Colmar: Oberlandesgericht

Colmar: Oberlandesgericht, Bibliothek
Colmar_Oberlandesgericht_Bibliothek_r Ort: Colmar (Frankreich)
Art: Gerichtsgebäude
Baustil: Neobarock
Architekt: Richard Kuder und Joseph Müller
Fertiggestellt/Eröffnet: 1906
Verlag: Vereinigte Kunstdruckereien Metz & Lautz, Darmstadt
Signatur: VI 6338
Gelaufen: 1919

Colmar, heute Hauptstadt des französischen Départements Haut-Rhin in der Region Grand Est, war von 1871 bis 1918 Teil von Elsaß-Lothringen, das nach dem Deutsch-Französischen Krieg mit dem Frieden von Frankfurt dem neu gegründeten deutschen Kaiserreich angegliedert wurde. 1871 wurde das kaiserliche Oberappellationsgericht Colmar eingerichtet, das 1877 in das Oberlandesgericht Colmar umgewandelt wurde. Im Jahr 1900 entschied man sich, ein neues repräsentatives Gerichtsgebäude zu erbauen. Das vorherige Gebäude an der Place du Marché-aux-Fruits war in schlechtem baulichen Zustand und zu klein geworden, außerdem hatte es den Nachteil, dass der Dachboden an Wäscherinnen und der Keller an Winzer vermietet wurde, was zur Folge hatte, dass von der zum Trocknen aufgehängten Wäsche Wasser von der Decke tropfte und die Richter im Herbst vom Most- und Alkoholgeruch gestört wurden. Für den Neubau stellte die Stadt ein Grundstück am Hohlandsbergwall (heute Avenue Raymond-Poincaré) zur Verfügung, auf dem sich zuvor ein Versuchsweinberg der Wein- und Gartenbaugesellschaft befunden hatte. Die Ausschreibung, die nur deutschen Architekten zugänglich war, gewannen die Architekten Kuder und Müller, die sich für einen neobarocken Bau entschieden (laut Ausschreibung durfte der Baustil „in keinem Falle gothisch sein“). 1902 wurde mit den Arbeiten begonnen, der Bau 1906 fertiggestellt. Architektonisch weist er Anklänge an Schloss Belvedere in Wien auf. Als nach Ende des Ersten Weltkrieges Colmar zusammen mit dem übrigen Elsass wieder ein Teil von Frankreich wurde, wurde das Gebäude Sitz des Cour d’appel de Colmar. Die Bibliothek befindet sich im zweiten Stock, der Raum wird gegenwärtig für Tagungen und Seminare genutzt.

Link: Archi-Wiki: Cour d’appel de Colmar

Santiago de Chile: Nationalbibliothek

Santiago de Chile: Nationalbibliothek (ca. 1900)
Santiago_de_Chile_Nationalbibliothek_r Ort: Santiago de Chile
Art: Nationalbibliothek
Architekt:  Juan José Goycolea
Fertiggestellt/Eröffnet: 1807/1886
Person: Andrés Bello
Verlag: Carlos Brandt
Signatur: 760
Datierung (Karte): vor 1910
Datierung (Foto): vor 1906

Die Nationalbibliothek von Chile wurde 1813 gegründet, in der ersten Phase des Chilenischen Unabhängigkeitskriegs, die als „Patria Vieja“ (Altes Vaterland) bezeichnet wird. Auf der Karte ist das Gebäude zu sehen, in dem die Bibliothek zwischen 1886 und 1925 untergebracht war. Dieses Gebäude an der Ecke Calle Compañía und Bandera war gegen Ende der Kolonialzeit als königlicher Gerichtshof („Real Tribunal del Consulado“) erbaut und 1807 eröffnet worden. Am 18. September 1810 wurde hier die Junta gegründet, die den Prozess der Unabhängigkeit Chiles einleitete. Später diente es als Sitz des Nationalkongresses. 1925 wurde es im Rahmen der Erweiterung des Justizpalastes abgerissen. Links im Bild sieht man die Statue von Andrés Bello (1781-1865), dem Gründer und ersten Rektor der chilenischen Nationaluniversität (Universidad de Chile); sie befindet sich heute vor dem Hauptgebäude der Universität. Seit 1925 befindet sich die Nationalbibliothek in einem Gebäude des Architekten Gustavo García an der Avenida Libertador General Bernardo O’Higgins (Alameda).

Link: Geschichte der Nationalbibliothek von Chile (span.)
Link: Palacio del Real Tribunal del Consulado de Santiago (span.)