Buenos Aires: Nationalbibliothek

Buenos Aires: Nationalbibliothek Buenos Aires Nationalbibliothek r
Ort: Buenos Aires (Argentinien)
Art: Nationalbibliothek
Baustil: Beaux-Arts-Architektur
Architekt: Carlos Morra
Fertiggestellt/Eröffnet: 1901
Person: Jorge Luis Borges
Verlag: R. & J. Barbieri Editores
Gelaufen: 1907

„Die Geräusche der Plaza bleiben zurück, und ich betrete die Bibliothek. Fast körperlich empfinde ich die Schwerkraft der Bücher, den stillen Bereich einer Ordnung, die magisch präparierte und konservierte Zeit.“ (Leaving behind the sounds of the plaza, I enter the library. At once, in an almost physical way, I feel the gravitation of the books, the quiet atmosphere of ordered things, the past rescued and magically restored) (Jorge Luis Borges: An Leopoldo Lugones. Vorwort zur Anthologie „El hacedor“, 1960).

Das Zitat stammt von dem argentinischen Schriftsteller Jorge Luis Borges (1899-1986), in dessen Werk Bücher und Bibliotheken eine zentrale Rolle einnehmen. Eine bekannte Erzählung von ihm trägt den Titel „Die Bibliothek von Babel“. Sie diente als Vorbild für die Klosterbibliothek im Roman „Der Name der Rose“ von Umberto Eco, und die Figur des blinden Bibliothekars Jorge von Burgos ist eine Reminiszenz an den Schriftsteller, der mit Mitte 50 vollständig erblindet war. Von 1955 bis 1973 war Borges Direktor der argentinischen Nationalbibliothek. 18 Jahre lang waren die Räume im ersten Stock des Gebäudes in der Calle México 564 sein zweites Zuhause und Schauplatz seines literarischen Schaffens, und es gefiel ihm so gut dort, dass er am liebsten ganz dort eingezogen wäre.

Das Gebäude der Nationalbibliothek ist ein schönes Beispiel für die Beaux-Arts-Architektur in Buenos Aires um die Jahrhundertwende. Es sollte ursprünglich die Nationallotterie beherbergen. Der Entwurf stammte von dem italienischen Architekten Carlo Morra, der 1854 in Benevento als Spross einer Adelsfamilie (vollständiger Name: Carlo Morra Manhes, Marqués de Monterochetta) geboren und im Alter von 27 Jahren nach Argentinien ausgewandert war, wo er sich einen Namen als Architekt zahlreicher Schulgebäude im Historistischen Stil („Escuelas palacio“) machte. Bevor die Lotterie jedoch eröffnet wurde, setzte sich der damalige Direktor der Nationalbibliothek Paul Groussac (1848-1929) beim Präsidenten von Argentinien Julio Argentino Roca erfolgreich dafür ein, dieses elegante Gebäude lieber zum Sitz der Nationalbibliothek zu machen. Am 27. Dezmebr 1901 weihte Roca das Gebäude ein, 1906 wurde es erweitert. Von dem ursprünglich vorgesehenen Verwendungszweck zeugen noch die bronzenen Verzierungen am Treppengeländer, die Lotto-Trommeln (bolilleros) symbolisieren. Paul Groussac wohnte übrigens auch in dem Gebäude, mit Borges teilte er das Schicksal, während seiner Zeit als Direktor der Bibliothek vollständig zu erblinden.

Inzwischen befindet sich die Nationalbibliothek in einem Neubau im Stil des Brutalismus, dessen Grundstein 1972 gelegt und der 1992 eröffnet wurde. Die Architekten waren Clorindo Testa (der – ebenso wie Carlos Morra – in Benevent in Italien geboren wurde), Francisco Bullrich und Alicia Cazzaniga. Das alte Bibliotheksgebäude in der Calle México ist heute Sitz des „Centro Nacional de la Música“.

