Lille: Université Catholique de Lille

Lille: Université Catholique, Bibliothèque

Lille Universite Catholique Bibliotheque r

Ort: Lille (Frankreich)
Art: Hochschulbibliothek
Baustil: Neogotik
Architekt: Louis Dutouquet
Fertiggestellt/Eröffnet: 1881
Verlag: E. C. [Edmond Cailteux]
Signatur: 7
Datierung (Karte): um 1910

Die Katholische Universität Lille wurde 1875 auf Betreiben einer Gruppe von Geschäftsleuten gegründet, die sich dem romtreuen politischen Katholizismus (Ultramontanismus) bzw. christlichen Sozialismus verbunden fühlten. 1877 erwarben sie ein Grundstück am Boulevard Vauban und beauftragten den belgischen Architekten Jean-Baptiste Bethune mit einem Entwurf für einen Campus im neogotischen Stil. Bethune, dessen Vorfahren aus Lille stammten, war ein wichtiger Vertreter der belgischen Neogotik, mit der er – ähnlich wie Augustus Welby Pugin in England – die Hoffnung auf eine religiöse Erneuerung verband. Seine Entwürfe waren den Auftraggebern jedoch zu komplex, so dass schließlich ein etwas vereinfachter Entwurf des Architekten Louis Dutouquet verwirklicht wurde. Das Kernstück des in mehreren Bauphasen realisierten Ensembles bildet das sog. Hôtel Academique mit seiner 125m langen neogotischen Fassade. Im Nordosten grenzt daran der Flügel der Bibliothek, an der Rue Norbert Ségard gelegen und 1881 eröffnet. In diesem Gebäude blieb die Bibliothek bis 2007, heute befindet sie sich in einem Neubau an der Rue du Port. Der frühere Bibliotheksbau wurde inzwischen umgebaut und beherbergt heute eine Ingenieurhochschule (ISA Lille).

Link: Université Catholique de Lille: History & Heritage

Literatur: Catherine Masson: La Catho – Un siècle d’histoire de l’Université catholique de Lille 1877-1977 (mit Abbildung des Lesesaals)

Schloss Compiègne

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Ort: Compiègne (Frankreich)
Art: Schlossbibliothek
Baustil: Empire
Fertiggestellt/Eröffnet: 1810
Person: Napoleon
Verlag: Armand Noyer
Signatur: 15
Datierung (Karte): um 1920

Das Château de Compiègne bzw. Palais de Compiègne war ursprünglich ein klassizistisches Schloss der französischen Könige aus dem 18. Jahrhundert. Napoleon veranlasste den Ausbau der Anlage zu einer kaiserlichen Residenz, der in den Jahren 1808-1810 erfolgte. Die Appartements des Kaisers und der Kaiserin zählen zu den am besten erhaltenen Empire-Ensembles Frankreichs. Die Bibliothek verbindet die Repräsentationsräume mit den privaten Räumen und diente Napoleon als Arbeitszimmer. Die Inneneinrichtung aus zum Teil vergoldetem Mahagoni einschließlich des imposanten mechanischen Schreibtischs stammt aus der berühmten Pariser Möbelwerkstätte Jacob-Desmalter et Cie., die 1813 kurzzeitig bankrott ging, da Napoleon seine Schulden nicht bezahlte. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts beherbergte das Schloss mehrere Museen. Ab 1889 transportierte die französische Regierung einen Großteil der Möbel und Kunstwerke ab, um damit Botschaftsgebäude und Ministerien auszustatten. Dabei wurde auch der Bestand der Bibliothek nach Paris gebracht und auf die Nationalbibliothek, die Bibliothèque de l’Arsenal und die Bibliothek Sainte-Geneviève verteilt. Die Bücher, die heute in dem Raum zu sehen sind, wurden erst 1901 anlässlich des Besuchs des russischen Zaren Nikolaus II. und seiner Frau Alix von Hessen-Darmstadt im Schloss aufgestellt. Es gibt jedoch Überlegungen, den originalen Buchbestand mit Hilfe historischer Inventarlisten nachzubilden.

Die Karte stammt von dem bekannten Fotografen Armand Noyer, der in Paris ein Atelier am Boulevard de Strasbourg betrieb und neben Ansichtskarten vor allem für seine Porträtfotos bekannt war, darunter die Serie Les Vedettes de Cinema.

