Douai: Collège de Jeunes Filles

Douai: Collège de Jeunes Filles
Ort: Douai (Frankreich)
Art: Schulbibliothek
Fertiggestellt/Eröffnet: 1770/1840
Fotograf: E. Baron
Gelaufen: 1931

Im Jahr 1607 gründeten aus England vertriebene Benediktiner in Douai, das damals Teil der spanischen Niederlande war, ein Kloster. 1770 errichteten sie ein großes vierstöckiges Gebäude, das auch ihre umfangreiche Bibliothek enthielt. Im Zuge der französischen Revolution wurden die Benediktiner aus Douai vertrieben und gingen nach England, wo sie die Abtei Downside Abbey gründeten. Die verlassenen Klostergebäude in Doaui wurden verstaatlicht und dienten in den folgenden Jahren verschiedenen Zwecken, zum Beispiel während der Kontinentalsperre der Produktion von Rübenzucker. 1818 wurden die Gebäude erneut von Benediktineren besiedelt, der Communauté de Saint-Edmond. 1840 wurde die Kapelle im neogotischen Stil wiederaufgebaut, nach Plänen des britischen Architekten Augustus Welby Northmore Pugin, einem der bedeutendsten Vertreter des Gothic Revival. Nach der Trennung von Kirche und Staat in Frankreich verließen die Mönche 1903 erneut Doaui und ließen sich in Woolhampton in Berkshiere nieder. Die Stadt Douai kaufte im Jahr darauf die verlassenen Gebäude und richtete dort ein Mädchengymnasium ein. Dieses heißt seit 1974 Lycée Jean-Baptiste-Corot, nach dem bekannten Maler, der 1871 den Glockenturm von Douai gemalt hatte (das Gemälde hängt heute im Louvre). Die auf dieser Karte abgebildete Lehrerbibliothek befindet sich in dem alten Gebäude aus dem Jahr 1770; die Ausstattung stammt von 1840. Sie wurde in den Jahren 2007-2008 umfassend saniert.

Link: Lycée Jean-Baptiste-Corot: Le Centre de Documentation et d’Information

Liège: Universitätsbibliothek

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Ort: Liège (Lüttich, Belgien)
Art: Hochschulbibliothek
Architekt: Julien-Étienne Rémont
Fertiggestellt/Eröffnet: 1836
Verlag: Auguste Bénard
Datierung (Karte): ca. 1910-1920 (?)

 

Die Universität Lüttich (Université de Liège) wurde 1817 vom König der Niederlande Wilhelm I. gegründet und im Collège en Isle, einem an der Maas gelegenen ehemaligen Jesuiten-Kolleg aus dem 18. Jahrhundert untergebracht. Die Universitätsbibliothek befand sich anfangs in dem Bibliotheksraum des Kollegs und wuchs durch die Bestände der Stadtbibliothek von Lüttich sowie der Klöster von Averbode und Sint-Truiden. In den 1820er Jahren wurde das Gebäude durch den Architekten Jean-Noël Chevron umgebaut und erweitert. Eine zweite Erweiterung erfolgte 1835 durch Julien-Étienne Rémont mit dem Ziel, dem Gebäudeensemble wieder eine symmetrische Form zu geben. Durch diese zweite Erweiterung erfuhr die Bibliothek eine erhebliche Vergrößerung und nahm nun das gesamte erste Stockwerk des Gebäudes ein. Arkaden aus korinthischen Säulen verbanden die drei großen Säle unter gewölbten Kassettendecken. Philippe Lesbroussart, ein Professor, der 1841 eine Beschreibung der Universität Liège veröffentlichte, hielt die Bibliothek für eine der schönsten Europas. Die beiden auf der Karte abgebildeten Räume existieren heute so nicht mehr, sie wurden bei einem Umbau 1949 durch Einzug einer Zwischendecke in ein Magazin umgewandelt. Heute ist die Universitätsbibliothek auf mehrere Standorte in der Stadt sowie in dem einige Kilometer südlich gelegenen Campus Sart-Tilman verteilt.

Link: Cécile Oger und Edith Micha: Livres et architecture : les bibliothèques de l’Université de Liège

Concord: Emerson’s Library

Concord: Emerson's Library
Concord_Emersons_Library_r Ort: Concord, Massachusetts
Art: Privatbibliothek
Fertiggestellt/Eröffnet: 1828/1835
Person: Ralph Waldo Emerson (1803-1882)
Verlag: Raphael Tuck & Sons
Signatur: 2127
Datierung (Karte): um 1900

Ralph Waldo Emerson (1803-1882) war ein US-amerikanischer Philosoph und Schriftsteller, der zu den wichtigsten Protagonisten einer literarischen Strömung gehörte, die als „American Renaissance“ bezeichnet wird. Im Jahr 1835 kaufte er ein Haus in Concord und bezog es zusammen mit seiner zweiten Frau Lydia Jackson. In dem Haus, in dem er bis zu seinem Lebensende wohnen sollte, scharte er einen Kreis Gleichgesinnter um sich, den „Transcendental Club“. Der Transzendentalismus war eine neuidealistische Bewegung, die großen Einfluss auf die amerikanische Geistesgeschichte ausübte. Ralph Waldo Emerson wollte in seinem Haus so viele Bücher und weise Freunde wie möglich zusammenbringen („crowd so many books and papers, and, if possible, wise friends into it, that it shall have as much wit as it can carry“). Das Ralph Waldo Emerson House ist seit 1930 ein Museum. Die Räume sind weitgehend in originalem Zustand erhalten. Sein Arbeitszimmer (study), das auf dieser Ansichtskarte zu sehen ist, wurde jedoch 1930 in dem benachbarten Concord Museum originalgetreu rekonstruiert. Die Bücher aus seinem persönlichen Besitz befinden sich heute in der Houghton Library an der Harvard University.