Link: Ex Biblioteca Nacional. Dirección de música y danza CABA

Zagreb: National- und Universitätsbibliothek

Zagreb: National- und Universitätsbibliothek

Zagreb National- und Universitätsbibliothek r

Ort: Zagreb (Kroatien)
Art: Hochschulbibliothek; Nationalbibliothek
Baustil: Jugendstil
Architekt: Rudolf Lubynski
Fertiggestellt/Eröffnet: 1913
Verlag: Orient
Signatur: 12
Gelaufen: um 1930

Der Marulićplatz in Zagreb, Teil des sog. „Grünen Hufeisens“, ist nach dem kroatischen Dichter und Humanisten Marko Marulić (1450-1525) benannt, der als Vater der kroatischen Literatur gilt. An ihm befindet sich eines der schönsten Gebäude von Zagreb: die National- und Universitätsbibliothek. Die Bibliothek geht auf ein Jesuitenkolleg und die Königliche Akademie der Wissenschaften zurück und ist seit 1874 Universitätsbibliothek. Das 1913 eröffnete Gebäude ist das Hauptwerk des Architekten Rudolf Lubynski (1873-1935). Als Sohn jüdischer Eltern in Zagreb geboren, änderte er 1900 seinen Namen von Löwy in Lubynski (Lubinski), studierte an der Technischen Hochschule in Karlsruhe und arbeitete anschließend im Büro des Architekten Josef Durm, wo er am Entwurf der Universitätsbibliothek Heidelberg mitwirkte. 1907 kehrte er in seine Heimat zurück und gründete ein eigenes Architekturbüro. Das Bibliotheksgebäude im Stil der Kroatischen Sezession ist voller Anspielungen und Allegorien, darunter 16 Eulen als Symbole der Weisheit, die in Gruppen zu je vier den großen Lesesaal außen flankieren. An der prächtigen Innenausstattung beteiligten sich die bedeutendtsten kroatischen Künstler ihrer Zeit. 1995 zog die Bibliothek in einen Neubau, das sog. Pantheon des kroatischen Buches. In dem Gebäude am Trg Marka Marulića befindet sich heute das Kroatische Staatsarchiv.

Die Karte wurde vermutlich um 1930 verschickt; die verwendeten Briefmarken stammen aus dem Jahr 1926 und tragen die Inschrift „Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen“. Sie zeigen das Bildnis Alexanders I., der von 1921 bis 1934 der König Jugoslawiens war. 1934 fiel er bei einem Statasbesuch in Marseille einem Attentat zum Opfer. Dies war das erste Attentat in der Geschichte, das live gefilmt wurde.

Link: Zagreb Secession
Link: Live footage of King Alexander’s Assassination (1934)

Kapstadt: Nationalbibliothek

Kapstadt: Nationalbibliothek - National Library of South Africa
Kapstadt_Nationalbibliothek_r Ort: Kapstadt (Cape Town), Südafrika
Art: Nationalbibliothek
Baustil: Klassizismus (Greek Revival)
Architekt: William Kohler
Fertiggestellt/Eröffnet: 1860
Person: George Grey
Verlag: Paul Schaefer & Co.
Signatur: 108
Datierung (Karte): 1905

Die 1818 gegründete älteste Bibliothek Afrikas geht auf die Initiative mehrerer in Kapstadt ansässiger Händler zurück, die den Gouverneur der Kapkolonie Lord Charles Henry Somerset die Gründung einer öffentlichen Bibliothek empfahlen. Der Gouverneur erhob zur Finanzierung eine Steuer auf importierte Weine, und 1822 öffnete die Bibliothek ihre Tore als eine der ersten kostenlosen Leihbibliotheken des British Empire. Den Grundstein für das Gebäude in der Queen Victoria Street, am nördlichen Ende von Company’s Garden, legte 1858 der Gouverneur der Kapkolonie George Edward Grey, der der Bibliothek an die 5000 Bücher und Manuskripte aus seiner Privatsammlung vermachte, darunter wertvolle Werke des Mittelalters und der Renaissance. Die Einweihung erfolgte 1860 durch Prinz Alfred, den zweitgeborene Sohn der britischen Königin Victoria und späteren Herzog von Sachsen-Coburg und Gotha. Das Gebäude beherbergte zunächst sowohl die Bibliothek als auch das Museum von Kapstadt, bevor dieses 1897 ein eigenes Gebäude bezog. Architektonisches Vorbild für den klassizistischen Bau des Architekten W. H. Kohler dürfte das Fitzwilliam-Museum in Cambridge von George Basevi gewesen sein. Seit 1999 bildet die Bibliothek einen der beiden Standorte der Nationalbibliothek Südafrikas. Vor dem Hauptportal steht eine Statue von George Edward Grey; der schottische Bildhauer William Calder Marshall schuf sie im Jahr 1863.

Link: The National Library of South Africa is founded