Havanna: Universitätsbibliothek

Havanna Universitätsbibliothek b

Havanna Universitätsbibliothek r

Ort: Havanna, Kuba
Art: Hochschulbibliothek
Baustil: Internationaler Stil / Art déco
Architekt: Joaquín Weiss
Fertiggestellt/Eröffnet: 1936
Datierung (Karte): 1936-42

Die Universität von Havanna wurde 1728 als „Königlich Päpstliche Universität“ gegründet. Die Erlaubnis dazu hatten Papst Innozenz XIII. und König Philipp V. von Spanien erteilt, Schutzpatron war der Heilige Hieronymus. Die Universität ist die drittälteste Lateinamerikas. 1842 wurde sie in eine weltliche Bildungseinrichtung umgewandelt. Sie hatte ihren Sitz zunächst in einem ehemaligen Dominikanerkonvent in der Altstadt von Havanna. 1902 zog sie in den Stadtteil Vedado im Westen der Stadt, der heute das moderne Zentrum Havannas bildet. Auf einer leichten Erhebung, dem sog. Aróstegui-Hügel, entstanden repräsentative Gebäude im klassizistischen Stil. Die später hinzugekommene Bibliothek weist als einziges Gebäude der Universiät Stilmerkmale des Art déco auf. Mit dem Bau wurde 1936 begonnen, ein Jahr darauf wurde sie eingeweiht. Der Architekt war Joaquín Emilio Weiss y Sánchez (1894-1968), Vertreter des Internationalen Stils, der an der Cornell University in Ithaca, New York studiert hatte. Der Baustil der Bibliothek wird auch als „Eklektischer Rationalismus“ bezeichnet. Auf einer Marmortafel im Vestibül befindet sich eine lateinische Inschrift aus den Tristia von Ovid: „Gratia, Musa, tibi: nam tu solacia praebes, tu curae requies, tu medicina venis“ („Danke dir, Muse, denn du bringst Trost, die Angst beruhigst du, dein Kommen ist Medizin“). 1945 schuf der kubanische Maler Domingo Ravenet in den Lünetten des Lesesaals zwei große Wandgemälde, die Szenen aus dem Prometheus-Mythos darstellen. Diese verschwanden im Jahr 1976 hinter einer Zwischendecke, seit einer umfassenden Renovierung im Jahr 2011 erstrahlen sie wieder im alten Glanz. Die Universitätsbibliothek von Havanna ist heute nach dem kubanischen Schriftsteller und Revolutionär Rubén Martínez Villena (1899-1934) benannt.

Link: Celia María González: Renace biblioteca universitaria

Cambridge: Universitätsbibliothek, Catalogue Hall

Cambridge University Library Catalogue Hall

Cambridge University Library Catalogue Hall r

Ort: Cambridge
Art: Hochschulbibliothek
Baustil: Industriearchitektur
Architekt: Giles Gilbert Scott
Fertiggestellt/Eröffnet: 1934
Datierung (Karte): ca. 1930er Jahre

Die im 15. Jahrhundert gegründete Cambridge University Library bezog 1934 ein neues Gebäude im Westen der Stadt, das von der Rockefeller-Stiftung mit finanziert und nach Plänen des einflussreichen britischen Architekten Giles Gilbert Scott (1880-1960) erbaut wurde. Dieser hatte einige Jahre zuvor die berühmte rote Telefonzelle mit Kuppeldach entworfen. Die Bibliothek ist ein sechsstöckiges Gebäude im Stil der industriellen Architektur der 1930er Jahre, das zwei Innenhöfe umschließt und von einem 48m hohen Turm überragt wird. Im ersten Stock, zentral zwischen dem großen Hauptlesesaal und zwei kleineren Lesesälen gelegen, befindet sich der Katalograum (Catalogue Hall). Bei einer Umgestaltung im Jahr 2012 verschwand der elaborierte Fußboden unter einem blauen Teppich.

Link: Cambridge University Library – A Historical Sketch by J.C.T. Oates

Nizza: Grand Séminaire

Nizza: Grand Seminaire - Bibliotheque

Nizza Grand Seminaire Bibliotheque r

Ort: Nizza (Frankreich)
Art: Priesterseminar
Architekt: Jules Febvre und Marius Déporta
Fertiggestellt/Eröffnet: 1935/36
Verlag: Hélio Le Marigny, La Seyne (Var)
Bemerkung: Kupfertiefdruck
Datierung (Karte): ca. 1930er Jahre

