Estinnes: Abbaye de Bonne-Espérance

Estinnes: Abbaye de Bonne-Esperance, Bibliotheque
Abbaye de Bonne-Esperance r Ort: Estinnes (Belgien)
Art: Klosterbibliothek (Norbertiner)
Fertiggestellt/Eröffnet: ca. 1715
Verlag: Nels
Datierung (Karte): ca. 1930er Jahre

Die Abtei von Bonne-Espérance in der belgischen Gemeinde Estinnes geht auf eine Gründung der Prämonstratenser (Norbertiner) aus dem 12. Jahrhundert zurück. Nach Zerstörungen und Plünderungen während der Hugenottenkriege folgte eine Zeit des Niedergangs, bis Abtei und Kirche ab dem 17. Jahrhundert wieder restauriert wurden, vor allem dank der Unterstützung der Erzherzöge Albrecht VII. von Österreich und Isabella. Die Abtei wurde in den Wirren der Französischen Revolution zweimal geplündert und enteignet, wobei auch die Bestände der Bibliothek zerstreut wurden. Die Gebäude blieben hingegen unversehrt. 1829 wandelte das Seminar von Tournai die Anlage in eine Bildungseinrichtung um (Collège Notre-Dame de Bonne-Espérance). Der auf der Karte abgebildete Bibliotheksraum stammt aus der Zeit des klassizistischen Wiederaufbaus unter dem Abt Jean Patoul. Er wurde in den Jahren 1978-1984 renoviert und dient heute als Konferenzraum. Manuskripte aus der ursprünglichen Bibliothek von Bonne-Espérance befinden sich heute in Mons, Brüssel, La Haye, Paris, Maredsous und Torunai. Das Collège Notre-Dame de Bonne-Espérance verwahrt noch sechs Manuskripte aus der Zeit vor 1500: ein Decretum Gratiani sowie fünf Bände des Speculum maius, einer Enzyklopädie von Vinzenz von Beauvais.

Link: Abbaye Notre-Dame de Bonne-Espérance

Liège: Universitätsbibliothek

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Ort: Liège (Lüttich, Belgien)
Art: Hochschulbibliothek
Architekt: Julien-Étienne Rémont
Fertiggestellt/Eröffnet: 1836
Verlag: Auguste Bénard
Datierung (Karte): ca. 1910-1920 (?)

 

Die Universität Lüttich (Université de Liège) wurde 1817 vom König der Niederlande Wilhelm I. gegründet und im Collège en Isle, einem an der Maas gelegenen ehemaligen Jesuiten-Kolleg aus dem 18. Jahrhundert untergebracht. Die Universitätsbibliothek befand sich anfangs in dem Bibliotheksraum des Kollegs und wuchs durch die Bestände der Stadtbibliothek von Lüttich sowie der Klöster von Averbode und Sint-Truiden. In den 1820er Jahren wurde das Gebäude durch den Architekten Jean-Noël Chevron umgebaut und erweitert. Eine zweite Erweiterung erfolgte 1835 durch Julien-Étienne Rémont mit dem Ziel, dem Gebäudeensemble wieder eine symmetrische Form zu geben. Durch diese zweite Erweiterung erfuhr die Bibliothek eine erhebliche Vergrößerung und nahm nun das gesamte erste Stockwerk des Gebäudes ein. Arkaden aus korinthischen Säulen verbanden die drei großen Säle unter gewölbten Kassettendecken. Philippe Lesbroussart, ein Professor, der 1841 eine Beschreibung der Universität Liège veröffentlichte, hielt die Bibliothek für eine der schönsten Europas. Die beiden auf der Karte abgebildeten Räume existieren heute so nicht mehr, sie wurden bei einem Umbau 1949 durch Einzug einer Zwischendecke in ein Magazin umgewandelt. Heute ist die Universitätsbibliothek auf mehrere Standorte in der Stadt sowie in dem einige Kilometer südlich gelegenen Campus Sart-Tilman verteilt.

