Wien: Wohnhausanlage Sandleitenhof

Wien Wohnhausanlage Sandleitenhof Arbeiterbibliothek
Wien Wohnhausanlage Sandleitenhof Arbeiterbibliothek r Ort: Wien (Österreich)
Art: Öffentliche Bibliothek
Fertiggestellt/Eröffnet: 1928
Fotograf: Martin Gerlach
Datierung (Foto): 1928/29

Als Rotes Wien wird in der Geschichte Wiens die Zeit von 1919 bis 1934 bezeichnet, in der sich die sozialdemokratische Stadtverwaltung neben Reformen in der Sozial-, Gesundheits- und Bildungspolitik auch umfangreichen sozialen Wohnbauprojekten widmete. So entstanden in dieser Zeit mehr als 60.000 Wohnungen in Gemeindebauten wie zum Beispiel dem bekannten Karl-Marx-Hof in Döbling. Die größte kommunale Wohnhausanlage aus dieser Zeit ist der Sandleitenhof in Wien-Ottakring, einem typischen Arbeiterbezirk. Er wurde als Stadt in der Stadt konzipiert und umfasste neben Wohnungen und Geschäften auch Gemeinschaftseinrichtungen, darunter ein Kindergarten sowie die Volksbibliothek. Sie galt als architektonisch anspruchvollste der sog. Arbeiterbüchereien. Deren Anspruch an Kultur und Bildung als Mittel „zur Befreiung der Arbeiterklasse“ wird in dem Zitat deutlich, das an der Wand über der Bücherausgabe zu sehen ist. Es stammt von dem sozialdemokratischen Arbeiterführer Franz Schuhmeier (1864-1913), der anlässlich der Eröffnung der Jugendbibliothek im Arbeiterheim Ottakring 1910 gesagt hatte „Wir wissen, dass sich die Macht der besitzenden Klassen zum großen Teil auch auf Bücher stützt. Auch wir wollen uns der Bücher bedienen. Bücher haben uns in die Sklaverei gebracht, Bücher werden uns befreien.“ Die Bibliothekarinnen und Bibliothekare arbeiteten oft ehrenamtlich und sahen ihre Arbeit als politisches Engagement an. Nach den Februarkämpfen 1934 kam die Arbeit der Büchereien zum Erliegen, 1936 wurden sie von der Stadt Wien übernommen.

Das Foto stammt von dem Fotografen Martin Gerlach junior (1879-1944), der durch seine Architekturfotografien in der Zwischenkriegszeit bekannte wurde und im Auftrag der Stadt Wien zahlreiche kommunale Wohnhausbauten dokumentierte.

Link: Wohnhausanlage Sandleiten
Link: Das Rote Wien – Arbeiterbüchereien

Göteborg: Volksbibliothek

Göteborg: Volksbibliothek (Hans Hedlund 1897)
Göteborg Volksbibliothek_r Ort: Göteborg (Schweden)
Art: Öffentliche Bibliothek
Baustil: Jugendstil / Neoromanik
Architekt: Hans Hedlund
Fertiggestellt/Eröffnet: 1897
Person: James Dickson
Verlag: Axel Stiberg & Co.
Datierung (Karte): ca. 1900-1910

Die erste öffentliche Bibliothek der Stadt Göteborg wurde 1861 in dem Arbeiterviertel Haga eröffnet. Sie geht auf eine Stiftung des schottisch-schwedischen Industriellen und Philanthropen James Jameson Dickson (1815–1885) zurück. 1897 bezog die Bibliothek einen Neubau in der Södra Allégatan (heute Allégården). Das Gebäude enthält Elemente des Jugendstils und der Neoromanik und war das erste für eine öffentliche Bibliothek erbaute Gebäude Schwedens. Der Architekt Hans Hedlund orientierte sich an dem amerikanischen Architekten Henry Hobson Richardson („Richardsonian Romanesque“). Seit 1902 hieß das Gebäude„Dicksonska folkbiblioteket“ (Dicksons’sche Volksbibliothek). Im Jahr 1967 zog die Bibliothek in ein neues Gebäude am Gotaplatsen um. In dem ehemaligen Gebäude der Volksbibliothek wurde 1970 ein progressives Kulturzentrum eröffnet (Hagahuset). Als es nach Konflikten zu einer Schließung des Hagahuset kam, besetzten Jugendliche das Gebäude, bis die Polizei die Besetzung im November 1972 auflöste. Heute ist es unter dem Namen „Allégården“ bekannt und wird für verschiedene Veranstaltungen genutzt. 2019 wurde es umfassend renoviert.