Link: Château de Compiègne: The Emperor’s Apartment

Douai: Collège de Jeunes Filles

Douai: Collège de Jeunes Filles
Ort: Douai (Frankreich)
Art: Schulbibliothek
Fertiggestellt/Eröffnet: 1770/1840
Fotograf: E. Baron
Gelaufen: 1931

Im Jahr 1607 gründeten aus England vertriebene Benediktiner in Douai, das damals Teil der spanischen Niederlande war, ein Kloster. 1770 errichteten sie ein großes vierstöckiges Gebäude, das auch ihre umfangreiche Bibliothek enthielt. Im Zuge der französischen Revolution wurden die Benediktiner aus Douai vertrieben und gingen nach England, wo sie die Abtei Downside Abbey gründeten. Die verlassenen Klostergebäude in Doaui wurden verstaatlicht und dienten in den folgenden Jahren verschiedenen Zwecken, zum Beispiel während der Kontinentalsperre der Produktion von Rübenzucker. 1818 wurden die Gebäude erneut von Benediktineren besiedelt, der Communauté de Saint-Edmond. 1840 wurde die Kapelle im neogotischen Stil wiederaufgebaut, nach Plänen des britischen Architekten Augustus Welby Northmore Pugin, einem der bedeutendsten Vertreter des Gothic Revival. Nach der Trennung von Kirche und Staat in Frankreich verließen die Mönche 1903 erneut Doaui und ließen sich in Woolhampton in Berkshiere nieder. Die Stadt Douai kaufte im Jahr darauf die verlassenen Gebäude und richtete dort ein Mädchengymnasium ein. Dieses heißt seit 1974 Lycée Jean-Baptiste-Corot, nach dem bekannten Maler, der 1871 den Glockenturm von Douai gemalt hatte (das Gemälde hängt heute im Louvre). Die auf dieser Karte abgebildete Lehrerbibliothek befindet sich in dem alten Gebäude aus dem Jahr 1770; die Ausstattung stammt von 1840. Sie wurde in den Jahren 2007-2008 umfassend saniert.

Link: Lycée Jean-Baptiste-Corot: Le Centre de Documentation et d’Information

Noyon: La Bibliothèque du Chapitre

Noyon: La Bibliothèque du Chapitre
Librairie_du_chapitre_ de_Noyon_r Ort: Noyon (Frankreich)
Art: Kathedralbibliothek
Baustil: Spätmittelalter
Fertiggestellt/Eröffnet: 1506
Verlag: J. Masson
Signatur: 10
Gelaufen: 1901

Die Bibliothek der Kathedrale Notre-Dame von Noyon ist eine der wenigen erhaltenen mittelalterlichen Bibliotheken Frankreichs. Das im rechten Winkel zur Kathedrale stehende Gebäude wurde 1506 erbaut, am Übergang von Mittelalter zur Renaissance und drei Jahre, bevor in Noyon der Reformator Johannes Calvin geboren wurde. Die aus Holz gebaute rechteckige Bibliothek misst 23 x 5 Meter und ruht auf einer doppelten Reihe von zehn hölzernen Säulen bzw. Pfosten. Das Erdgeschoss bildete dadurch einen offenen überdachten Raum. Diese Bauweise war vermutlich gewählt worden, um die Bücher vor Feuchtigkeit zu schützen und fand sich ganz ähnlich bei der 1757 abgerissenen Bibliothek der Kathedrale von Lichfield in England. Einer lokalen Tradition zufolge wurde das Erdgeschoss in früheren Zeiten als Markthalle genutzt. Im 19. Jahrhundert wurde der Raum zwischen den Säulen aus Sicherheitsbedenken zugemauert – der Zustand ist auf dieser Karte zu sehen. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde bei einer Sanierung der ursprüngliche Zustand mit dem offenen Erdgeschoss wiederhergestellt. Der Bibliothekssaal war ursprünglich als Pultbibliothek mit angeketteten Büchern gestaltet. Als mit der Verbreitung des Buchdrucks die Bestände wuchsen, wurde der Raum im Jahr 1675 mit Wandregalen versehen, um mehr Bücher unterbringen zu können. Die Bibliothek ist heute nur mit einer Sondergenehmigung zugänglich. Ihr größter Schatz, das Evangeliar von Morienval aus dem 9. Jahrhundert, befindet sich jedoch im Rathaus von Noyon und kann im Rahmen von Führungen besichtigt werden.