Link: Cécile Oger und Edith Micha: Livres et architecture : les bibliothèques de l’Université de Liège

Dendermonde: Abtei St. Peter und Paul

Dendermonde: Abtei St. Peter und Paul, Bibliothek
Dendermonde_Abtei_St_Peter_und_Paul_Bibliothek_r Ort: Dendermonde (Belgien)
Art: Klosterbibliothek (Benediktiner)
Baustil: Neogotik
Architekt: Edward Bauwens
Fertiggestellt/Eröffnet: 1891
Fotograf: Edgar Barbaix
Datierung (Karte): ca. 1920er Jahre

Die Benediktinerabtei St. Peter und Paul in Dendermonde wurde 1837 von Veremundus D’Haens gegründet, einem Mönch aus der Abtei Affligem in der Provinz Flämisch-Brabant, die im Zuge der Französischen Revolution aufgelöst worden war. In seiner Geburtsstadt kaufte er ein leerstehendes ehemaliges Kapuzinerkloster und baute es in den Jahren 1837 bis 1841 zum Benediktinerkloster aus. Im Jahr 1886 wurden die Innenräume im neogotischen Stil umgestaltet; 1891 erfolgte ein Anbau mit einer geräumigen Bibliothek. Diese überstand einen Brand im Jahr 1914 unbeschadet. Zu den Schätzen der Bibliothek gehört das Manuskript „Symphonia harmoniae caelestium revelationum“ (Der Wohlklang himmlischer Offenbarungen) von Hildegard von Bingen aus dem 12. Jahrhundert.

Als Fotograf ist auf der Karte „E. Barbaix“ angegeben. Damit dürfte Edgar Barbaix (1893-1973) gemeint sein, der in den 1920er und 1930er Jahren in Gent tätig war und nach dem ein Fotografiepreis benannt ist (Barbaixprijs voor fotografi).

Link: Hildegard of Bingen, Symphoniae harmoniae caelestium

Charleroi: Université du Travail

Charleroi: Université du Travail - Bibliothèque publique
Charleroi Universite du Travail Bibliotheque r Ort: Charleroi
Art: Öffentliche Bibliothek
Baustil: Neoklassizismus
Architekt: Albert und Alexis Dumont
Fertiggestellt/Eröffnet: 1907/1911 (?)
Person: Paul Pastur
Verlag: Nels
Gelaufen: 1924

Die „Université du Travail“ ist eine Einrichtung in Charleroi, die mehrere Schulen umfasst. Sie geht auf den sozialistischen Rechtsanwalt und Politiker Paul Pastur (1866-1938) zurück, der 1903 die „Ecole industrielle supérieure“ gründete, in deren Fokus die Weiterbildung von Arbeitern im technisch-industriellen Bereich stand. Gemeinsam mit dem „Musée Provincial de l’Enseignement Technique“ bildete diese den Grundstein für die Université du Travail, deren neue Gebäude 1907 und 1911 eingeweiht wurden; die Architekten waren Albert und Alexis Dumont („Bâtiment Gramme“) und Gabriel Devreux („Palais de l’Art Wallon“). Die Bibliothek befindet sich seit 1937 in dem Verwaltungsgebäude, das 1931 nach Plänen der Architekten Alexis Dumont und Marcel Van Goethem erbaut wurde. Die Karte zeigt zeigt jedoch noch einen der Räume in einem der Hauptgebäude, vermutlich dem Bâtiment Gramme.

Link: L’Université du Travail de Charleroi : lieu de naissance de l’Assemblée wallonne
Link: Bibliothèque de l’U.T. – Charleroi, Belgique

Morlanwelz: Schloß Mariemont

Morlanwelz: Schloß Mariemont - Bibliothek
Morlanwelz-Schloss_Mariemont-Bibliothek r Ort: Morlanwelz
Art: Privatbibliothek
Architekt: Georges Martin
Fertiggestellt/Eröffnet: 1910
Person: Raoul Warocqué
Verlag: Nels
Datierung (Karte): nach 1912

