martin Hoen (1872-1914). Sein Vater Berthold Henry “Barney” Hoen, ein Einwanderer aus Deutschland, war einer der Gründungsväter von Santa Rosa gewesen. 1906, nur zwei Jahre nach der Eröffnung, wurde das Gebäude beim Erdbeben von San Francisco teilweise zerstört. Für den anschließenden Wiederaufbau stiftete Andrew Carnegie, der den Bau mit 20.000 Dollar unterstützt hatte, erneut eine Summe von 6.900 Dollar. Die Bibliothek diente jedoch nicht, wie ein Zeitungsartikel zur Einweihung im Jahr 1904 prognostiziert hatte, 100 Jahre lang der Freude und dem Nutzen der Einwohner von Santa Rosa und Umgebung. Da es Bedenken hinsichtlich Statik und Brandschutz gab, wurde sie im Jahr 1960 kurzerhand geschlossen. Das Gebäude war mittlerweile auch zu klein geworden, zuletzt wurden die Bücher schon auf dem Fußboden aufgereiht! Die Bibliothek bezog zunächst ein provisorisches Quartier in einem ehemaligen Tanzsaal, bevor sie 1967 einen modernistischen Neubau erhielt (Architekt: Francis Joseph McCarthy). Das Gebäude der alten Carnegie-Bibliothek war kurz zuvor abgerissen worden. Ein Teil einer originalen Wand aus Granitblöcken wurde in die Außenanlagen der neuen Bibliothek integriert – vielleicht aus schlechtem Gewissen?

Link: Jeff Elliott: When the great old library closed forever

London (Ontario): Public Library

London Ontario Public Library
London Ontario Public Library r Ort: London, Ontario (Kanada)
Art: Öffentliche Bibliothek
Baustil: Viktorianische Architektur
Fertiggestellt/Eröffnet: 1895
Verlag: Valentine‘s Co.
Signatur: 107562
Gelaufen: 1912

Die Öffentliche Bibliothek von London (Ontario) wurde 1895 eröffnet. Ein Vorläufer, das sog. „Mechanics’ Institute“, war 1835 in London als drittes seiner Art in Kanada gegründet worden. „Mechanics’ Institutions“ gingen auf den Britischen Arzt und Pädagogen George Birkbeck zurück, sie waren eine Art Arbeiterbildungsverein und boten den Mitgliedern u. a. Vorlesungen, Konzerte, Ausstellungen sowie eine Leihbibliothek. Der Schwerpunkt lag auf den Naturwissenschaften, da man diese als nützlich für das berufliche Fortkommen der Arbeiter ansah. Die Bestände des „Mechanics’ Institute“ gingen 1895 auf die neu gegründete Öffentliche Bibliothek über, für die ein Gebäude an der Ecke Queens Avenue und Wellington Street erbaut worden war. Im Jahr 1909 fand man im Keller dieses Gebäudes zwischen alten Zeitungen und Büchern ein Skelett, was für großes Aufsehen sorgte. Der Bibliotheksleiter lud einen Zeitungsreporter ein, der einen Artikel über den mysteriösen Fund schrieb. Die Zeitung beauftragte sogar einen Phrenologen, der aus der Form des Schädels auf allerlei vermeintliche Charaktereigenschaften des Verblichenen schloss (demnach war er kein Krimineller, liebte Kinder und Tiere und war sparsam). Vor kurzem fand der Bibliothekar Arthur McClellan übrigens heraus, dass sich hinter dem „mysteriösen“ Fund von 1909 nicht etwa ein Kriminalfall verbirgt. Bei dem Skelett handelte es sich einfach um ein Geschenk eines Vortragsreisenden namens Charles Greenwood an das Mechanics’ Institute aus dem Jahr 1851. Das Bibliotheksgebäude wurde 1954 abgerissen, um Platz für einen Erweiterungsbau des benachbarten CVJM zu machen. Dieses brannte 1981 nieder, 1992 wurde an der Stelle ein Hochhaus („One London Place“) errichtet.

Link: The First London Public Library

Portland: Central Library

Portland Central Library

Portland Central Library r

Ort: Portland, Oregon (USA)
Art: Öffentliche Bibliothek
Baustil: Georgianische Architektur
Architekt: A. E. Doyle
Fertiggestellt/Eröffnet: 1913
Signatur: 403
Bemerkung: Azo Gelatin Prints
Datierung (Karte): 1913 – 1918

Die Karte zeigt die 1913 fertiggestellte Öffentliche Bibliothek von Portland (Oregon). Bereits 1864 hatten Geschäftsleute in Portland eine Bibliothek gegründet, die seit 1902 allen Bürgern der Stadt offenstand. 1893 war ein eigenes Gebäude in der Stark Street eröffnet worden, in dessen Erdgeschoss sich die Bibliothek befand, während der erste Stock die Portland Art Association beherbergte. Zwischen 1905 und 1910 wuchs die Bevölkerung von Portland von 161.000 auf 270.000 – ein Wachstum, das unter anderem auf die Lewis and Clark Centennial Exposition von 1905 zurückging, die von 1,6 Millionen Besuchern aus aller Welt besucht worden war. Durch das Wachstum der Stadt war das Gebäude in der Stark Street zu klein geworden, und so wurde in den Jahren 1912 bis 1913 das repräsentative Gebäude in der SW 10th Avenue erbaut. Der Entwurf stammte von dem bekannten Architekten Albert Ernest Doyle (A. E. Doyle), der zu der Zeit mit William B. Patterson die Firma Doyle & Patterson bildete. Architektonische Vorbilder waren unter anderem die Boston Public Library sowie die Bibliothèque Sainte Geneviéve in Paris. Bei seinem Entwurf arbeitete Doyle eng mit der Bibliothkarin Mary Frances Isom zusammen. Die Bibliothek war eine der ersten in den USA mit Freihandaufstellung. Am Tag der Eröffnung erschienen Hunderte von Einwohnern von Portland „with a hint of the elated swagger that is a symptom of the ‚joy of possession‘“ (The Oregonian, 07.09.1913). In den 1990er Jahren wurde das Gebäude umfassend saniert.

Das Foto zeigt die Bibliothek von der Ecke SW 10th Avenue und SW Yamhill Street. Bei der Datierung der Karte hilft der Guide to Real Photo Postcards von Alan Petrulis. Demnach war dieses Fotopapier (Azo Gelatin Prints) zwischen 1904 und 1918 in Verwendung.

Link: Jim Carmin: Central Library (Multnomah County Library)