Jüchen: Schloss Dyck

Jüchen: Schloss Dyck, Kleine Bibliothek
Juechen_Schloss_Dyck_Bibliothek_r Ort: Jüchen (Deutschland)
Art: Adelsbibliothek
Person: Joseph zu Salm-Reifferscheidt-Dyck
Verlag: Hoven-Schmidt, Krefeld
Bemerkung: Kupfertiefdruck
Datierung (Karte): ca. 1920er Jahre

Schloss Dyck ist ein Wasserschloss, das sich mehr als 900 Jahre lang im Besitz der Familie Salm-Reifferscheidt-Dyck befand. Nach dem Dreißigjährigen Krieg ließ Ernst Salentin zu Salm-Reifferscheidt die ursprüngliche Burg zu einer Vierflügelanlage ausbauen, weitere Erweiterungen folgten im 18. Jahrhundert. Wichtige Impulse verdankte Schloss Dyck dem bedeutenden Amateur-Botaniker Joseph zu Salm-Reifferscheidt-Dyck (1773-1861), der mehrere botanische Werke verfasste, darunter ein Verzeichnis der Pflanzen in den Anlagen von Schloss Dyck („Hortus Dyckensis“) sowie ein Kakteen-Buch. Er ließ den Park im Stil des englischen Landschaftsgartens umgestalten und legte eine bedeutende Bibliothek an. Bei Versteigerungen in den Jahren 1992 und 1993 wurden große Teile der Bibliothek zerstreut, was bei Experten auf scharfe Kritik stieß.

Link: Martin Wolthaus: Schloss Dyck
Link: Eigenhändige Zeichnung von Joseph Fürst zu Salm-Reifferscheidt-Dyck

Schloss Houécourt

Schloss Houecourt - Bibliothek
Schloss Houecourt Bibliothek r Ort: Houécourt
Art: Adelsbibliothek
Fertiggestellt/Eröffnet: 1616
Verlag: Edition „Artistic“, Paris
Person: Claude-Antoine-Gabriel de Choiseul
Datierung (Karte): vor 1918

Das Dorf Houécourt im Süden Lothringens ist nach dem gleichnamigen Geschlecht benannt, das hier im 14. Jahrhundert eine Burg errichtet hatte. Diese ging später in den Besitz der einflussreichen Familie Ligneville über. Schloss Houécourt wurde im Jahr 1616 erbaut, im 18. Jahrhundert gelangte es in den Besitz der Familie Choiseul. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts war das Schloss der Wohnsitz von Antoine-Gabriel de Choiseul (1760-1838), der einen turbulenten Lebensweg hinter sich hatte. Aufgewachsen unter der Obhut seines Verwandten Étienne-François de Choiseul, eines führenden französischen Staatsmanns des Ancien Régime, blieb er während der Französischen Revolution Legitimist und war am Fluchtversuch von Ludwig XVI. im Jahr 1791 (Flucht nach Varennes) beteiligt. Als Gegner der Französischen Republik wurde er 1795 inhaftiert, konnte aber fliehen und versuchte nach Indien zu segeln. Vor der französischen Küste erlitt er Schiffbruch und wurde zum Tode verurteilt, es gelang ihm jedoch erneut die Flucht. Unter Napoleon wurde ihm die Rückkehr nach Frankreich gestattet, später wurde er Pair von Frankreich, Aide-de-camp des Bürgerkönigs Louis-Philippe I. sowie Direktor des Louvre. Von 1810 bis zu seinem Tod 1838 war er Bürgermeister von Houécourt und Generalkonsul des Département Vosges. Seine Gemäldesammlung bildete den Grundstein für das Musée Départmental des Vosges in Épinal. Das Schloss Houécourt wurde zu Beginn des 20. Jahrhunderts zerstört. Zu diesem Zeitpunkt war es im Besitz der Nachkommen der Choiseul-Stainville, der Familie Duc de Marmier bzw. Marmier-Choiseul. Die Aufschrift auf der Rückseite der Karte stammt von „A. de Marmier“. Heute existieren von dem Anwesen nur noch der Park sowie einige Nebengebäude.

Link: Hommage au Duc de Choiseul-Stainville (1760-1838)
Link: Dictionnaire des Vosgiens célèbres

Amorbach: Klosterbibliothek

Klosterbibliothek Amorbach (Fürstlich Leiningensche Bibliothek)
Amorbach Klosterbibliothek r Ort: Amorbach
Art: Klosterbibliothek / Adelsbibliothek
Baustil: Frühklassizismus
Architekt: Ignaz Neumann
Fertiggestellt/Eröffnet: 1786 (ca.)
Verlag: M. Fahs / Wilhelm Gerling Darmstadt
Bemerkung: Kupfertiefdruck
Datierung (Karte): ca. 1930er Jahre