Literatur: André Masson: La „librairie“ du chapitre de Noyon et l’architecture des bibliothèques françaises à la fin du Moyen Âge“ (Bulletin des bibliothèques de France, 1957, n° 2, pp. 95-110)

Abbeville: Bibliothèque municipale

Abbeville: Bibliothèque municipale
Abbeville_Bibliotheque_municipale_r Ort: Abbeville (Frankreich)
Art: Öffentliche Bibliothek
Fertiggestellt/Eröffnet: 1880
Person: Arthur d’Émonville
Verlag: Lévy Fils & Cie.
Signatur: 60
Bemerkung: Briefmarke bildseitig
Gelaufen: 1908

Im Stadtzentrum von Abbeville befindet sich auf dem Gelände eines ehemaligen Benediktinerklosters der Parc d’Émonville. Er geht zurück auf Arthur Foucques d’Émonville (1809-1880), einen Amateurbotaniker und Sammler von Kamelien, der das Gelände im Jahr 1861 in einen englischen Landschaftsparks umwandelte und ein Herrenhaus im Stil der Neorenaissance errichten ließ. Da er keine Nachkommen hatte, wurde das Anwesen im Jahr 1880 von der Stadt Abbeville erworben, die im Herrenhaus ein Museum und im Nebengebäude eine öffentliche Bibliothek einrichtete. Seit 1964 befindet sich die Bibliothek im Hauptgebäude.

Link: Hôtel et parc d’Émonville

Amiens: Bibliothèque Louis Aragon

Amiens: Bibliothèque Louis Aragon
Amiens Bibliotheque Louis Aragon r Ort: Amiens
Art: Öffentliche Bibliothek
Baustil: Klassizismus
Architekt: François-Auguste Cheussey
Fertiggestellt/Eröffnet: 1823
Verlag: Edition E. Harmignies
Signatur: 23
Datierung (Karte): ca. 1920er Jahre

Das klassizistische Gebäude wurde 1823 von dem Architekten François-Auguste Cheussey erbaut. Es sollte die umfangreichen Bestände aufnehmen, die der Stadt im Zuge der Enteignung von Klöstern während der Französischen Revolution zugefallen waren. (Ein erster Plan hatte vorgesehen, zu diesem Zweck das Rathaus um ein Stockwerk zu erhöhen). Die Bibliothek ist eine der ältesten öffentlichen Bibliotheken Frankreichs. Die Büste im Vordergrund zeigt den Bürgermeister von Amiens, Frédéric Petit (1836-1895). Sie stammt von dem Bildhauer Albert Roze und wurde 1897 aufgestellt. Im Jahr 1900 wurde das Hauptgebäude der Bibliothek um zwei Flügel erweitert. Heute trägt die Bibliothek den Namen des französischen Dichters und Schriftstellers Louis Aragon.

Link: Historique des bibliothèques

Schloss Chantilly

Bibliothek von Schloss Chantilly
schloss chantilly r Ort: Chantilly
Art: Privatbibliothek
Fertiggestellt/Eröffnet: 1877
Person: Henri d’Orléans, duc d’Aumale (1822-1897)
Verlag: Editions d’art Yvon
Signatur: 14
Datierung (Karte): nach 1919

Das Schloss wurde um 1560 für den Pair und Marschall von Frankreich, Anne de Montmorency, im Stil der französischen Renaissance erbaut. Während das große Schloss in der Französischen Revolution weitgehend zerstört und im 19. Jahrhundert wiederaufgebaut wurde, ist das kleine Schloss heute unverändert erhalten. Hier ließ der Herzog von Aumale, ein Kunstsammler und Bibliophile, 1876-77 die Bibliothek einrichten. Der Raum wurde bewusst nüchtern gehalten, um die Bücher in ihren verschiedenen Einbänden besser zur Geltung zu bringen. Glanzstück der Sammlung Aumales ist das berühmte Stundenbuch des Herzogs von Berry („Très Riches Heures“) aus dem 15. Jahrhundert.