London: British Museum, Lesesaal

London: British Museum Reading Room

London British Museum Reading Room r

Ort: London
Art: Wissenschaftliche Universalbibliothek
Baustil: Klassizismus
Architekt: Sidney Smirke
Fertiggestellt/Eröffnet: 1857
Verlag: The Muchmore Art Co.
Datierung (Karte): um 1910

Der Hauptlesesaal der British Library befand sich bis 1997 im Innenhof des British Museum. Er wurde in den Jahren 1854-1857 nach Plänen des Architekten Sidney Smirke erbaut. Technologisch auf der Höhe der Zeit wurde der runde, von einer Kuppel überwölbte Raum, zu dessen Vorbildern das Pantheon in Rom zählte, bald zu einer Sehenswürdigkeit. Er stand nur Forschern offen, zu seinen berühmten Benutzern gehörten zum Beispiel Karl Marx, Lenin, Arthur Conan Doyle und Virginia Woolf. Heute befinden sich die Bestände im Neubau der British Library in St Pancras, der ehemalige Lesesaal wird vom British Museum u.a. für Ausstellungen genutzt.

Die Karte wurde von dem Verlag The Muchmore Art Co. herausgegeben. Diese Firma hatte ihren Sitz in der Great Russell Street in Bloomsbury, nur „drei Türen vom British Museum“ entfernt. Sie war auf Bilderrahmen spezialisiert, führte aber auch ein breites Sortiment an Gemälden, Drucken, Antiquitäten, Reproduktionen von Kunstwerken und Ansichtskarten.

Link: Francesca Hillier: The Round Reading Room at the British Museum

London: Camberwell Central Library

London Camberwell Central Library Peckham Road

London Camberwell Central Library Peckham Road r

Ort: London
Art: Öffentliche Bibliothek
Baustil: Jakobethanischer Stil
Architekt: Robert P. Whellock
Fertiggestellt/Eröffnet: 1893
Person: George Livesey
Herausgeber: W. Greening, Denmark Hill
Datierung (Karte): ca. 1910

Die Central Library in der Peckham Road in Camberwell, einem Londoner Stadtteil in Southwark, wurde am 9. Oktober 1893 vom Prince of Wales, dem späteren König Eduard VII., eröffnet. Sie verdankt ihr Entstehen dem Industriellen und Philanthropen George Livesey (1834-1908), dem Vorsitzenden der South Metropolitan Gas Company. Livesey, engagierter Verfechter der Abstinenzbewegung, Sonntagsschullehrer und Förderer zahlreicher Kirchengemeinden, hatte bereits die erste öffentliche Bibliothek in Camberwell finanziert. Diese war 1890 in der Old Kent Street für die Arbeiter des gegenüberliegenden Gaswerks eröffnet worden, stand aber auch den anderen Arbeitern Camberwells zur Benutzung frei. Wegen des großen Erfolgs der öffentlichen Bibliotheken – von 1890 bis 1893 waren an den vier Standorten in Camberwell rund eineinhalb Millionen Bücher ausgeliehen worden – wurde 1893 die Central Library in der Peckham Road eröffnet. Der Entwurf für das Gebäude stammte von dem Architekten Robert P. Whellock, der bereits die Bibliothek in der Old Kent Road entworfen hatte. Das freistehende Gebäude (rechts im Bild) im Stil der Jakobinischen Architektur („Jacobethan“) bestand aus zwei symmetrischen Gebäudeteilen, die einen Uhrenturm mit offenen Arkaden flankierten. Im Erdgeschoss befanden sich die Ausleihe, Zeitungs- und Zeitschriftenleseräume sowie eine Präsenzbibliothek; hinter dem Gebäude schloss sich ein öffentlich zugänglicher Garten an. Bei der Eröffnung enthielt die Bibliothek rund 20.000 Bücher und bot Platz für weitere 60.000. Im Jahr 1944 wurde sie bei einem Luftangriff zerstört. Nach jahrzehntelangen Provisorien wurde 2015 am Camberwell Green ein Neubau eröffnet, der für heftige Kontroversen gesorgt hatte, da ihm eine Grünfläche – der Camberwell Green Orchard – weichen musste.

Link: Abbildung in: The Building News and Engineering Journal, Band 65, 08.09.1893

London: National Liberal Club

London: National Liberal Club, Gladstone Library

London National Liberal Club Library r

Ort: London
Baustil: Neorenaissance
Architekt: Alfred Waterhouse
Fertiggestellt/Eröffnet: 1887
Person: William Ewart Gladstone
Signatur: H.93
Datierung (Karte): ca. 1920er Jahre