Im Jahr 1842 eröffnete der Bischof von Nizza, Dominique Galvano, im Stadtteil Lazaret östlich des Hafens ein kleines Seminar für die Ausbildung von Laien und zukünftigen Priestern, das sog. Parvum Seminarium et Collegium (Piccolo Seminario Collegio-Convitto Vescovile di Nizza). Das Seminar bestand aus einem Haupt- und Nebengebäude und wurde zuerst von Diözesanpriestern geleitet, bis es 1866 an die Lazaristen (Vinzentiner) übergeben wurde. In den 1880er Jahren erfolgten umfangreiche bauliche Erweiterungen, das Seminar hatte zu dieser Zeit fast 300 Studenten. Mit dem Gesetz zur Trennung von Kirche und Staat wurden die Gebäude 1907 konfisziert und den städtischen Hospizen zugewiesen. In der Folge verschlechterte sich ihr baulicher Zustand zusehends, bis der Bischof Louis-Marie Ricard sie 1928 für eine Million Francs kaufte, um dort das Grand Séminaire einzurichten. Die Architekten des Restaurierungsprojekts waren Jules Febvre und Marius Déporta. Die Einweihung des Seminars mit seiner rosa Fassade und den grünen Fensterläden erfolgte 1931, die der Bibliothek einige Jahre später. Sie sollte nicht nur den Geistlichen, sondern auch Laien offenstehen. 1966 wurde das Seminar geschlossen, die Bibliothek blieb aber als öffentliche Bibliothek (Bibliothèque diocésaine de Nice) bestehen. Die modernen Bestände befinden sich im Maison du Séminaire am Boulevard Franck Pilatte, die historischen Bestände in den Räumlichkeiten des Historischen Archivs der Diözese in der Rue Vincent Fossat. Das ehemalige Hauptgebäude des Seminars ist heute ein Hotel (Le Saint-Paul).

Link: La Bibliothèque diocésaine de Nice

Oslo: Universitätsbibliothek

Oslo Universitätsbibliothek Wilhelm Munthe

Oslo Universitätsbibliothek Wilhelm Munthe r

Ort: Oslo (Norwegen)
Art: Hochschulbibliothek
Architekt: Holger Sinding-Larsen
Fertiggestellt/Eröffnet: 1913/1933
Person: Wilhelm Munthe (1883-1965)
Verlag: Norsk Arbeide K. H.
Datierung (Foto): März 1937

Das Foto zeigt den antiken griechischen Dichter Homer (auf dem Bücherregal) sowie den norwegischen Bibliothekar und Autor Wilhelm Munthe (am Schreibtisch). Abraham Wilhelm Støren Munthe – übrigens ein Cousin des Malers Gerhard Munthe – war von 1922 bis 1953 Direktor der Universitätsbibliothek Oslo (bzw. Kristiania, wie die Stadt bis 1924 hieß.) Er war sein ganzes Berufsleben mit der Universitätsbibliothek Oslo verbunden und galt als Experte auf dem Gebiet der Bibliothekstechnik und Bibliotheksgeschichte. Er engagierte sich in zahlreichen norwegischen und internationalen Organisationen wie zum Beispiel dem Bibliophilenverein (Bibliofilklubben), dem Internationalen Bibliotheksverband (IFLA), dem norwegischen Tourismusverband sowie der norwegischen genealogischen Gesellschaft. Als er 1922 sein Amt als overbibliotekar antrat, hatte die Universitätsbibliothek gerade ein neues Gebäude am Drammensveien (heute Henrik Ibsens gate) bezogen, das 1933 um einen Büroflügel und 1939 um einen Ostflügel mit Magazin und großem Lesesaal erweitert wurde. 1998 zog die Bibliothek in ein neues Gebäude am Campus Blindern (Georg Sverdrups Hus). Das Bibliotheksgebäude in der Henrik Ibsens gate wird heute von der Nationalbibliothek genutzt.

Link: Universitesbiblioteket på Solli plass

Los Angeles: University of Southern California – Doheny Library

Los Angeles: University of Southern California - Doheny Library
Los_Angeles_Doheny_Library_r Ort: Los Angeles
Art: Hochschulbibliothek
Baustil: Neoromanik
Architekt: Ralph Adams Cram
Fertiggestellt/Eröffnet: 1932
Person: Edward L. Doheny
Datierung (Karte): ca. 1940er Jahre