Link: Concord Museum – Ralph Waldo Emerson’s Study

Parma: Biblioteca Palatina

Parma: Biblioteca Palatina, Salone Maria Luigia (1834) Parma: Bibioteca Palatina
Ort: Parma
Art: Schlossbibliothek
Baustil: Klassizismus
Architekt: Nicolò Bettoli
Fertiggestellt/Eröffnet: 1834
Person: Philipp (Parma)
Datierung (Karte): um 1900

Die Biblioteca Palatina, benannt nach Apollo Palatinus, wurde im Jahr 1761 von Philipp von Spanien, dem Sohn von König Philipp V. von Spanien und Elisabetta Farnese, gegründet. Philipp, Begründer der Linie Bourbon-Parma, war 1748 im Zuge des Friedens von Aachen zum Herzog von Parma bestimmt worden, unter seiner Regierungszeit erlebte das heruntergewirtschaftete Herzogtum eine neue wirtschaftliche und kulturelle Blütezeit. Eine wichtige Rolle dabei spielte der liberale französische Politiker Guillaume du Tillot, den Philipp zu seinem Minister ernannte. Tillot regte zum Beispiel den Anbau von Kartoffeln an, war an der Gründung der Akademie der schönen Künste und des Antikenmuseums beteiligt und reorganisierte die Universität Parma. Im Zuge dieser aufklärerischen Maßnahmen war auch die Errichtung der Biblioteca Palatina als Öffentliche Bibliothek für das Herzogtum gedacht. Erster Bibliothekar war Paolo Maria Paciaudi, ein Mitglied des Ordens der Theatiner, der zuvor in Frankreich das dortige Bibliothekswesen studiert hatte und in Parma den Bücherbestand mit Hilfe eines Netzwerks von Korrespondenten in ganz Europa von Grund auf neu zusammentrug. Die Bücher wurden im Palazzo della Pilotta aufgestellt, einem historischen Gebäudekomplex im Zentrum von Parma, der Ende des 16. Jahrhunderts unter der Regierungszeit der Farnese erbaut worden war. Die Innenausstattung stammt von dem französischen Architekten Ennemond Alexandre Petitot, der von Tillot engagiert worden war und im Herzogtum Parma den neuen klassizistischen Baustil einführte. Die Ansichtskarte zeigt aber nicht diese 1769 fertiggestellte „Galleria Petitot“, sondern den „Salone Maria Luigia“ in einem Anbau aus dem Jahr 1834 (Architekt: Nicolò Bettoli). Dieser monumentale Lesesaal ist nach Marie-Louise von Österreich benannt, der zweiten Ehefrau Napoleons, die von 1814 bis 1847 Herzogin von Parma war und den Bibliotheksbestand erheblich erweiterte. Im Hintergrund des Saals sieht man die Marmorbüste, die der bekannte italienische Bildhauer Antonio Canova 1822 von ihr schuf. Der Palazzo della Pilotta wurde 1944 bei einem englischen Luftangriff schwer beschädigt; dabei gingen mehr als 20.000 Bände verloren. Der Wiederaufbau erfolgte kurz darauf; heute umfasst die Bibliothek über 700.000 Bände sowie zahlreiche Manuskripte, Inkunabeln und Musikalien.

Link: Biblioteca Palatina – History

Abtei Grimbergen

Abtei Grimbergen, Bibliothek
grimbergen_r Ort: Grimbergen
Art: Klosterbibliothek (Prämonstratenser)
Fertiggestellt/Eröffnet: ca. 1840
Person: John Leslie (1527-1596)
Verlag: Phototypie Belge (PhoB)
Signatur: 11
Datierung (Karte): 1941-1950 (ca.)

Die Abtei Grimbergen geht auf eine Gründung im 12. Jahrhundert zurück und ist das älteste noch bewohnte Prämonstratenserkloster Belgiens. Es wurde im Lauf der Geschichte mehrfach zerstört und wiederaufgebaut. Die Abteikirche aus dem 17. Jahrhundert ist ein hervorragendes Beispiel der Barockarchitektur in den Niederlanden. Der Trakt, in dem sich die Bibliothek befindet, stammt vermutlich aus der Mitte des 19. Jahrhunderts (1840). Links im Bild ist ein an der Wand lehnender Stein zu sehen, laut Aufschrift auf der Rückseite der Karte der Grabstein von Bischof Leslôeus, Beichtvater der schottischen Königin Maria Stuart. Damit dürfte wohl John Leslie (auch John Lesley) gemeint sein, der 1596 in einem Kloster in der Nähe von Brüssel starb.

Link: John Lesley

München: Staatsbibliothek

München: Staatsbibliothek
muenchen_staatsbibliothek_2 Ort: München
Art: Universalbibliothek
Baustil: Rundbogenstil
Architekt: Friedrich von Gärtner
Fertiggestellt/Eröffnet: 1839
Verlag: C . Andelfinger & Co.
Signatur: 242
Datierung (Karte): 1901-1910 (ca.)
Gelaufen: 1914

Die Bayerische Staatsbibliothek in München geht auf die 1558 gegründete Hofbibliothek von Herzog Albrecht V. zurück, der ein leidenschaftlicher Sammler und Kunstfreund war. Das langgestreckte Bauwerk in der Ludwigstraße wurde in den Jahren 1834 bis 1839 erbaut, es greift architektonisch auf die Palastarchitektur der italienischen Frührenaissance zurück. Architekt war Friedrich von Gärtner (1791 – 1847), der neben Leo von Klenze als bedeutendster Baumeister unter Ludwig I. gilt.