Der Architekt Hans Hedlund (1855-1931) war übrigens ein Neffe des Zeitungsverlegers und Politikers Sven Adolf (S. A.) Hedlund, der eine wichtige Rolle bei der Gründung der Universität und des Stadtmuseums von Göteborg spielte. Ein schönes Porträt von ihm findet sich in dem sehr empfehlenswerten Blog „Tokens of Companionship – Portraits from the first 100 years of photography“.

Link: Allégården återfår sin forna glans

Figueres: Biblioteca Popular

Figueres: Biblioteca Popular (Public Library)
Figueres_Biblioteca_Popular_r Ort: Figueres (Spanien)
Art: Öffentliche Bibliothek
Baustil: Noucentisme
Architekt: Ricard Giralt i Casadesús
Fertiggestellt/Eröffnet: 1922
Fotograf: J. Tort
Datierung (Karte): ca. 1920er Jahre

Zu Beginn des 20 Jahrhunderts wurde in Katalonien ein Netz von Volksbibliotheken nach dem Vorbild der USA und Großbritanniens geschaffen. Dies geschah vor dem Hintergrund des „Katalanismus“ – einer kulturellen und politischen Strömung, die auf eine stärkere Eigenständigkeit Kataloniens abzielte. Die 1914 gegründete „Manocomunitat de Catalunya“ („Commonwealth of Catalonia“), eine Verwaltungsgemeinschaft von vier katalanischen Provinzen, die vor allem auf dem Gebiet der Kulturpolitik tätig war, beauftragte den Schriftsteller und Intellektuellen Eugeni d’Ors mit der Leitung des Projekts. Die Volksbibliotheken sollten ursprünglich von dem modernistischen Architekten Josep Azemar Pont entworfen werden, der jedoch 1914 bei einem Unfall ums Leben kam. Daraufhin wurde das Projekt an Ricard Giralt i Casadesús vergeben, einen Vertreter des Noucentisme (der katalanischen Form des Neoklassizismus). Der Grundstein für die Bibliothek in Figueres wurde im Dezember 1918 auf einem Grundstück an der Carrer Ample gelegt, wo sich früher ein Gefängnis befunden hatte. 1922 wurde das Gebäude fertiggestellt. 1969 wurde sie nach dem Dichter und Journalisten Carles Fages de Climent (1902-1968) benannt; 2000 bezog sie ein neues Gebäude an der Plaça del Sol. Das alte Gebäude der Bibliothek beherbergt heute das Stadtarchiv (Arxiu Històric Municipal de Figueres).

Link: La biblioteca popular

Eger: Kreuzingersche Volksbücherei

Cheb (Eger): Kreuzingersche Volksbücherei
Cheb Eger Kreuzingersche Volksbücherei r Ort: Cheb (Eger)
Art: Öffentliche Bibliothek
Baustil: Jugendstil
Architekt: Max Loos
Fertiggestellt/Eröffnet: 1911
Person: Dominik Kreuzinger (1856-1903)
Verlag: Josef Zimmermann, Eger
Signatur: 324/1049
Gelaufen: 1910

Die Volksbücherei in Cheb (Eger) verdankt ihr Entstehen dem Industriellen Dominik Kreuzinger (1856-1903). Aus dem Handwerk in die führende Schicht der Stadt Eger aufgestiegen, wurde er 1899 Eigentümer der Maschinenfabrik M. Fischer. Kreuzinger starb 1903 auf einer Bildungsreise in Italien; in seinem Testament hatte er der Stadt eine erhebliche Summe zum Bau einer Volksbibliothek vermacht. Diese wurde in den Jahren 1909-1910 nach Plänen des deutsch-böhmischen Architekten Max von Loos erbaut und 1911 eröffnet; sie wurde bald zu einem kulturellen Mittelpunkt der Stadt. Der Bau erinnert an eine Jugendstil-Villa. Während die Fassade mit stilisierten pflanzlichen Ornamenten verziert ist, ist das Innere eher schlicht gehalten, es enthält neben einem großen Lesesaal auch einen Vortragssaal für 300 Zuhörer. Das Gebäude wurde bewusst auf einem nach allen Seiten hin offenen Grundstück erbaut, um einen optimalen Lichteinfall zu ermöglichen. Vor einigen Jahren wurde die Bibliothek renoviert.

Link: Enzyklopädie der Stadt Cheb – Die Volksbücherei