Den Ausgangspunkt zum Bau dieses prächtigen Bibliotheksgebäudes bildete ein tragisches Ereignis, das sich 1929 in einem Gästezimmer von Greystone Mansion in Beverly Hills zutrug. Das riesige Anwesen im Tudor-Stil, das 55 Zimmer umfasste und von einem großen Park umgeben war, war das Geschenk des Ölmagnaten Edward L. Doheny (1856-1935) an seinen Sohn Edward „Ned“ Doheny, der es mit seiner Frau und seinen fünf Kindern erst vier Monate zuvor bezogen hatte. Am Abend des 16. Februar wurde Ned Doheny, damals 35 Jahre alt, mit einem Schuß im Kopf tot aufgefunden. Nicht weit von ihm, ebenfalls durch einen Kopfschuss getötet, lag sein Freund und Sekretär Hugh Plunkett. Mord oder Selbstmod? Nach offizieller Lesart hatte Plunkett Doheny erschossen und dann die Waffe auf sich selbst gerichtet. Die Ermmittlungen wurden jedoch auffällig schnell eingestellt, und auch das anfangs große Medieninteresse kam bald zum Erliegen. Bis heute wird spekuliert, was sich damals wirklich zugetragen hat, und ob der Fall nicht in Zusammmenhang mit dem Teapot-Dome-Skandal stehen könnte, einem großen Bestechungsskandal im Zusammenhang mit der Vergabe von Ölförderrechten, der in den 1920er Jahren die USA erschütterte und in den Edward L. Doheny verwickelt war – er hatte im Jahr 1921 durch seinen Sohn Ned und Hugh Plunkett dem Innenminister Albert B. Fall die Summe von 100.000 Dollar zukommen lassen.

Nach dem tragischen Tod seines Sohnes beschlossen Doheny und seine zweite Frau Estelle, zum Andenken an ihn eine Bibliothek zu finanzieren. Sie spendeten der University of Southern California in Los Angeles, an der Ned studiert hatte, mehr als eine Million Dollar zum Bau der „Edward L. Doheny Jr. Memorial Library“. Der Entwurf für das 1932 eröffnete Gebäude satmmt von dem einflussreichen Architekten Ralph Adams Cram. Die Fassade ist von der romanischen Architektur Norditaliens inspiriert. Das Innere war mit modernster Technik ausgestattet und verfügte zum Beispiel über ein pneumatisches Bestellsystem.

Der sozialkritische Roman „Oil!“ von Upton Sinclair (1926-27) weist übrigens Parallelen zum Leben von Edward L. Doheny auf; ebenso der Film „There Will Be Blood“ von Paul Thomas Anderson (2007)

Link: We Shall Never Know: Murder, Money and the Enduring Mystery of Greystone Mansion

Aberystwyth: National Library of Wales

Aberystwyth: National Library of Wales
Aberystwyth_National_Library_of_Wales_r Ort: Aberystwyth
Art: Nationalbibliothek
Baustil: Art déco / Neoklassizismus?
Architekt: Sidney Greenslade / Charles Holden
Fertiggestellt/Eröffnet: 1916 / 1937
Verlag: Valentine‘s Co.
Signatur: W.1370
Bemerkung: „Carbo Colour“ Postcard
Datierung (Karte): ca. 1937

Die Nationalbibliothek von Wales thront hoch über der Cardigan Bay auf dem Penglais Hill, an dessen Fuß sich die Universitätsstadt Aberystwyth erstreckt. Sie wurde 1907 gegründet. Der Standort war Gegenstand einer erbitterten Debatte gewesen, Aberystwyth konnte sich jedoch schließlich gegen Cardiff durchsetzen, nicht zuletzt dank der Fürsprache des späteren Premierministers David Lloyd George sowie des Bibliophilen John Williams, der der Bibliothek seine umfangreiche Sammlung von Manuskripten schenkte. Williams hatte zudem eine erkleckliche Summe gespendet, war damit aber nur einer von über 100.000 Spendern, darunter viele Farmer und Bergarbeiter, die mit ihren „Subscriptions“ die Errichtung der Nationalbibliothek sowie des Nationalmuseums in Cardiff möglich machten („The pennies of the people“). 1911 wurde mit dem Bau begonnen, der in mehreren Etappen ausgeführt wurde und an dem eine Reihe von Architekten beteiligt war. So stammt der ursprüngliche Entwurf von Sidney Greenslade, der zentrale Block (Corps Logis) jedoch von Charles Holden, einem bekannten Architekten, von dem auch einige Entwürfe für Haltestellen der London Underground stammen. Der letzte Teil des Baukomplexes wurde erst 1955 fertiggestellt. Die Karte zeigt den Zustand um 1937 nach Fertigstellung des Corps de Logis-Gebäudes und der Terrassen.

Link: Welsh Biography – Sir John Williams (1840 – 1926)

Chelmsford: Central Library

Chelmsford Central Library (Civic Centre)
Chelmsford Central Library_r Ort: Chelmsford
Art: Öffentliche Bibliothek
Baustil: Neo-Georgianisch
Architekt: Cordingley & McIntyre
Fertiggestellt/Eröffnet: 1935
Verlag: Valentine’s Co.
Signatur: H.3298
Datierung (Karte): um 1935

Die Bibliothek befindet sich in einem im April 1935 eingweihten Verwaltungsgebäude („Civic Center“) zwischen Fairfield Road, Coval Lane und Duke Street. Teile des Komplexes wurden erst 1962 fertiggestellt. Rechts im Bild das „Civic Centre War Memorial“ („Cenotaph“) aus dem Jahr 1923.