Der National Liberal Club ist ein Gentlemen’s Club in London, der 1882 von dem liberalen Politiker William Ewart Gladstone gegründet wurde. An prominenter Stelle in Whitehall wurde 1884-1887 ein repräsentatives Gebäude im Stil der Neorenaissance erbaut, es ist eines der Hauptwerke des Architekten Alfred Waterhouse, der selbst Mitglied der Liberal Party war. Waterhouse entwarf auch die Inneneinrichtung, die von gußeisernen, mit Keramik verkleideten Säulen geprägt ist. Das Gebäude war das erste in London, das einen Aufzug enthielt und vollständig elektrisch beleuchtet wurde. Zu den ursprünglichen Zielen des Clubs gehörte auch die Einrichtung einer Bibliothek, die nach Gladstone benannt wurde und über 30.000 Bände vorwiegend politischer Literatur enthielt. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Gebäude bei einem Luftangriff getroffen und schwer beschädigt; der Wiederaufbau bedeutete eine schwere finanzielle Belastung für den Club. Die 1970er Jahre brachten eine Phase des Niedergangs, deren skuriller Höhepunkt war, dass die Leitung einem vermeintlichen kanadischen Millionär übertragen wurde, der sich jedoch als Hochstapler herausstellte. Er verkaufte 1977 die Gladstone Library für den Spottpreis von 40.000 Pfund an die Universität Bristol. In den 1980er Jahren verkaufte der Club etliche Räume an das benachbarte Royal Horseguards Hotel, darunter auch den Raum der Gladstone Library, der heute mit Buchattrappen bestückt ist und für Veranstaltungen gebucht werden kann.

Link: Peter Harris: A meeting place for Liberals. In: Journal of Liberal History, 51 (2006)

London: St Paul’s Cathedral Library

London: St Paul's Cathedral, Library of Dean and Chapter
London_St_Pauls_Cathedral_Library_r Ort: London
Art: Kathedralbibliothek
Baustil: Barock
Architekt: Christopher Wren
Fertiggestellt/Eröffnet: 1709
Datierung (Karte): ca. 1910-20

Die Bibliothek der St Paul’s Cathedral („Library of Dean and Chapter“) befindet sich auf Höhe des Triforiums in einem Raum hinter dem Süd-Westturm, der, ebenso wie die Kathedrale selbst, von Sir Christopher Wren (1632-1722) entworfen und 1709 fertiggestellt wurde. (Christopher Wren war übrigens nicht nur Architekt, sondern auch Astronom). Der Raum stand zu Anfang jedoch weitgehend leer, da die Bestände der Bibliothek beim Großen Brand von London im Jahr 1666 fast vollständig zerstört worden waren. Der Bibliotheksraum wurde in den Folgejahren systematisch mit neuen Büchern bestückt, darunter im Jahr 1712 eine Spende von ca. 2000 Bänden von Henry Compton, Bischof von London. (Henry Compton war übrigens nicht nur Bischof, sondern auch Botaniker). Auf der Karte ist ein Architekturmodell zu sehen, das offenbar die obere Kolonnade der Westfassade mit dem darüber liegenden Giebel zeigt. In dem Giebel befindet sich ein Relief, das die Bekehrung des Paulus darstellt. Die Bibliothek stand ursprünglich nur dem Dekan und Kapitel von St. Paul zur Verfügung, kann heute jedoch von Forschern benutzt sowie im Rahmen der „Triforium Tour“ besichtigt werden. Im Moment ist sie jedoch aufgrund von Renovierungsarbeiten bis voraussichtlich Sommer 2020 geschlossen. Der gegenwärtige Bibliothekar hat übrigens einen für eine Bibliothek nicht unpassenden Nachnamen, er heißt Joseph Wisdom!

Literatur: Arthur Dimock: The Cathedral Church of Saint Paul. An Account of the Old and New Buildings with a Short Historical Sketch

London: Merchant Taylors’ School

London: Merchant Taylors’ School - Library
London Merchant Taylors School Library r Ort: City of London
Art: Schulbibliothek
Baustil: Neogotik
Architekt: Edward I’Anson
Fertiggestellt/Eröffnet: 1875
Verlag: P. A. Buchanan & Co, Croydon
Fotograf: Percy Alex Buchanan
Datierung (Karte): ca. 1910-1920

Die Merchant Taylors’ School ist eine Jungenschule und eine der neun Schulen im Vereinigten Königreich, die im Public Schools Act von 1868 genannt werden. Sie wurde im Jahr 1561 von dem Londoner Bürgermeister und Textilhändler Thomas White gegründet, auf den auch die Gründung des St John’s College in Oxford zurückgeht. Thomas White war ein einflussreiches Mitglied der Gilde der Schneider (Worshipful Company of Merchant Taylors), einer der zwölf großen Londoner Gilden, nach der die Schule benannt ist. Ursprünglich befand sie sich in einem alten Stadtpalais in der Suffolk Lane in der Pfarrei St Lawrence Pountney (City of London), das den Namen „Manor of the Rose“ trug und im Historiendrama „Heinrich VIII“ von Shakespeare kurz erwähnt wird. Nachdem dieses Gebäude beim Großen Brand von London im Jahr 1666 komplett zerstört worden war, bezog die Schule 1675 einen Neubau an derselben Stelle (Architekt: Robert Hooke). Dieses Gebäude war Mitte des 19. Jahrhunderts in schlechtem Zustand und zu klein geworden, so dass die Company of Merchant Taylors ein Grundstück in der Goswell Street am Charterhouse Square erwarb und dort ein neues, größeres Schulgebäude errichtete, das 1875 eingeweiht wurde. Der Architekt war Edward I’Anson (1812-1888), der selbst die Merchant Taylors’ School besucht hatte. Die Schule blieb bis 1933 in diesem neogotischen Gebäude, dann zog sie – da die Innenstadt von London als zu verstopft und schmutzig für die Schule angesehen wurde – in das Umland nach Sandy Lodge (zwischen Ruislip, Northwood und Rickmansworth). Das alte Schulgebäude in der Goswell Street wurde an das St Bartholomew’s Hospital verkauft und existiert heute in stark veränderter Form.