Das Landgut Mariemont in Belgien wurde im 16. Jahrhundert von Maria von Ungarn gegründet, die Statthalterin der Spanischen Niederlande war und nach der die Domäne benannt wurde. Nachdem es in der Französischen Revolution zerstört worden war, erwarben die Industriellen Isidore und Nicolas Warocqué den Grund und ließen von dem Architekten Tieleman Franciscus Suys (Tilman-François Suys) ein Landhaus im klassizistischen Stil erbauen. Letzter Besitzer war Raoul Warocqué, der eine umfangreiche Sammlung von Kunst und Antiquitäten sowie die reichhaltige Bibliothek zusammentrug. Für diese ließ er in den Jahren 1909-1910 durch den Architekten Georges Martin zwei Flügel an das Schloss anbauen. Er verstarb 1917 ohne Nachkommen und vermachte seinen Besitz dem belgischen Staat. Das Herrenhaus wurde in ein Museum umgewandelt. Am Heiligabend 1960 brannte es nieder; die Bestände der Bibliothek konnten jedoch gerettet werden. Heute befinden sie sich im „Königlichen Museum Mariemont“ in einem Neubau aus dem Jahr 1975 und stellen eine der wichtigsten Forschungsbibliotheken des französischsprachigen Teils von Belgien dar.

Link: Musée royal de Mariemont
Link: Château de Mariemont (Abbildung)

Mol: Abtei Postel

Mol: Abtei Postel
mol abtei postel r Ort: Mol
Art: Klosterbibliothek
Baustil: Rokoko
Fertiggestellt/Eröffnet: 1743/1909 (?)
Verlag: Nels
Signatur: 21
Datierung (Karte): 1920-30 (ca.)

 Die Norbertiner-Abtei Postel wurde im Jahr 1138 von Prämonstratensischen Kanonikern gegründet. Auf der Karte ist die oberhalb des 1743 erbauten Refektoriums befindliche Bibliothek zu sehen. Das italienische Rokoko-Stuckwerk wurde einige Jahre später angefügt. Nachdem sich die Gebäude des Klosters nach der französischen Revolution und fast das ganze 19. Jahrhundert hindurch in Privatbesitz befunden hatten, wurden sie zwischen 1904 und 1909 nach Entwürfen von J. Geerts restauriert. Heute ist die Bibliothek in einem in den Jahren 1956-60 neuerbauten Flügel untergebracht.

Link: Abdij van Postel

Huy: Konvent La Sarte

Huy Dominikanerkonvent La Sarte Bibliothek
Huy Dominikanerkonvent La Sarte Bibliothek r Ort: Huy
Art: Klosterbibliothek
Fertiggestellt/Eröffnet: 1860er Jahre (?)
Person: Dominique Pire
Verlag: L. Lagaert, Brüssel
Datierung (Karte): vor 1914

Die Kirche Notre Dame de la Sarte in Huy geht auf eine Wallfahrtskirche aus dem 17. Jahrhundert zurück, die im 19. und 20. Jahrhundert mehrfach erweitert wurde. 1860 gründete die Dominikaner hier ein Konvent. 1928 trat der spätere Friedensnobelpreisträger Georges Pire (1910-1969) in das Konvent ein und nahm den Ordensnamen Dominique an. Pire gründete mehrere Hilfsorganisationen für Flüchtlinge, eine Friedensuniversität in Huy und mehrere sog. „Europadörfer“. Im Dominkanerkonvent La Sarte studierte auch der belgische Moraltheologe Servais-Théodore Pinckaers (1925-2008). Sowohl Pire als auch Pinckaers haben übrigens auch an der Päpstlichen Universität Heiliger Thomas von Aquin („Angelicum“) in Rom studiert. 1973wurde das Dominikanerkonvent La Sarte in Huy geschlossen.