Kloster Amorbach im Odenwald war eine im 8. Jahrhundert gegründete Benediktinerabtei, die im Rahmen der Säkularisation im Jahr 1803 aufgehoben wurde. In den Jahren 1783-1786 war ein neuer Konventbau errichtet worden, das letzte Werk des Architekten Franz Ignaz Michael Neumann (1733-1785), des Sohnes des berühmten Barockarchitekten Balthasar Neumann. Im ersten Obergeschoss befindet sich der zweigeschossige Bibliothekssaal, der als einer der schönsten Bibliotheksräume des 18. Jahrhunderts gilt. Er steht einerseits in der Tradition barocker Bibliothekssäle, verweist andererseits schon auf den Klassizismus („Amorbacher Zopfstil“). Das Deckenfresko stellt allegorisch die Wissenschaften dar; es stammt von dem Maler Konrad Huber aus Weißenhorn. Der Bibliothekssaal ist heute noch unverändert erhalten. Mit der Säkularisation im Jahr 1803 war Kloster Amorbach in den Besitz der Fürsten von Leiningen gekommen, die das Konventgebäude zu ihrer Residenz ausbauten. Unter dem dritten Fürsten Karl zu Leiningen (1804-1856), einem Halbbruder der britischen Königin Victoria, wurden die Bestände der Klosterbibliothek größtenteils verkauft, seit 1851 beherbergt der Saal die Fürstlich Leiningensche Bibliothek. Der Bestand umfasst heute über 30.000 Bände.

Link: Ehemalige Benediktinerabtei Amorbach
Link: Fürstlich Leiningensche Bibliothek

Schloß Branitz: Pückler-Callenbergsche Familienbibliothek

Schloss Branitz bei Cottbus: Bibliothek
Schloss Branitz bei Cottbus Bibliothek r Ort: Branitz
Art: Adelsbibliothek
Fertiggestellt/Eröffnet: Um 1860
Person: Hermann von Pückler-Muskau
Bemerkung: Kupfertiefdruck
Datierung (Karte): 1921-1930 (ca.)

Schloß Branitz bei Cottbus stammt aus dem Spätbarock, doch seine heutige Gestalt erhielt es durch einen Umbau ab der Mitte des 19. Jahrhunderts. Hermann von Pückler-Muskau, der bekannte Schriftsteller, Landschaftsarchitekt und Weltreisende, hatte 1846 aus finanziellen Gründen seine Standesherrschaft Muskau verkauft und baute nun das kleinere, im Familienbesitz befindliche Branitz mit Hilfe verschiedener Architekten, darunter Gottfried Semper, aus. Als größter Raum des Schlosses entstand durch Zusammenlegung mehrere kleinerer Räume das Bibliothekszimmer, das die „Pückler-Callenbergsche Familienbibliothek“ aufnahm. Sie war um 1740 von Fürst Pücklers Urgroßvater begründet worden und umfasste zu Pücklers Lebzeiten mehr als 10.000 Bände. Nach Ende des Zweiten Weltkriegs wurde der Bücherbestand in mehrere Teile zerrissen, ein großer Teil befindet sich noch heute als Kriegsbeute in Russland. Etwa ein Drittel des ursprünglichen Bestands wurde in den Jahren 1994 bis 2005 aus der Stadt- und Landesbibliothek Potsdam nach Branitz zurückgeführt. Das Schloss kann heute besichtigt werden, das Bibliothekszimmer wurde vor einigen Jahren mit Hilfe historischer Fotografien und eines original erhaltenen Möbelstücks rekonstruiert.

Link: Schloss und Park Branitz (Fotos von Frank Burchert)
Link: Pückler-Callenberg-Bibliothek im Schloss Branitz

Wernigerode: Stolbergische Bibliothek

Wernigerode: Fürstlich Stolbergische Bibliothek (Orangerie)
Wernigerode Orangerie Fürstliche Bibliothek r Ort: Wernigerode
Art: Adelsbibliothek
Fertiggestellt/Eröffnet: 1731/1826
Person: Christian Ernst zu Stolberg-Wernigerode
Verlag: Staatliche Bildstelle / Deutscher Kunstverlag
Fotograf: Eduard Bissinger
Signatur: K 8
Datierung (Karte): ca. 1930er Jahre?

Die Stolbergische Bibliothek Wernigerode war eine bedeutende Adelsbibliothek, deren Ursprünge im 16. Jahrhundert liegen. Eine Blütezeit erlebte sie unter Graf Christian Ernst zu Stolberg-Wernigerode (1691 – 1771), der Schloss Wernigerode renovieren und erweitern ließ. Den Lustgarten ließ er im französischen Stil umgestalten und errichtete dort eine Orangerie, die 1731 eingeweiht wurde (die Predigt hielt Graf Nikolaus Ludwig von Zinzendorf). Hundert Jahre später wurde der Lustgarten erneut umgestaltet, diesmal im englischen Landschaftsstil. In die Orangerie zogen nun 1826 die Bibliothek und das Archiv. Ab 1929 wurden Teile des Bestandes verkauft, nach Kriegsausbruch wurde die Bibliothek geschlossen. Nach dem Krieg gelangte sie als Beutekunst nach Russland. Die Handschriften befanden sich danach in der Universitäts- und Landesbibliothek Sachsen-Anhalt in Halle, bevor sie im Jahr 2013 den Erben restituiert wurden. Seitdem sind sie im Privatbesitz von Philipp zu Stolberg-Wernigerode (Hirzenhain). Die ehemalige Orangeire ist heute ein Standort des Landeshauptarchivs Sachsen-Anhalt.

Link: „Stolberger Handschriften wieder in Privatbesitz“ (Artikel von Klaus Graf, 2014)
Link: Fürstlich-Stolberg-Wernigerödische Bibliothek