Erfurt: Bibliothek im Martinsstift

Erfurt: Bibliothek im Martinsstift
Erfurt_Bibliothek_im_Martinsstift_r Ort: Erfurt
Art: Gelehrtenbibliothek
Fertiggestellt/Eröffnet: 19. Jahrhundert / 1890
Person: Karl Reinthaler
Signatur: 6762
Datierung (Karte): um 1910

Bekanntlich lebte Martin Luther von 1505 bis 1511 als Mönch im Augustinerkloster Erfurt. Nach der Säkularisierung des Klosters im Jahr 1559 wurden die ehemaligen Klostergebäude bis 1820 vom Evangelischen Ratsgymnasium genutzt, bevor im Jahr 1821 die „Anstalt zur Besserung und Erziehung sittlich verwahrloster Kinder“ – kurz Martinsstift – einzog. Der Religionspädagoge Karl Reinthaler (1794-1863), Gründer und Rektor des Martinsstifts, war selbst Schüler des Ratsgymnasiums gewesen und war 1818 Johannes Daniel Falk begegnet, dessen Lutherhof in Weimar ihn zur Gründung des Martinsstifts anregte. Diese Gründungen stehen im Zusammenhang mit der sog. Rettungshausbewegung, einer im Pietismus wurzelnden sozialen Bewegung. Karl Reinthaler, ein Verehrer von Matin Luther, trug in über 40 Jahren eine reichhaltige Bibliothek aus reformationsgeschichtlichen Drucken und Handschriften zusammen. Nach seinem Tod wurde diese Sammlung jedoch nicht weitergeführt und „verstaubte in einer Dachkammer des Klosters“. Dort entdeckte sie der altlutherische Pastor und Lutherforscher Carl Georg Oergel (1840-1907) und sorgte dafür, dass die Reformationsdrucke 1890 in einem restaurierten Raum im westlichen Teil des Augustinerklosters, der sog. „Martinskammer“, untergebracht und der wissenschaftlichen Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurden. Bei der Verfassung eines Katalogs dieser Bestände entdeckte man eine bisher unbekannte Schrift des Humanisten Helius Eobanus Hessus. Von den ursprünglich 4500 Bänden waren nach dem Zweiten Weltkrieg noch 1402 erhalten, diese gingen nach der Auflösung des Martinsstifts 1949 in die Bibliothek des Evangelischen Ministeriums über.

Link: Die Bibliothek des Evangelischen Ministeriums im Augustinerkloster Erfurt

Erfurt: Stadtbücherei

Stadtbücherei Erfurt - Erfurter Waage
Stadtbücherei Erfurt - Erfurter Waage r Ort: Erfurt
Art: Öffentliche Bibliothek
Verlag: Keysersche Buchhandlung
Signatur: 10 67675
Datierung (Karte): ca. 1908-1910

Die heutige Stadt- und Regionalbibliothek Erfurt blickt auf eine lange und vielschichtige Geschichte zurück. Mehrere Bibliotheken sind in sie eingeflossen, darunter die Wissenschaftliche Bibliothek der Stadt Erfurt, die wiederum auf die 1407 gegründete Universitätsbibliothek und auf zahlreiche kirchliche und Privatbibliotheken zurückgeht. 1768 bezog sie das markante Gebäude der „Erfurter Waage“ am Anger, ein in den Jahren 1706 bis 1712 als kurmainzischer Pack- und Waagehof erbautes fränkisch beeinflusstes Barockgebäude (Auf dieser Karte zu sehen). Ab 1908 nannte sie sich „Stadtbücherei“. 1935 zog die Bibliothek aus der Alten Waage, die sie sich lange Zeit mit dem Museum teilte, aus und bezog im Jahr darauf das Collegium Maius, das ehemalige Hauptgebäude der Alten Universität Erfurt. Das rekonstruierte Collegium Maius ist heute Sitz des Landeskirchenamts der EKM, die „Alte Waage“ am Anger beherbergt das Angermuseum – und die Bibliothek befindet sich seit 1966 im Haus „Zum Goldenen Einhorn“ am Domplatz.

Link: Handbuch der historischen Buchbestände: Stadt- und Regionalbibliothek Erfurt