Parma: Biblioteca Palatina

Parma: Biblioteca Palatina, Salone Maria Luigia (1834) Parma: Bibioteca Palatina
Ort: Parma
Art: Schlossbibliothek
Baustil: Klassizismus
Architekt: Nicolò Bettoli
Fertiggestellt/Eröffnet: 1834
Person: Philipp (Parma)
Datierung (Karte): um 1900

Die Biblioteca Palatina, benannt nach Apollo Palatinus, wurde im Jahr 1761 von Philipp von Spanien, dem Sohn von König Philipp V. von Spanien und Elisabetta Farnese, gegründet. Philipp, Begründer der Linie Bourbon-Parma, war 1748 im Zuge des Friedens von Aachen zum Herzog von Parma bestimmt worden, unter seiner Regierungszeit erlebte das heruntergewirtschaftete Herzogtum eine neue wirtschaftliche und kulturelle Blütezeit. Eine wichtige Rolle dabei spielte der liberale französische Politiker Guillaume du Tillot, den Philipp zu seinem Minister ernannte. Tillot regte zum Beispiel den Anbau von Kartoffeln an, war an der Gründung der Akademie der schönen Künste und des Antikenmuseums beteiligt und reorganisierte die Universität Parma. Im Zuge dieser aufklärerischen Maßnahmen war auch die Errichtung der Biblioteca Palatina als Öffentliche Bibliothek für das Herzogtum gedacht. Erster Bibliothekar war Paolo Maria Paciaudi, ein Mitglied des Ordens der Theatiner, der zuvor in Frankreich das dortige Bibliothekswesen studiert hatte und in Parma den Bücherbestand mit Hilfe eines Netzwerks von Korrespondenten in ganz Europa von Grund auf neu zusammentrug. Die Bücher wurden im Palazzo della Pilotta aufgestellt, einem historischen Gebäudekomplex im Zentrum von Parma, der Ende des 16. Jahrhunderts unter der Regierungszeit der Farnese erbaut worden war. Die Innenausstattung stammt von dem französischen Architekten Ennemond Alexandre Petitot, der von Tillot engagiert worden war und im Herzogtum Parma den neuen klassizistischen Baustil einführte. Die Ansichtskarte zeigt aber nicht diese 1769 fertiggestellte „Galleria Petitot“, sondern den „Salone Maria Luigia“ in einem Anbau aus dem Jahr 1834 (Architekt: Nicolò Bettoli). Dieser monumentale Lesesaal ist nach Marie-Louise von Österreich benannt, der zweiten Ehefrau Napoleons, die von 1814 bis 1847 Herzogin von Parma war und den Bibliotheksbestand erheblich erweiterte. Im Hintergrund des Saals sieht man die Marmorbüste, die der bekannte italienische Bildhauer Antonio Canova 1822 von ihr schuf. Der Palazzo della Pilotta wurde 1944 bei einem englischen Luftangriff schwer beschädigt; dabei gingen mehr als 20.000 Bände verloren. Der Wiederaufbau erfolgte kurz darauf; heute umfasst die Bibliothek über 700.000 Bände sowie zahlreiche Manuskripte, Inkunabeln und Musikalien.

Link: Biblioteca Palatina – History

Autor: bradwardine42

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