Link: Notre Dame de la Sarte
Link: Notre Dame de la Sarte
Link: Georges Pire

Brüssel: Palais des Grafen von Flandern

 

Brüssel: Palais des Grafen von Flandern, Bibliothek Brüssel_Palais_des_Grafen_von_Flandern_Bibliothek_r
Ort: Brüssel
Art: Schlossbibliothek
Fertiggestellt/Eröffnet: ca. 1868
Person: Philipp von Belgien (1837–1905)
Verlag: Vanderauwera & Cie.
Gelaufen: 1907

Philipp von Belgien (1837–1905) aus dem Hause Sachsen-Coburg und Gotha war der Sohn von Leopold I., dem ersten König der Belgier. Er trug den Titel eines Grafen von Flandern und war von 1869 bis zu seinem Tod offizieller belgischer Thronfolger. 1866 kaufte er ein klassizistisches Palais in der Rue de la Régence, das er im Jahr darauf mit seiner Frau, Maria Luise von Hohenzollern-Sigmaringen, bezog und in den folgenden Jahren von den Architekten Gustave Saintenoy und Clément Parent um zwei Flügel erweitern ließ. Philipp war ein Bücherliebhaber, er besuchte regelmäßig Antiquare in Venedig und Paris und hatte bereits eine prächtige Bibliothek zusammengetragen. In seinem neuen Domizil stellte er die seltensten und wertvollsten Ausgaben in der „Kleinen Bibliothek“ auf, die auf dieser Karte zu sehen ist. Die große Bibliothek umfasste mehr als 30.000 Bände. Heute befindet sich in dem Gebäude der Belgische Rechnungshof.

Link: Artikel über Jean François Portaels

Abtei Grimbergen

Abtei Grimbergen, Bibliothek
grimbergen_r Ort: Grimbergen
Art: Klosterbibliothek (Prämonstratenser)
Fertiggestellt/Eröffnet: ca. 1840
Person: John Leslie (1527-1596)
Verlag: Phototypie Belge (PhoB)
Signatur: 11
Datierung (Karte): 1941-1950 (ca.)

Die Abtei Grimbergen geht auf eine Gründung im 12. Jahrhundert zurück und ist das älteste noch bewohnte Prämonstratenserkloster Belgiens. Es wurde im Lauf der Geschichte mehrfach zerstört und wiederaufgebaut. Die Abteikirche aus dem 17. Jahrhundert ist ein hervorragendes Beispiel der Barockarchitektur in den Niederlanden. Der Trakt, in dem sich die Bibliothek befindet, stammt vermutlich aus der Mitte des 19. Jahrhunderts (1840). Links im Bild ist ein an der Wand lehnender Stein zu sehen, laut Aufschrift auf der Rückseite der Karte der Grabstein von Bischof Leslôeus, Beichtvater der schottischen Königin Maria Stuart. Damit dürfte wohl John Leslie (auch John Lesley) gemeint sein, der 1596 in einem Kloster in der Nähe von Brüssel starb.

Link: John Lesley

Bornem: Abtei Sankt Bernhard

Bibliotheek van de Sint-Bernardusabdij te Bornem
bornem_r Ort: Bornem
Art: Klosterbibliothek (Zisterzienser)
Architekt: Joseph Schadde
Fertiggestellt/Eröffnet: 1872
Verlag: Nels
Datierung (Karte): 1931-1940 (ca.)

 Die Abtei Sankt Bernhard in Bornem ist der Rechtsnachfolger der Zisterzienserabtei St. Bernhard an der Schelde in Hemiksem, die im Zuge der Französischen Revolution aufgelöst wurde. Die Zisterziensermönche kauften das ehemalige Dominikanerkloster in Bornem im Jahr 1836, bauten eine neue Kirche und richteten schrittweise die alten Klostergebäude wieder her. Der Bibliothekstrakt wurde 1872 nach Entwürfen des Architekten Joseph Schadde (1818-1894) fertiggestellt. Es ist eine der bedeutendsten Bibliotheken für das kulturelle Erbe der Provinz Antwerpen. Die Ansichtskarte zeigt noch den ursprünglichen Zustand des Raums mit den beiden Reihen durchlaufender hölzerner Lesepulte, auf denen man die schweren Folianten ablegen konnte.

Link: Bibliothek der Abtei Sankt Bernhard in Bornem