Link: History of Chelmsford’s Civic Centre War Memorial

Kattowitz: Oberschlesische Landesbibliothek

Kattowitz: Oberschlesische Landesbibliothek (Dom Oświatowy - Biblioteka Śląska) Kattowitz_Oberschlesische_Landesbibliothek_r
Ort: Katowice (Kattowitz)
Art: Öffentliche Bibliothek
Baustil: Moderne
Architekt: Stanisław Tabeński u. Józef Rybicki
Fertiggestellt/Eröffnet: 1934
Verlag: Foto-Boronowski, Petrowitz O/S
Gelaufen: 1940 (Feldpost)

Die Schlesische Bibliothek (Biblioteka Śląska) wurde in den Jahren 1922/23 als Bibliothek des Schlesischen Parlaments gegründet. 1936 wurde sie zu einer eigenständigen öffentlichen wissenschaftlichen Bibliothek umgewandelt. Zwei Jahre zuvor hatte sie das Gebäude in der Francuska-Str. bezogen, das „Bildungshaus des Volksbibliothekenvereins“, eins der wichtigsten Beispiele der modernen Architektur der Zwischenkriegszeit in Polen. Es war in den Jahren 1929-1934 nach Plänen der Architekten Stanisław Tabeński und Józef Rybicki im Stil des Funktionalismus erbaut worden. Während der deutschen Besetzung im Zweiten Weltkrieg wurden die Sammlungen der Bibliothek mit denen der Oberschlesischen Landesbibliothek aus Beuthen vereinigt und ausschließlich für Deutsche zugänglich gemacht. Die polnischen Bücher wurden ausgesondert und vernichtet. Die Kriegsverluste werden auf mehr als 10.000 Bände geschätzt.

Link: Dom Oświatowy Biblioteki Śląskiej
Link: Biblioteka Śląska – Silesian Library

Cité Internationale Universitaire de Paris

Cité Internationale Universitaire de Paris: Maison Internationale, Bibliothèque
Paris_Cite_Internationale_Universitaire_ Bibliotheque_r Ort: Paris
Art: Öffentliche Bibliothek
Baustil: Neoklassizismus
Architekt: Jean Frédéric Larson
Fertiggestellt/Eröffnet: 1936
Person: John D. Rockefeller, Jr.
Verlag: Draeger
Signatur: 12
Gelaufen: 1952

Die Cité Internationale Universitaire de Paris (C.I.U.P.) ist eine internationale Studentensiedlung in Paris, die aus mehreren Häusern verschiedener Baustile besteht, die jeweils einer Nation zugeordnet sind. Mit der 1925 gegründeten CIUP war der Gedanke des internationalen Austauschs und der Völkerfreundschaft verbunden. Die Karte zeigt die Bibliothek des Hauptgebäudes, des „Maison Internationale“, das auch weitere Einrichtungen wie zum Beispiel Theater, ein Schwimmbad sowie Restaurants enthält. Die Pläne für das Maison Internationale entwarf ursprünglich der französische Architekten Lucien Bechmann, von dem das Gesamtkonzept für die C.I.U.P. stammt; der Auftrag ging jedoch schließlich an den US-amerikanischen Architekten Jean Frédéric Larson, auf Betreiben des Philanthropen John D. Rockefeller, Jr., mit dessen Mitteln das Gebäude 1936 erbaut wurde. Das Äußere erinnert an ein französisches Renaissance-Schloss, die Bibliothek ist stilistisch jedoch eher an den Klassizismus angelehnt und erinnert unter anderem an die Trinity Library von Christopher Wren in Cambridge. Die Bibliothek ist eine Referenzbibliothek mit dem Schwerpunkt auf Französischer Kultur, sie ist auch der Öffentlichkeit zugänglich.

Link: Know the Library – Cité internationale universitaire de Paris

Rom: Universitätsbibliothek

Rom: Universitätsbibliothek (Biblioteca Universitaria Alessandrina)
rom_r Ort: Rom
Art: Hochschulbibliothek
Architekt: Marcello Piacentini
Fertiggestellt/Eröffnet: 1935
Verlag: Sansaini
Datierung (Karte): 1934-1940 (ca.)

Die Biblioteca Universitaria Alessandrina ist die zentrale Universitätsbibliothek der Universität La Sapienza in Rom, der größten Universität Europas. Sie wurde 1667 von Papst Alexander VII. gegründet. 1935 bezog sie das Hauptgebäude des neuen Campus der Universität, der sogenannten Città Universitaria, errichtet nach Plänen von Mussolinis Staatsarchitekt Marcello Piacentini.

Link: La Città Universitaria della Sapienza