Link: Merchant Taylors‘ School – Building  From 1875  to 1933

London: Lewisham – Forest Hill Public Library

London Lewisham Forest Hill Public Library
london_lewisham_forest_hill_public_library_r Ort: London
Art: Öffentliche Bibliothek
Baustil: Arts and Crafts Movement
Architekt: Alexander Hennell
Fertiggestellt/Eröffnet: 1901
Verlag: Stengel & Co.
Signatur: 14356
Datierung (Karte): um 1901

Die Öffentliche Bibliothek von Forest Hill, einem Distrikt im Londoner Stadtteil Lewisham, wurde 1901 von dem Architekten Alexander Hennell erbaut. Sie weist eine interessante Fassade mit Elementen des Jugendstils bzw. des „Arts and Crafts Movement“ auf: einen die ganze Front des Gebäudes einnehmenden Terrakottafries mit knieenden Cherubim und den Schriftzug „Public Library“, ebenfalls in Terrakotta. English Heritage attestierte dem Architekten ein „Talent für den eigenwilligen Einsatz verschiedener architektonischer Motive“ („skill for quirky use of a variety of architectural motifs“). Das Gebäude wurde vor einigen Jahren renoviert, wobei die Innenräume komplett verändert wurden. Rechts im Bild ist ein Teil von „Louise House“ zu sehen, einer Mädchenschule, die der polnische Pädagoge Janusz Korczak im Jahr 1911 besuchte.

Link: Forest Hill Public Library
Link: Sydenham and Forest Hill Local History – Louise House, Dartmouth Road

London: House of Lords Library

London: Palace of Westminster - House of Lords Library (Queens Room)
house of lords r Ort: London
Art: Parlamentsbibliothek
Baustil: Neogotik
Architekt: Charles Barry
Fertiggestellt/Eröffnet: 1848
Verlag: London Stereoscopic Co. Ltd.
Datierung (Karte): 1901-1910

Die Bibliothek des Britischen Oberhauses wurde 1826 gegründet. Im Westminster Palast wurde dafür von dem Architekten John Soane (1753-1837) ein Raum eingerichtet. 1848 bezog die Bibliothek vier Räume in dem von dem Architekten Charles Barry neuerrichteten neogotischen Palast. Um 1893 wurde in der Bibliothek elektrisches Licht eingeführt, da die bisherige Gasbeleuchtung Schäden an den Ledereinbänden verursacht hatte. Der Bestand erfuhr zu Beginn des 20. Jahrhunderts eine erhebliche thematische Erweiterung, als der Literaturkritiker und Bibliophile Edmund Gosse Direktor war. Der “Queens Room” bildet heute den Mittelpunkt der House of Lords Library, hier finden sich die elektronischen Kataloge.

Link: The House of Lords Library

London: Guildhall Library

London: Guildhall Library
guildhall_r Ort: London
Art: Ratsbibliothek
Baustil: Neogotik
Architekt: Horace Jones
Fertiggestellt/Eröffnet: 1872
Verlag: Oxford University Press
Datierung (Karte): 1911-1920 (ca.)

Die Guildhall war jahrhundertelang das Rathaus der City of London. Eine erste Bibliothek wurde bereits im 15. Jahrhundert durch den Bürgermeister Richard Whittington gegründet und enthielt angekettete theologische Manuskripte. Bald jedoch verlor sie ihren gesamten Bestand, als sich der Herzog von Somerset, Lord Protector von England, im Jahr 1549 die Werke für private Zwecke aneignete. 1828 wurde die Bibliothek von der City of London Corporation neu gegründet, der Schwerpunkt lag auf Londoner Stadtgeschichte. Als die Sammlung wuchs, wurde in den Jahren 1868 bis 1872 ein angrenzendes neues Gebäude für die nun der Öffentlichkeit zugängliche Bibliothek erbaut. Der Architekt des neogotischen Baus (Perpendicular Style) war Horace Jones (1819-1887), dessen bekanntestes Werk die Tower Bridge ist. Im Jahr 1974 zog die Bibliothek in den Westflügel der Guildhall um, heute wird der Saal für Bankette genutzt.

Link: History of Guildhall Library